Serie, Teil 2

Was ein Stuhltest über die Gesundheit verrät – der PH-Wert

Im ersten Teil unserer Serie haben wir uns mit unterschiedlichen Diagnoseverfahren für Stuhltests beschäftigt. Im zweiten Teil geht es nun darum, was alles aus einem umfangreichen Stuhlbefund an gesundheitlichen Erkenntnissen gewonnen werden kann, bringen wir also sprichwörtlich Licht ins Dunkel.
Frau mit Bauchschmerzen und Tee in der Hand: Der PH-Wert des Stuhls ist die erste wichtige Information, die ein Stuhltest zur Verfügung stellt.
© picture alliance / prisma | Neeser Rolf
Frau mit Bauchschmerzen und Tee in der Hand: Der PH-Wert des Stuhls ist die erste wichtige Information, die einem umfangreichen Stuhl-Test zu entnehmen ist.

Der Stuhl-PH-Wert ist die erste wichtige Information über die eigene Gesundheit, die Personen durch einen umfangreichen Stuhltest erhalten.

  • Üblicherweise sollte dieser zwischen 5,5 und 6,5, damit also im leicht sauren Bereich liegen.
  • Meist ist der PH-Wert im Stuhl jedoch erhöht. Dies geht in der Regel mit einer reduzierten Zahl an Bifidobakterien und Lactobacilli einher. Diese kennen die meisten aus der Werbung für milchsauer vergorene Produkte, wie beispielsweise Joghurt.

Im sauer eingelegten Gemüse von Oma kommen sie reichlich vor, so wie auch im frischen Fass-Sauerkraut, oder in Kimchi. Die niedrige Zahl dieser Bakterien im Stuhl, oder häufig deren nahezu vollständiges Fehlen, führt unter anderem zu den basischen Stuhl-PH-Werten. Darüber freuen sich beispielsweise Clostridien und Escherichia Coli. Auch diese Bakterienarten gehören zu einer ausgewogenen Darmbesiedlung. Es kommt aber auf die Menge der Bakterien an.

Allergien, Müdigkeit und Erschöpfung haben ihren Ursprung oft im Darm

Sind beispielsweise zu viele E. Coli und/oder Clostridien vorhanden, so können Allergiesymptome durch ein Ungleichgewicht im Darm und des PH-Werts verstärkt werden. Ein Übermaß dieser Bakterien kann Allergien auch überhaupt erst auslösen.

Beide Bakterienarten im Darm produzieren beispielsweise Histamin. Dabei handelt es sich um einen Stoff, der zu den Gewebshormonen zählt. Vor allem in Mastzellen und basophilen Granulozyten ist es zu finden, also in Zellen des Immunsystems.

Eine typische Histamin-Reaktion hat jeder schon einmal erlebt. Der Hautausschlag nach einem Kontakt mit Brennnesseln gehört hier dazu. Viele Menschen leiden unter einer Histaminunverträglichkeit. Dabei ist ein Missverhältnis der Histaminausschüttung und dessen enzymatischen Abbaus durch die Diaminooxidase (DAO) gestört.

Zu den typischen Symptome zählen Allergien, Asthma-Anfälle, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Migräne, Foggy Brain sowie Erschöpfungszustände.

Wird eine Histaminunverträglichkeit diagnostiziert, wird in der Regel eine histaminarme Ernährung empfohlen. Auf die folgenden Lebensmittel sollten Personen in diesem Fall am besten vollständig verzichten: Tomaten, Sauerkraut, Emmentaler, Parmesan und vergleichbare Hartkäse, roher Schinken sowie Rotwein.

Ein harter Schlag für alle Liebhaber der mediterranen Küche. Jedoch denken viele bei den oben genannten Symptomen wie Allergien häufig gar nicht an eine Histaminunverträglichkeit. Sie bringen eher mögliche psychologische Ursachen ins Spiel.

