Serie zur Altersvorsorge, Teil 2

Aktien und Aktienfonds im Inflations-Check

Nachdem es viele Jahre fort war, ist das Inflationsgespenst nun zurück, nagt an Vermögen und setzt Altersvorsorge unter Druck. Doch wie wehrt man es ab? Wir stellen in einer Serie Anlageklassen auf den Prüfstand. Diesmal gehen wir auf Aktien ein und nennen hochwertige Aktienfonds.
Börsenmakler in Paris im Jahr 1928: Aktien bescherten seit 1871 bei einer Haltedauer von mindestens 20 Jahren immer einen Gewinn nach Inflation
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Börsenmakler in Paris im Jahr 1928: Aktien bescherten seit 1871 bei einer Haltedauer von mindestens 20 Jahren immer einen Gewinn nach Inflation

In einer Serie beleuchten wir, wie Anleger gut mit hoher Inflation fertig werden können. Im ersten Teil befassten wir uns mit Staatsanleihen, Sie finden ihn hier. Jetzt soll es um Aktien gehen – und selbstredend auch um Aktienfonds.

Als Anteile von Unternehmen gehören Aktien zu den Sachwerten und gelten als das Mittel der Wahl, um der Inflation Herr zu werden. Wie die Grafik etwas weiter unten zeigt, brachte der Aktienindex MSCI World inklusive Dividenden in 50 Jahren einen Gewinn von weit über 4.000 Prozent. Die Preise in Deutschland stiegen in der Zeit um 250 Prozent. Die Renditen der einzelnen Jahre, vor allem die Verluste, zeigen aber auch, was am Aktienmarkt los war. Ein Crash gehört nun mal mit dazu.

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Beruhigend wirkt an dieser Stelle jedoch, was der Volkswirt Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes, ausgerechnet hat: Seit 1871 (!) brachte der US-Aktienindex S&P 500 in jedem 20- und 30-jährigen Zeitraum eine reale Rendite über null. Dabei rechnete er die an Aktionäre über Dividenden ausgeschütteten Unternehmensgewinne mit ein. Sie kann man als Stabilitätsanker solider Aktienanlagen gar nicht hoch genug einschätzen. Um einen Eindruck davon zu bekommen, bieten sich Daten des Indexanbieters MSCI an. Der veröffentlicht regelmäßig die Dividendenrenditen seiner Indizes. Hier ein paar Beispiele per 29. Juli 2022:

  • MSCI World: 2,1 Prozent
  • MSCI Europe: 3,2 Prozent
  • MSCI Germany: 3,7 Prozent
  • MSCI Emerging Markets: 3,2 Prozent
  • MSCI USA: 1,6 Prozent

Merkwürdigerweise schlagen sich Aktien bei allzu hoher Inflation gar nicht mal so gut. Analysten der Fondsgesellschaft Union Investment ermittelten, wie US-Aktien seit 1973 in unterschiedlichen Inflationsregimes abschnitten. Bei Inflation zwischen einem und 5 Prozent fuhren sie deutlich zweistellige Renditen ein. Das ist somit die Komfortzone. Bei mehr als 5 Prozent Inflation waren es hingegen nur 6,7 Prozent im Jahr, real bleibt da kaum noch was übrig.

Ertrag aus globalen Aktien im Vergleich zur Inflation in Deutschland (Quellen: MSCI, Fred St. Louis)
Ertrag aus globalen Aktien im Vergleich zur Inflation in Deutschland (Quellen: MSCI, Fred St. Louis)

Den Grund liefern die Finanzmarktstrategen Karen Ward und Jai Malhi von der Investmentgesellschaft J.P. Morgan Asset Management (JPMAM). In einem Marktbericht vergleichen sie Inflation mit Schokolade: Zu wenig ist unbefriedigend, zu viel ist problematisch. Ab einem bestimmten Punkt müssen nämlich die Notenbanken eingreifen, die Zinsen erhöhen und damit die Wirtschaft abkühlen. Das wiederum führt meist zu einer Rezession und drückt die Aktienkurse. Das Problem für Aktien ist somit nicht die Inflation selbst, sondern der dann steigende Zins.

