Rosi hält offenbar nicht viel von Technik. Sei sie auch noch so smart. Als mitten im Videogespräch mit dem Dresdner Versicherungsmakler Rainer Schamberger Bild und Ton ausfallen, hat die Katze nämlich ihre Pfötchen im Spiel. Sie hat die Kabel kurzerhand rausgezogen. Das Gespräch drehte sich um: Smart Home, also moderne Technik.
Schamberger selbst hat nämlich einen deutlich größeren Hang zu solchen Dingen als Rosi. Er wohnt in einem Neubau, in dem so gut wie alles elektrisch und irgendwie steuerbar ist. Über seinen Fußboden kriecht ein smarter Saug-Wisch-Roboter. Und er kann mit seinem Smartphone den Fahrstuhl rufen.
Kein Wunder, dass sich der Makler auch beruflich mit einem noch nicht allzu alten Trend beschäftigt: dem Trend zum smarten Zuhause. Was das ist, dazu liefert der Versichererverband GDV auf seiner Website „Die Versicherer“ eine schöne Erklärung: „Smart Home ist so etwas wie eine intelligente Steuerung des Zuhauses. Geräte werden smart, indem sie an das Internet angeschlossen und von überall von ihrem Besitzer etwa per App gesteuert werden können.“
Dabei erledigen die Geräte höchst unterschiedliche Aufgaben. Manche sollen schützen, indem sie Fenster und Türen überwachen oder im Urlaub Licht und Fensterläden so steuern, dass das Haus bewohnt aussieht. Andere sollen das Leben erleichtern wie der bereits erwähnte Saug-Wisch-Roboter oder über deutsche Rasen rasende Mähroboter. Und wiederum andere sollen einfach Spaß bringen wie Spielekonsolen oder schlaue Fernseher. Und das sind nur einige Beispiele (Eine Übersicht gibt es auf der folgenden Seite). Alles unterhält sich miteinander, alles ist übers Heimnetzwerk verbunden und von dort meistens auch mit dem Internet.
Wie viele seiner Kunden schon ein durchweg smartes Heim besitzen, kann Makler Schamberger nicht sagen. „Aber oft beginnt es mit einer Wärmepumpe und der angeschlossenen Fußbodenheizung, die man über eine App steuern will“, sagt er. So fängt es dann an, und weitere Geräte können folgen. Immerhin gibt es mit Matter inzwischen einen Standard, durch den die Akteure miteinander in Kontakt treten können.

Doch die Sache hat einen Nachteil: Hochwertige smarte Geräte sind nicht billig. So berichtet Schamberger von mehrfarbigen Philips-Leuchten, die es mal eben auf 400 Euro bringen. Der Tür-/Fensterkontakt II Plus von Bosch kostet fast 53 Euro – was man dann natürlich mit der Zahl der Fenster und Türen multiplizieren sollte. Und ein Family-Hub-Kühlschrank von Samsung beginnt kurz vor der 2.000 und reicht bis über 3.000 Euro hinaus. Aber dafür überträgt er seinen Inhalt per Kamera aufs Smartphone und lässt sich auch als Medienzentrum nutzen.
Es liegt auf der Hand – und ist auch wirklich so -, dass Smart-Home-Geräte entweder zum Hausrat oder zum Gebäude zählen. Je nachdem, wie sie beschaffen sind. Kühlschrank, Spüler und Alexa gehören zum Hausrat. Heizungsthermostat, Jalousien und Überwachungskameras deckt die Wohngebäudepolice. Smart-Home-Besitzer sollten unbedingt prüfen, ob die Versicherungssummen auch für die teure Technik ausreichen. Beim Verbraucherportal Bayern zum Beispiel hält man es sogar für eine Pflicht nach dem Versicherungsvertragsgesetz (Paragraf 23, Gefahrenerhöhung), dass man den Versicherer über teure Smart-Home-Systeme zu informieren hat.
Seite 2: Oft sind Zusatzbausteine verfügbar
Eine Ausnahme gilt übrigens für Mietwohnungen. Dann greift die Hausrat sogar für „fest mit dem Gebäude verbundene elektronische Geräte, wenn der Versicherungsnehmer als Mieter die Gefahr trägt“, stellen die Analysten von Franke und Bornberg in ihrem Blog fest.
Doch dann biegt sogleich das nächste Problem um die Ecke, das Hausrat und Wohngebäude stets mit sich bringen: Sie decken nur die Grundgefahren Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruch und Raub ab. Allenfalls noch die Elementargefahren wie zum Beispiel Hochwasser bei entsprechendem Einschluss.
Das geht aber an der Realität vorbei. „Die häufigsten Risiken im Smart Home sind technische Defekte, Bedienungsfehler oder Eingriffe in die Privatsphäre, zum Beispiel durch Hackerangriffe“, berichtet Johannes Frosch, Leiter Geschäftsfeld Prime Home bei der Bayerischen.
