Studie des IFA mit Klartext

Das sind die Perspektiven der Altersvorsorge

Das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften zeigt in einer Studie, wie Altersvorsorge künftig aussehen sollte. Das sind bittere Pillen für die Regierung, aber auch gutverdienende Beitragszahler. Lobende Worte gibt es für die Riester-Rente.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD, links) im Gespräch mit Finanzminister Christian Lindner (FDP, rechts)
© picture alliance / Geisler-Fotopress | Frederic Kern/Geisler-Fotopress
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD, links) im Gespräch mit Finanzminister Christian Lindner (FDP, rechts): Ersterer braucht heute schon Milliarden von Letzterem, um die Renten stabil zu halten

Wenn die Regierung das Rentenproblem lösen will, muss sie an vielen Stellschrauben zugleich drehen. Nur so könne sie vermeiden, dass eine der drei maßgeblichen Parteien (Beitragszahler, Rentner und Steuerzahler) unangemessen viel schultern muss. Das geht aus einer Studie des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment hervor. Sie trägt den Titel „Thesen zur Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland“ und ist hier kostenlos erhältlich.

Vor allem ist es laut Studie keine gute Idee, bestimmte Stellschrauben als unantastbar darzustellen, wie es die Regierung derzeit mit Rentenniveau, Höchstbeitrag und Eintrittsalter versucht. Es werde sich nämlich nicht vermeiden lassen, die von der Regierung dabei markierten Haltelinien zu über- beziehungsweise unterschreiten. Heißt: steigende Beiträge und Eintrittsalter bei sinkenden Renten. Alles andere würde die öffentlichen Finanzen „massiv belasten“.

Dazu zeigen die Studienautoren die folgende Grafik über gesetzliche Altersvorsorge aus dem Jahr 2020 zur Erinnerung. Man achte vor allem auf die Trends bei Renten- und Beitragsniveau:

Prognose zu Sicherungsniveau, Beitragssatz und Bundeszuschuss in der gesetzlichen Altersvorsorge
Prognose aus dem Jahr 2020 der damaligen Bundesregierung für die gesetzliche Rentenversicherung bis zum Jahr 2045 in Bezug auf Sicherungsniveau, Beitragssatz und Zuschuss aus Bundesmitteln

Sollten diese und folgende Regierungen hingegen den Beitragssatz unter 20 und das Sicherungsniveau bei mindestens 48 Prozent halten, müsste der Bund den Rest zahlen. Dann würde der Zuschuss von 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 4,7 Prozent im Jahr 2040 und 6,5 Prozent 2060 steigen müssen.

Umlageverfahren vs. Staatsfonds

Da Umlageverfahren und die sogenannte Kapitaldeckung, zum Beispiel über einen Staatsfonds, verschiedene Risiken mit sich bringen, sollte man sie laut Studie miteinander kombinieren. Die folgende Grafik zeigt, dass die Einflussfaktoren in den beiden Teilen der Altersvorsorge unterschiedlich wirken:

Einflüsse auf Umlagesystem und Kapitalgedecktes System in der Altersvorsorge im Vergleich
Vereinfachte Darstellung der Anfälligkeit von umlagefinanzierten bzw. kapitalgedeckten Systemen für unterschiedliche Risiken

Der von der Ampel-Koalition geplante erste Kapitalstock von 10 Milliarden Euro sei ein guter Schritt, müsse aber noch wachsen, heißt es. Außerdem brauche so eine Geldanlage Zeit, um sich zu rechnen. Weshalb sie wohl erst jenseits der Dreißigerjahre einen Beitrag leisten kann. Vorher nicht. Trotzdem müsse man heute damit anfangen, den Stock aufzubauen.

Seite 2: Degression bei Rentenpunkten könnte Altersarmut lindern

Und wie groß müsste er sein? Anhaltspunkte liefert eine weitere Studie von 2022. Darin bleibt der Beitragssatz hypothetisch bis 2060 unter oder bei 22 Prozent. Bei einer Rendite von 3 Prozent im Jahr müsste der Kapitalstock dann 864 Milliarden Euro betragen. Bei 5 Prozent Rendite immerhin noch 518 Milliarden Euro.

