Zur Vorgeschichte: Die Simtal ETF-Invest soll das erste wirklich voll digitale, anlageorientierte Lebensversicherungsprodukt in Deutschland sein, sagen die Macher. Vermittler sollen sie „ohne Medienbruch“ abschließen können, lässt die verantwortliche Versicherungsplattform Simtal verlauten.
Die Effektivkosten liegen bei 0,8 Prozent pro Jahr, die kompletten Beiträge sollen in ETFs wandern. Die Provision ist vordiskontiert.
Das klingt natürlich alles reichlich aufregend und neu. Und es macht auch neugierig und wirft Fragen auf, zum Beispiel nach Technik, Risikoträger und Fondspalette, – die wir an Simtal geschickt haben. Dessen Geschäftsführer Sven Müller hat sie uns ausführlich beantwortet.
Pfefferminzia: Voll digitale Produkte gibt es noch nicht allzu viele? Welche Hürde mussten Sie als letzte überwinden, und wie haben Sie das gemacht?
Sven Müller: Ein digitales Versicherungsprodukt zu bauen ist nicht nur eine Frage der Technik. Es geht vielmehr um das optimale Zusammenspiel verschiedener Experten und, da bei uns nicht nur ‚Techis‘ sondern auch Aktuare tätig sind, konnten wir nicht nur die Plattform, sondern auch das dazu das passende Produkt beziehungsweise Produkte entwickeln. Das war auch ein entscheidender Faktor für unsere Risiko-Lebensversicherung.
Worin unterscheidet sich Simtal ETF-Invest von klassischen Fondspolicen oder Lebensversicherungen?
Müller: Wir stehen für eine passive Anlagestrategie. In keinem Markt gibt es Fonds, die den Index bei langen Laufzeiten dauerhaft schlagen. Wenn überhaupt, tauschen Anleger nur selten die Fonds. Wir sind der Ansicht, dass eine langfristige Anlage in einen Weltmarktfonds für den Kunden das stressfreieste Anlageszenario bedeutet. Solange sich Kunden nicht aktiv um ihre Anlage kümmern, muss man eine Anlagestrategie wählen, die auch 30 Jahre lang funktioniert. Man erweist den Kunden eigentlich einen Bärendienst, wenn man sie dahingehend berät, dass sie sich auf bestimmte Branchen und Teilmärkte fokussieren.
Eine Effektivkostenquote von 0,8 Prozent kann eine Direktbank oder ein Broker bei einem ETF-Sparplan ziemlich einfach unterbieten. Warum soll Ihr Produkt trotzdem günstiger sein?
Müller: Der Versicherungsmantel ist günstiger als der ETF-Sparplan nach Steuern und Gebühren. Zudem liegen die Kosten für den Versicherungsmantel bei 0,6 Prozent und im Übrigen fallen die restlichen 0,2 Prozent genauso auch bei der Direktbank an.
Seite 2: Woher soll die Provision fließen?
Welche Zielgruppe peilen Sie an?
Müller: Unsere Police ist für die Zielgruppen gedacht, die Wert auf niedrige Kosten im Produkt legen und verstehen, dass im Einkauf der Gewinn liegt. Wir wenden uns an Vermittler, die qualitativ hochwertige Produkte vermitteln wollen, aber von einer vordiskontierten Provision, die sie im Rahmen ihrer 34d-Vermittlung erhalten, profitieren können.
Kommt an einem bestimmten Punkt auch mal ein klassischer Deckungsstock ins Spiel?
Müller: Das Vermögen bleibt immer im Anlagestock und somit in ETFs. Wird das Ablaufmanagement gewählt, wird regelmäßig in Renten-ETFs umgeschichtet. Der Anlagestock unterliegt den gleichen regulatorischen Bedingungen wie der Deckungsstock im Bezug auf das Sondervermögen.
Woher soll die vordiskontierte Provision fließen, wenn das komplette Geld in Fonds wandert?
Müller: Mit Abschluss der Police schließt der Kunde eine Versicherungsvermittlungsvereinbarung ab, die regelt, dass der Kunde die Beratungsleistung direkt zahlt. Wir factorn das Ganze und zahlen dem Vermittler die Provision vordiskontiert aus.
Wer ist der Risikoträger für das Produkt?
Müller: Der voll digitale Versicherer Square Life.
Geben Sie mir bitte ein paar Eckdaten zu den investierbaren Fonds.
Müller: Wir haben hier zwei Fonds, den iShares Euro Government Bond 1-3yr und den iShares MSCI World SRI. Das Mischungsverhältnis kommt auf die Risikobereitschaft des Kunden an. Uns war wichtig, physisch replizierte Fonds mit tatsächlich zugrundeliegenden Wertpapieren zu haben. Den MSCI World haben dahingehend reduziert, dass wir nur in den Ausschnitt mit den nachhaltigen Unternehmen investieren.