Wie also diese Gefahren versichern? Zunächst hilft ein Blick in die bestehenden Hausrat- und Wohngebäudepolicen. Denn dort können bereits bestehende Zusätze oder hinzubuchbare Extras schon helfen. Bei der Bayerischen heißt das „Unbenannte-Gefahren-Deckung: Haustechnik“ und umschließt somit auch Smart-Home-Technik. Zwar gibt es einige Ausschlüsse, zum Beispiel für Sturmflut und Grundwasser, die oben genannten häufigsten Risiken sind jedoch enthalten. Ohne Sublimit, aber mit 250 Euro Selbstbehalt.

Auch bei der SHB gibt es für die Wohngebäude einen Zusatzbaustein für Haustechnik. Die bereits erwähnten Gefahren sind abgedeckt, auch das Repertoire lässt zunächst keine Wünsche offen. Ausdrücklich ausgeschlossen sind allerdings sämtliche beweglichen Smart-Home-Geräte, womit wir wieder beim klugen Kühlschrank angekommen wären. Aber der ist ja nun mal Hausrat. Bei der Bayerischen sind solche Geräte übrigens nicht ausdrücklich ausgeschlossen, dafür aber indirekt. Einfach, indem sich der Baustein nur auf „Anlagen der Haustechnik und Technische Gebäudebestandteile“ bezieht.
Ein anderes Beispiel zeigt, wie unterschiedlich die Angebote sind. Denn der Versicherer Docura hat mit seiner Zusatzvereinbarung Protect-Smart-Home zur Hausrat ein ebenfalls Päckchen geschnürt. Eingeschlossen sind „sämtliche Komponenten einer Smart-Home-Überwachung beziehungsweise Gerätesteuerung des Versicherungsortes“. Und zwar auch, wenn sie eigentlich als Gebäudezubehör gelten sollten. Grundsätzlich greifen erstmal alle Grundgefahren. Aber oben drauf kommen noch Bedienungsfehler, Sturz, Bruch, Vorsatz durch Dritte und sogar Hacker-Angriffe – bei Sicherungstechnik, also Melder, Sensoren, Kameras. Ausgenommen sind mobile Endgeräte. Auch hier gilt: Bei Unklarheiten mit dem Versicherer sprechen und alles genau abstecken.
Seite 3: Kaum noch Elektronikversicherungen für Private
Aber wie bekommt man wirklich alle Smart-Home-Teile umfassend versichert? „Man benötigt entweder eine All-Risk-Deckung, die auch die gesamte Technik einschließt, also Hausrat und Gebäude, oder eine spezielle Haustechnikversicherung“, sagt Achim Finke, Geschäftsführer beim Düsseldorfer Versicherungsmakler Con4b. Doch eine reine Elektronikversicherung für private Nutzer biete kaum noch jemand an. „Früher gab es das mal für Hausgeräte, die zum Neuwert ersetzt wurden. Doch das hatten viele Kunden gnadenlos ausgenutzt. Kaum war ein neues iPhone auf dem Markt, sind die alten ganz plötzlich runtergefallen und zersplittert“, berichtet Finke.
Mit Con4b bietet er deshalb eine speziell entwickelte Haustechnikversicherung an. Mit im Boot ist ein Konsortium aus fünf Versicherern, meist mit der Gothaer an der Spitze. Finke: „Damit kann man die gesamte Haustechnik oder auch nur einzelne Bereiche der Technik absichern.“
Makler Rainer Schamberger findet: Je nach Menge und Art der Smart-Home-Geräte reichen in aller Regel die Hausrat- und die Wohngebäudepolice, ergänzt um privaten Cyberschutz. Vor allem Cyberversicherungen hält er bei Privatkunden für hart unterschätzt. Sollte man aber wie er sein ganzes Leben digitalisiert haben, sollte man auf jeden Fall eine private Elektronikdeckung zusätzlich in Betracht ziehen. Für sich und seine Kunden hat er eine Lösung gefunden, wenn auch eine Nummer kleiner: den Cyberguard der Inter für 4,99 Euro im Monat. „Darin ist auch die Hardware enthalten, das reicht normalerweise gut aus“, so Schamberger.
In der Tat zahlt die Inter bis zu zweimal im Jahr Reparatur- und Wiederbeschaffungskosten von Smart-Home-Geräten. Auch weitere Hardware und Datenrettungsmaßnahmen übernimmt sie, und noch einiges mehr. Gedeckelt ist das Ganze bei 15.000 Euro pro Jahr. Damit lässt sich schon was anfangen.
Doch ein Haken auch hier: Klassische Defekte und Bedienungsfehler sind nicht mit enthalten. Die Leistungen beziehen sich auf Schäden nach Cyberangriffen oder Betrug im Netz. Aber das ist ja definitiv schon was.
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