Druck der Politik

US-Versicherer kündigt 200.000 Wohngebäudeversicherungen

Nachdem zwei schwere Hurrikane durch den Süden der USA fegten, kündigt ein US-Wohngebäudeversicherer fast 200.000 Versicherten die Policen. Doch das tat er wohl gar nicht mal aus freien Stücken, sondern zusammen mit Behörden, um Risiken besser zu verteilen.
Schäden durch Hurrikan Helene in St. Petersburg, Florida: Wohngebäudeversicherung auf mehr Versicherer verteilen
© picture alliance / ZUMAPRESS.com | Dirk Shadd
Schäden durch Hurrikan Helene in St. Petersburg, Florida: Wohngebäudeversicherung auf mehr Versicherer verteilen

Ist das ein Vorgeschmack auf häufigere Naturkatastrophen? Vielleicht. Denn im US-Staat Florida hat der größte Versicherer, die Citizens Insurance, fast 200.000 Kunden die „Homeowners Insurance“ gekündigt (Sie ist mit der deutschen Wohngebäudeversicherung vergleichbar). Die Betroffenen sollten sich somit eine neue Versicherung suchen. Das berichtet „NBC2“ in seiner Nachrichtensendung und zeigt entsprechende Kundenanschreiben.

Bis dahin hatte Citizens Insurance rund 1,2 Millionen Kunden. Nun ging der Versicherer diesen Schritt ausgerechnet, nachdem die Hurrikane Helene und Milton tausende Versicherte schwer geschädigt hatten. Eine Kundin sagte dem Sender, dass sie zwar einen neuen Versicherer angeboten bekam. Doch mit dem wiederum hätten Freunde und Verwandte schlechte Erfahrung gemacht. Nach Schäden durch Hurrikan Ian (im September 2022) hätten sie aus ihrer Wohngebäudeversicherung noch immer keinen Cent erhalten, so die Kundin.

Darüber hinaus soll die neue Prämie 18 Prozent über der der Citizens Insurance liegen. Doch das ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Sie hatte – so sagt sie – ihr Haus im Februar 2022 gekauft, und seitdem seien die Versicherungsprämien um mehr als 300 Prozent gestiegen. Und da sei die Hochwasserversicherung noch nicht einmal mit enthalten.

Die Kundin weiter: „Wir dachten, wir taten das Richtige, indem wir Wohneigentum kauften. Doch das ist nun zum Alptraum geworden.“

Doch der Versichertenschwund hat noch einen weiteren Hintergrund, und der kommt gar nicht mal von Citizens Insurance selbst, wie „CBS News“ berichtet. Demnach findet Floridas Regierung, dass der Versicherer angesichts der enorm gestiegenen Risiken durch Hurrikane zu viele Kunden hat.

Deshalb startete Citizens zusammen mit den Behörden das „depopulation program“, frei übersetzt: Entvölkerungsprogramm. Es soll dazu führen, dass nicht mehr so viele Wohngebäudeversicherungen bei Citizens liegen und sich die Risiken auf mehr Schultern verteilen. Neun private Versicherer bekamen im Rahmen dieses Programms zuletzt die behördliche Genehmigung, Citizens-Policen zu übernehmen. Was nun offenbar geschehen soll.

Citizens Insurance selbst betont auf Anfrage, dass man die Policen und Kunden nicht „fallengelassen habe“ (Anmerkung: In der NBC2-Sendung hieß es im Wortlaut: „drops […] policies“). „Sie wurden auf eine von mehreren privaten Versicherungsgesellschaften übertragen, die an dem Programm „Citizens Depopulation“ teilnehmen“, erklärt ein Sprecher gegenüber Pfefferminzia. Alle Versicherungsnehmer behielten ihren Versicherungsschutz, so der Sprecher weiter.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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