Selbst wenn die richtige Diagnose erfolgt, muss der Verzicht auf die oben genannten Lebensmittel und/oder die externe Zufuhr des Enyzms DAO nicht zwangsweise eine Besserung zur Folge haben. Denn viele vergessen es die Situation und die Bakterien im Darm zu berücksichtigen. Wenn im Darm eine Überbesiedlung mit E. Coli und/oder Clostridien vorliegt, dann produziert der Körper das überschüssige Histamin häufig dort.

Gerade Clostridium difficile ist ein unfreundlicher Clostridien-Stamm, wenn dieser zu viel im Darm vorhanden sind. Verursacht wird das beispielsweise durch die Einnahme von Antibiotika, wenn nicht zeitgleich – und bis zu zwei Wochen nach Beendigung der Antibiose – Probiotika eingenommen werden. Dann können die bei vielen dieser Medikamente als Nebenwirkung beschriebenen Durchfälle auftreten.

Auch bei reisebedingten Durchfallerkrankungen in südlichen Ländern ist das eines der infrage kommenden auslösenden Bakterien im Darm.

Clostridien sondern als Stoffwechselprodukt Giftstoffe wie Enterotoxin A und Zytoxin B aus. Diese können die Zellen der Darmschleimhaut schädigen. Dadurch wird die Darmwand durchlässiger für weitere Giftstoffe, die nicht in die Blutbahn gelangen sollen.

Mit Lactobacillen den PH-Wert ansäuern

Natürlich könnte man nun gegen die Fehlbesiedlung, die antibiotikabedingt sein kann, das nächste Antibiotikum geben. Dieses würde dann die  vermehrt aufgetretenen Bakterien in die Schranken weisen. Das ein weiteres Antibiotikum dem Darmmilieu und PH-Wert insgesamt nicht zuträglich sein wird, liegt aber auf der Hand. Statt also tendenziell Schlechtes pauschal zu bekämpfen, ist es besser,  etwas Gutes zu stärken und  zuzuführen.

Hier kommen die Lactobacillen und Bifidobakterien wieder ins Spiel. Wie eingangs bereits erwähnt, säuern beide den Darm und den PH-Wert an. Das mögen Clostridien nicht. Bifidobakterien produzieren darüber hinaus das Toxin Bifidin.

Dieses schwächst nicht nur Clostridien, sondern ebenfalls Listerien. Diese können eine Listeriose auslösen. Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und allgemeines Krankheitsgefühl auslösen kann. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Sepsis oder einem Übergreifen auf das Gehirn und die Hirnhäute kommen.

Listerien sind oftmals in kontaminierten Lebensmitteln enthalten, die nicht komplett durchgegart werden. Einem gesunden, ausgewogen besiedeltem Darm machen ein paar Listerien wenig bis nichts aus. Nur wenn diese Bakterien dort Nischen zur Vermehrung im Darm finden, kann es zu Krankheiten kommen. Das passiert, wenn im Körper zu wenig gute Bakterien vorhanden sind, oder eben zu wenig bifidin-produzierende Stämme existieren.

Bestimmte Lactobacilli und Bifidobakterien haben jedoch noch weitere Vorteile. Sie produzieren beispielsweise Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Dabei handelt es sich um einen wichtigen Neurotransmitter im Gehirn, der beruhigend wirkt, Ängste und Gedankenkreisen reduzieren hilft.

Lesen Sie hier die weiteren Teile der Artikelreihe:

Teil 1 – Was ein Stuhltest über die Gesundheit verrät – unterschiedliche Diagnoseverfahren

Teil 3 – Was ein Stuhltest über die Gesundheit verrät -LPS-tragende Bakterien

Teil 4 – Was ein Stuhltest über die Gesundheit verrät – Verdauungsrückstände

Teil 5  – Was ein Stuhltest über die Gesundheit verrät – Wasser-, Stärke- und Zuckergehalt im Stuhl

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Autor

Joachim Haid ist Gründer des Gesundheitsprogramms PaleoMental®, zudem Gesundheitscoach und Heilpraktiker in Ausbildung.

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