Mitnahmeeffekt statt Motivation

Mehr Frührentner beziehen hohe Zusatzeinkommen

Das ist gar nicht im Sinne von Wirtschaft, Rentenkasse und Regierung: Die Deutschen gehen tendenziell früher in Rente und verdienen sich dann ordentlich was hinzu. Möglich macht‘s eine Maßnahme der früheren Regierung, die eigentlich ganz anders gedacht war.
Rentner am Rhein: Mehr Frührentner verdienen sich was hinzu
© picture alliance / Jochen Tack
Rentner am Rhein: Mehr Frührentner verdienen sich was hinzu

Eigentlich wollte der Gesetzgeber erreichen, dass mehr Menschen auch in Rente noch freiwillig arbeiten. Weshalb er zum Jahr 2023 die sogenannte Hinzuverdienstgrenze abschaffte. Wer also in Rente geht, darf trotzdem unbegrenzt nebenher verdienen.

Doch wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln nun festgestellt hat, ging der Plan nicht auf. Denn vor allem Frührentner – ob mit oder ohne Abschläge – nutzen diese Möglichkeit.

Aus der IW-Untersuchung (mit Zuwendung des Forschungsnetzwerks Alterssicherung) geht hervor: Bei Menschen mit 45 Versicherungsjahren, die ohne Abschlag vorzeitig in Rente gehen („Rente mit 63“) fährt jeder Vierte „große Hinzuverdienste“ ein. 2022, also noch mit der Hinzuverdienstgrenze, waren es 18 Prozent. Als „großer Hinzuverdienst“ zählt im Rahmen der Studie jedes Einkommen über der Minijob-Grenze.

Ähnliches Bild bei jenen, die nach 35 Versicherungsjahren mit Abschlägen in Rente gehen. Dort stieg der Anteil von 8 auf 14 Prozent.

Damit kontert der aktuelle Trend die aktuellen Pläne, dass Menschen länger arbeiten sollen. Seit der Reform gehen mehr Menschen vorzeitig und mit Abschlägen in Rente. Dabei stieg der Anteil der langjährig Versicherten mit 35 Versicherungsjahren von 21,7 Prozent (2020) auf 24 Prozent (2024). Auch das Durchschnittsalter zum Renteneintritt der langjährig Versicherten mit großem Hinzuverdienst ging leicht zurück.

Im IW vermutet man dahinter den sogenannten Mitnahmeeffekt: Die Betroffenen gehen vorzeitig in Rente, um dann nebenher unbegrenzt weiterzuarbeiten.

„Die Regierung sendet gegensätzliche Signale an die Babyboomer: Zum einen erhöht sich bis 2031 die Regelaltersgrenze auf 67 Jahre. Zum anderen werden vorzeitige Renteneintritte für die Gemeinschaft teuer ermöglicht“, sagt IW-Arbeitsmarktökonomin Stefanie Seele. Maßnahmen wie der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze und die Aktivrente seien kostspielig und lösten das Problem nicht nachhaltig.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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