Über die Hälfte hat keinen Plan

Wie Wohlhabende ihr Geld tatsächlich anlegen

Wer viel Geld hat, geht doch ganz sicher wohlüberlegt und mit Plan an so ein Thema wie Geldanlage. Möchte man meinen. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt nun, dass das nicht stimmt. Und wo die Gründe liegen.
© Finvia, HRI
Aktien- und Immobilienanteile in deutschen Großvermögen: Zinsanlagen spielen nur noch Nebenrollen

In erster Linie Aktien beziehungsweise Aktienfonds und Immobilien – so könnte man es einfach herunterbrechen, wie wohlhabende Menschen in Deutschland ihr Geld verteilen. Genau genommen liegt fast die Hälfte der Vermögen (42,6 Prozent) in Immobilien. Und der Aktienanteil bringt es auf 24,6 Prozent. Die Cash-Quote beträgt im Schnitt 8,4 Prozent. Weitere Formen spielen eher untergeordnete Rollen, wie die folgende Grafik zeigt.

Diese Zahlen gehen aus einer Umfrage hervor, die das Handelsblatt Research Institute im Auftrag des Multi Family Offices Finvia durchgeführt hat. Darin kamen 300 volljährige Personen mit einem Vermögen von mindestens einer halben Million Euro zu Wort.

Eher überraschungsarm kommen dabei die selbst zugeordneten Anlegerverhalten daher. Ein Drittel der Befragten bezeichnet sich selbst als wachstumsorientiert. Ein Viertel sieht sich als sicherheitsorientiert. Das konnte man in etwa so vermuten, wenn auch vielleicht eher mit vertauschten Werten. Gewinnorientiert verhalten sich 20 Prozent und konservativ 17 Prozent. 4 Prozent sind gar spekulativ unterwegs.

Warum in die Ferne schweifen?

Dass die Befragten auch gegen weit verbreitete Anlegerfehler nicht gefeit sind, zeigt die Frage nach dem sogenannten Home Bias. Darunter versteht man es, wenn sich Anleger hauptsächlich auf ihre Heimatregion konzentrieren, anstatt das Geld breit zu verteilen und dadurch Risiken zu senken. Und siehe da: 46 Prozent der abgefragten Aktienvermögen liegen in Deutschland. 24 Prozent schaffen es immerhin über die Grenze, bleiben aber noch in der Eurozone. Und lediglich 30 Prozent sind darüber hinaus verteilt. Bei Befragten über 55 Jahren beträgt der Deutschland-Anteil übrigens ziemlich genau die Hälfte. Bei den 18- bis 24- Jährigen sind es nur 18 Prozent.

Ähnlich entmystifizierend geht es zu, sobald die Wohlhabenden nach einer Strategie gefragt werden. Denn über die Hälfte (53 Prozent) von ihnen hat: keine. Nur 43 Prozent haben sich im Vorfeld überlegt, wie sie ihr Vermögen prozentual aufteilen wollen.

Seite 2: Welche Umstände es erschweren, Anlageziele zu erreichen

„Je größer das Vermögen, desto eher folgt die Strukturierung der Anlegerdepots einem strategischen Prozess“, notieren dazu die Studienautoren. Für die Ursachen vermuten sie folgendes:

Dies dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass die Anleger es oft als schwierig erachten, einen professionellen Berater zu finden, dem sie vertrauen und der sie hierbei unterstützen kann. Die von den Anlegern wahrgenommene Intransparenz der Finanzindustrie, die in der Befragung zu Tage getreten ist, dürfte hierzu beigetragen haben.

Apropos Transparenz. In diesem Punkt haben die Fragenden nachgebohrt und Ergebnisse erhalten, die die vorangehende These durchaus stützen. Hier sind sie, wobei vor allem die ersten beiden Punkte ins Auge stechen.

Und da gefühlt keine Anlagestudie mehr ohne Nachhaltigkeit läuft, kommt auch hier das Thema auf den Tisch. Mit ebenfalls nicht gerade mit erwartbarem Ergebnis. Denn nur 27 Prozent glauben, dass Nachhaltigkeitsaspekte (ESG) die Rendite erhöhen. 32 Prozent hingegen sehen das anders. 39 Prozent der befragten Frauen glauben übrigens an die gewinnsteigernde Wirkung von ESG, bei den Männern sind es nur 23 Prozent.

Wer die umfassende, mit vielen zusätzlichen Zahlen angereicherte Studie bestellen möchte, kann das hier tun.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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