Seite 2: Globale Aktienfonds mit Morningstar-Rating „Silber“ und „Bronze“

Denn in normaler Inflation handeln Unternehmen so: Sobald ihre Kosten durch Inflation steigen, erhöhen sie ihrerseits die Preise, um ihre Gewinnmargen halten zu können. Im Idealfall schaffen sie das und steigern damit ihren eigenen Umsatz und auch den nominalen Gewinn. Wessen sogenannte Preissetzungsmacht zu gering ist, der kann die Einnahmen kaum hochziehen, gehört zu den Verlierern der Inflation und muss sinkende Gewinne hinnehmen. An Fundamentalkennzahlen wie Umsatz und Gewinn orientiert sich der Aktienkurs, weshalb nicht nur die ausgeschütteten Dividenden steigen, sondern auch die Kurse. Doch das bezieht sich aber nur auf lange Zeiträume. Kurzfristig können Kurse trotz starker Umsätze und Gewinne sehr wohl einbrechen.

Nun sollten Vorsorger aber nicht anfangen, einzelne Aktien herauszusuchen, sondern Fonds nutzen. Ob aktiv oder passiv über Indexfonds (ETFs) ist erst einmal egal, fast jeder Fonds ist besser als kein Fonds. „Man sollte langfristig nicht mit Feinheiten kalkulieren. Die Anlage sollte global aufgestellt und sehr breit gestreut sein“, sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei JPMAM.

Globale ETFs mit über 1.000 Aktien

Diesen Anspruch erfüllen zunächst einmal ETFs auf solche globalen Indizes wie MSCI World, MSCI All Country World (inklusive Schwellenländer) oder Konkurrenzindizes wie den FTSE All-World. Sie enthalten jeder weit über 1.000 Aktien und sind für Fondspolicen meist problemlos verfügbar, wenn auch eventuell von unterschiedlichen ETF-Anbietern.

Aber auch aktiv gemanagte Aktienfonds sind einen Blick wert. Die Rating-Agentur Morningstar schaut sich im Rahmen ihrer qualitativen Ratings an, wie die Anbieter aufgestellt sind, wie teuer die Fonds sind und was der Investmentansatz taugt. Der Vorteil daran: Die Ratings beruhen nicht allein auf vergangener Wertentwicklung – die ohnehin Schnee von gestern ist –, sondern auf Managementansatz, Kosten, Kapazitäten und den Fähigkeiten der Leute dahinter. Natürlich gibt auch das keine Garantie, aber durchaus Anhaltspunkte, dass die Leistung auch künftig stimmt.

Nicht alle guten Fonds haben so ein Rating. Aber wer ein Rating hat, ist höchstwahrscheinlich gut. Natürlich ist auch das keine Garantie für die kommenden Jahre, aber es ist ein Anhaltspunkt. An dieser Stelle haben wir alle globalen Aktienfonds mit den Noten „Silber“ und „Bronze“ herausgesucht und auf Morningstar verlinkt. Damit können Sie dort weitere Informationen und die aktuelle Wertentwicklung abrufen. „Gold“ hat keiner, weil die Anteilsklassen für Privatanleger dafür meist zu teuer sind.

Globale Aktienfonds mit dem Morningstar-Rating „Silber“
Globale Aktienfonds mit dem Morningstar-Rating „Bronze“

Im dritten Teil unserer Serie über inflationsfeste Anlagen geht es um die ultimative Krisenwährung: Gold. Sie finden ihn hier.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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Eine Antwort

  1. Kurz und mittelfristig spielt das eine Rolle. Langfristig ist es unerheblich. Also bitte keine Sorgen wenn Warren Buffet vorübergehend einige Milliarden verliert. Im Gegenteil, die Gewinne und das Gesamtergebnis waren danach meistens deutlich höher. Wenn man dann noch einige Kniffe zur Renditesteigerung parat hat….

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