„Mehrjähriger Wertpapierbetrug“

Finales Urteil für Allianz Global Investors in den USA

Das Warten hat ein Ende. Nachdem die Allianz vor gut einem Jahr einen Vergleich aushandelte, hat ein Gericht diesen nun bestätigt. Damit ist die US-Investmenttochter wegen Wertpapierbetrugs verurteilt – und das Thema zumindest juristisch erledigt.
US-Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York, Damian Williams
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Carolyn Kaster
US-Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York, Damian Williams

Die Allianz kann ein unschönes Kapitel ihrer Unternehmensgeschichte abschließen. Richterin Colleen McMahon vom Bezirksgericht New York Manhattan verurteilte die US-Tochter des hauseigenen Vermögensverwalters, Allianz Global Investors U.S. (AGI), wegen mehrjährigen Wertpapierbetrugs. Das teilte das US-Justizministerium mit und zitierte dabei den US-Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York, Damian Williams. Richterin McMahon bestätigte mit ihrem Urteil einen Vergleich, den die Allianz vor etwa einem Jahr mit den US-Behörden ausgehandelt hatte.

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Der Betrug hing mit einer Reihe privater Investmentfonds zusammen, die AGI in den USA verwaltete und anbot. Die Fonds der Serie „Structured Alpha Funds“ enthielten zu ihrer Blütezeit mehr als 11 Milliarden US-Dollar, heißt es in einer Nachricht des US-Justizministeriums. Sie setzten komplexe Optionsstrategien ein und sollten regelmäßige Renditen erreichen – damit fielen sie in die Kategorie Hedgefonds. Allerdings habe AGI die Anleger über die Risiken getäuscht, so das Ministerium weiter. Mehr dazu lesen Sie hier.

Nachdem die Märkte in der Corona-Krise im März 2020 einbrachen, verloren die Fonds mehr als 8 Milliarden Dollar an Marktwert und 3 Milliarden Dollar an Kapital. Zu viele Anleger verlangten zu viel Geld zurück und aus Termingeschäften wurden Nachschüsse (Margin-Calls) fällig, sodass die Fonds schließen mussten. Laut Ministerium wurden mehr als 100 Anleger Opfer dieses Betrugs, darunter Pensionsfonds für Lehrer, religiöse Organisationen, Busfahrer, Ingenieure und andere Einzelpersonen, Universitäten und gemeinnützige Organisationen.

Doch das Thema ist nun offenbar durch. AGI wurde zu Geldstrafen verurteilt, die sich aus über 463 Millionen Dollar Beschlagnahme, 3,23 Milliarden Dollar Rückzahlung und 2,33 Milliarden Dollar Geldstrafen zusammensetzen. Diese Beträge beinhalten Erstattungen an die Opfer, beschlagnahmte Erträge, die auf den Betrug zurückzuführen sind, und den Einzug jener Dividenden, die AGI an die Muttergesellschaft zahlte und die ebenfalls auf den Betrug zurückzuführen sind.

AGI hat die Strafen in voller Höhe gezahlt und die Opfer durch Vergleiche in den Zivilverfahren mit einem Gesamtbetrag von über 5 Milliarden Dollar entschädigt. Außerdem hat sie ihr US-Investmentgeschäft zum größten Teil an den Vermögensverwalter Voya Financial übertragen, um trotz zehnjähriger Geschäftssperre am US-Markt aktiv bleiben zu können.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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