Vorstandschef Tobias Pross räumt ein

Ohne die Allianz wäre Allianz Global Investors pleitegegangen

In einem bemerkenswerten Interview äußert sich der Vorstandschef von Allianz Global Investors, Tobias Pross, zu der Affäre um die hauseigenen „Structured Alpha Funds“. Ohne die Allianz als Muttergesellschaft hätte man das nicht überstanden.
Tobias Pross, Vorstandschef von Allianz Global Investors
© AGI
Tobias Pross, Vorstandschef von Allianz Global Investors

Im Sommer hatte die juristische Affäre um Hedgefonds der Investmentgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) in den USA ein Ende. Jetzt äußerte sich Vorstandschef Tobias Pross dazu auf bemerkenswerte Weise: „Als börsennotierter Asset Manager ohne unsere Mutter im Rücken wären wir pleitegegangen“, gab er gegenüber dem Magazin „Fondsprofessionell“ in Ausgabe 4/2023 unumwunden zu.

Der Betrug hing mit Fonds der Serie „Structured Alpha Funds“ zusammen, die zu ihrer Blütezeit mehr als 11 Milliarden Dollar schwer waren. Sie setzten komplexe Optionsstrategien ein und sollten regelmäßige Renditen erreichen – doch das stimmte nicht. Die Fonds gerieten in Schieflage und mussten aufgelöst werden.

Pross‘ Aussage verwundert nicht wirklich, schließlich zahlte AGI fast 6 Milliarden US-Dollar zurück beziehungsweise als Strafe. Außerdem gab es sein US-Investmentgeschäft zum größten Teil an den Konkurrenten Voya Financial ab, um trotz zehnjähriger Geschäftssperre am US-Markt aktiv bleiben zu können.

Doch wie Pross weiter ausführt, erlitt AGI daraus keine weiteren und auch keine dauerhaften Schäden: „Kein anderer Regulator auf diesem Planeten hat uns das Vertrauen entzogen, und die Kunden haben uns die Treue gehalten.“

Laut dem Manager haben auch die Behörden bemerkt, dass es sich um einen separaten Einzelfall handelte. Und zwar um einen derart raffinierten und kriminellen, dass die Überwachungssysteme dagegen kaum Chancen hatten. „Wenn jemand sich ein fremdes Mobiltelefon besorgt, um gefälschte Daten zu verschicken, dann findet das kein Compliance-System der Welt“, so Pross in dem Interview.

Persönlich zeigt er sich sehr enttäuscht. Immerhin hätten drei Menschen massiv gegen Regeln und Vorschriften verstoßen und somit mehr als 2.500 Mitarbeiter im Unternehmen und ihre Kunden betrogen: „Ich wünsche so etwas keinem meiner Mitbewerber.“

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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