In diesem Zusammenhang auch ein kleines Lob an die viel gescholtene Riester-Rente. Die Studienautoren bezeichnen sie als „wertvolles Gut“ und würden sie gerne stärken. Schließlich ist sie schon über 20 Jahre alt, und entsprechende Guthaben liegen schon vor. Zudem schließe die staatliche Zulage die Schere zwischen Arm und Reich zumindest ein bisschen. Also lieber reformieren und nicht abschaffen.

Und wie? Die Garantie soll sinken und das Zulageverfahren einfacher werden. Das grundsätzliche System soll aber so bleiben.

Doch dann bleibt noch immer die Frage:

Soll der Staat selbst mitmischen, oder soll er nur leiten und überwachen?

Die Studienautoren weisen darauf hin: Wenn andere Staaten außer Deutschland bereits selbst als Kapitalverwalter auftreten, dann machen sie das im Rahmen der ersten Säule. In den anderen Säulen bestimmen sie eher als Schiedsrichter die Regeln für privatwirtschaftliche Produkte. Das sollte auch Deutschland bitte so halten.

Lebensstandard vs. Altersarmut

Laut Studie sollte sich die Regierung festlegen: Soll die gesetzliche Rente in erster Linie bereits erworbenen Lebensstandard möglichst halten? Oder will sie den Schwerpunkt in die Richtung verlagern, dass sie Altersarmut abmildern soll. Dann müssten nämlich niedrigere Renten steigen und hohe Renten absolut oder zumindest relativ sinken.

Das könnte man durch eine Rentenpunktdegression erreichen, schlagen die Studienautoren vor. Dann würde die Rente je Entgeltpunkt abnehmen, je mehr Rentenpunkte der Einzahler schon hat. Betriebswirtschaftlich hieße das: Der Grenznutzen der Rentenpunkte sinkt mit jedem weiteren Punkt. Was für Menschen mit niedrigen Einkommen ein Segen sein kann, dürfte Gutverdienern nicht sonderlich gut schmecken.

Wie eingangs schon erwähnt, steht die 59-seitigen Studie zur Zukunft der Altersvorsorge hier kostenlos zum Download bereit.

Mehr zum Thema

Das plant die Ampel bei Rente, Altersvorsorge und Gesundheit

„Die Ampel steht“, verkündete ein sichtlich stolzer Olaf Scholz am Mittwochnachmittag in Berlin. Der SPD-Politiker,…

Arbeitsminister Heil verspricht „kräftiges“ Rentenplus und stabile Beiträge

Rentner dürfen sich in diesem Jahr auf eine deutliche Erhöhung ihrer Altersbezüge freuen. Das machte…

Einstieg in Kapitaldeckung der Rentenversicherung ist ein „echter Quantensprung“

In acht Diskussionsrunden argumentierten im Rahmen der Mitgliederversammlung des Votum-Verbands in Berlin 25 Diskutanten über…

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Eine Antwort

  1. Viele SCHWÄCHEN, eher Beschönigungen in dieser Studie. Unter anderem, die Bemerkung die BAV ist im Vergleich zu Riester, nicht so schlecht aufgestellt. Das Hauptproblem besteht aber bei beiden Systemen.
    Immer wenn Garantien vereinbart werden, auch mit 20%, 50% etc. ist eine adäquate Altersversorgung für die Mehrheit der Bürger niemals erreichbar. Bei langfristigen Anlagen, wohl bei Altersversorgungen nicht anders möglich, sind Garantien nicht nur vielleicht, sondern ganz sicher SCHWACHSINNIG. Ab 20 Jahren stellen auch Schwankungen an der Börse kein Ausfallrisiko dar, können sogar die Rente erhöhen!!! Unsere Kunden habe kein Problem, solche Sachverhalte zu erkennen und sind deswegen für die Zukunft BESTENS aufgestellt. Das beruhigt auch besonders, da Ihre Familien später nicht existenzbedrohenden Zusatzbelastungen (Pflege) ausgesetzt sind
    Staatliche Lösungen, bei gigantischem Rückstellungsdefizit der Beamtenversorgung, die in vielen Staaten nicht existiert, da längst abgeschafft, desaströser Infrastruktur, ungelösten Problemen im gesamten Sozialbereich u.v.a. sind tunlichst zu vermeiden.
    Verstärkt auch wegen Covid, dem Ukrainekrieg und daraus folgender krassen Preis/Wirtschaftsentwicklung. Die Geldbeutel werden sehr viel schmäler, hohe Rendite ist deswegen, mit frühem Beginn-JETZT, die EINZIGE Chance vorzusorgen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia