Pfefferminzia: Immer mehr Versicherer erklären das Thema Nachhaltigkeit zu DEM Zukunftsthema in der Altersvorsorge. Wie groß ist das Nachfragepotenzial hier wirklich?
Ute Thoma: Im öffentlichen Diskurs rangiert Nachhaltigkeit heute auf der Themen-Agenda ganz oben. Die Bereitschaft, sich auch in Vorsorgefragen mit Themen wie Klimaschutz, ökologischer und sozialer Verantwortung auseinanderzusetzen, wächst rasant. Mit unserer nachhaltigen Tochtermarke Pangaea Life spüren wir dieses Interesse am eigenen Leib: Im vergangenen Jahr konnten wir die Beitragssumme unserer grünen Vorsorgeprodukte um 53 Prozent steigern. Dass dies erst der Anfang ist, zeigen jüngste Studien: Demnach achtet jeder zweite Kunde bei der Wahl einer Versicherung schon heute auf das Thema Nachhaltigkeit. Der Bewusstseinswandel ist also in vollem Gange und wird diesen Anteil in den nächsten Jahren weiter vergrößern. Grüne Vorsorgeprodukte treten aus der Nische und werden zum Zugpferd der Branche – und das ist gut so.
Welche konkreten Produkte gibt es, die Maklerinnen und Makler guten Gewissens empfehlen können? Und wie findet man die?
Der Markt bietet heute in diesem Bereich eine ganze Palette attraktiver Produkte. Auch in der betrieblichen Altersversorgung, kurz bAV, erkennen immer mehr Unternehmen die Chance, sich mit grünen betrieblichen Vorsorgelösungen zu positionieren. Welches Produkt das beste ist, entscheiden vor allem die konkreten Umstände, Bedürfnisse und Ziele des Kunden. Was aus meiner Sicht dagegen nicht verhandelbar sein sollte, ist das Thema Transparenz. Kunden reagieren hier mit Recht zunehmend sensibel. Sie wollen wissen: Wie lösen Anbieter ihr Nachhaltigkeitsversprechen konkret ein. Makler sollten ihren Kunden daher plausibel erklären können, wohin ihr Geld fließt und welchen Beitrag für unseren Planeten es dort leistet. Ein Blick in die Kapitalanlage liefert hier Aufschlüsse.
Was kennzeichnet eine wirklich nachhaltig orientierte Geldanlage?
Der Schlüssel zu echter Nachhaltigkeit liegt in der Art und Weise, wie Versicherer die ihnen von Kunden anvertrauten Beiträge investieren. Die Kriterien ESG – also Environment, Social und Governance – spielen dabei eine wichtige Rolle. Klare Ausschlusskriterien geben Kunden die Sicherheit, dass ihre Beiträge keinesfalls ökologisch, sozial oder ethisch fragwürdige Branchen fördern. Doch das Wissen, mit der Geldanlage keinen Schaden anzurichten, reicht vielen Kunden heute nicht mehr – sie möchten echtes Impact Investing. Das heißt: Mit meiner Vorsorge will ich aktiv etwas zum Besseren bewirken. Vermittler punkten hier mit Detailkenntnissen: Sie sollten ihren Kunden erklären können, wie zum Beispiel die Unternehmen eines nachhaltigen Fonds die Welt zu einem besseren Ort machen. Je konkreter, desto besser. Ideal sind messbare Belege, wie zum Beispiel Aussagen über die Menge an CO2, die eine Investition einzusparen hilft.
Wie können Makler prüfen, ob ein bAV-Produkt diese Kriterien auch wirklich erfüllt?
Gerade in der bAV sind Garantien häufig fester Bestandteil – auch getrieben vom Gesetzgeber. Egal, ob es sich um ein klassisches, indexgebundenes oder fondsgebundenes Produkt handelt, landet ein beträchtlicher Teil des Beitrags im Sicherungsvermögen des Anbieters. Insofern steht die Kapitalanlage des Versicherers im Fokus. Hier können Anbieter mit Transparenz punkten. Die Bayerische veröffentlicht jährlich einen gesonderten Kapitalanlagebericht, der neben ökonomischen Faktoren auch ESG-Aspekte detailliert beleuchtet. Gerade bei fondsgebundenen Lösungen lohnt sich auch ein Blick auf die Einzeltitel des Fonds – denn nicht überall, wo nachhaltig draufsteht, ist auch nachhaltig drin. Labels, Zertifizierungen und Ratings anerkannter und unabhängiger Stellen können für zusätzliche Glaubwürdigkeit sorgen. Doch auch hier ist ein Blick hinter die Kulissen ratsam.
Zudem veröffentlichen viele Anbieter mittlerweile Nachhaltigkeitsreportings, zum Beispiel nach den Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Wie Sie sehen, hängt viel an der Transparenz des jeweiligen Versicherers: Wie weist er nach, dass die Beiträge der Kunden im Sinne der Nachhaltigkeit eine positive Wirkung entfalten?
Welche Zielgruppen sind besonders „Nachhaltigkeits-affin“? Sind das hauptsächlich jüngere Leute?
Tatsächlich ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der jüngeren Generation besonders ausgeprägt. Bei vielen Jüngeren ist es heute völlig normal, bei einer Konsumentscheidung auch auf ökologische und ethische Aspekte zu achten. Nachhaltigkeit und Verantwortung für unsere Umwelt gelten als cool. Doch auch ältere Zielgruppen holen auf: Unter unseren Kunden finden wir besonders viele Personen über 50 Jahre, die das Thema grüne Geldanlage gerade für sich entdecken. Viele haben erkannt, dass wir etwas tun müssen, wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen möchten.
Manche Kunden befürchten, Nachhaltigkeit geht auf Kosten der Rendite. Ist ein reines Öko-Gewissen nur gegen Aufpreis, sprich: Renditeverzicht zu haben?
Das Gegenteil ist richtig. Die überwältigende Mehrheit der Studien zeigt, dass Nachhaltigkeit in der Geldanlage keinen negativen Effekt auf die Rendite hat und sich häufig sogar positiv auswirkt. Ein Beispiel: Mit unserem nachhaltigen Pangaea Life Sachwerte-Fonds erreichen wir seit Auflage aktuell eine jährliche Durchschnittsrendite von 7 Prozent – ein Wert der ungefähr auf Höhe der Performance des wichtigsten deutschen Aktienindex Dax in den vergangenen zehn Jahren liegt. Mit dem Unterschied, dass unser Fonds zu 100 Prozent in nachhaltige Sachwerte investiert. Zusammengefasst: Nachhaltigkeit wird in der Weltwirtschaft von Morgen eine zentrale Rolle spielen. Dementsprechend ist die nachhaltige Altersvorsorge eine doppelte Investition in die Zukunft und birgt attraktive Renditeaussichten.
Ist die EU-Transparenzverordnung aus Ihrer Sicht ein richtiger Schritt?
Dass die Europäische Union das Thema Nachhaltigkeit verbindlich in der Finanzberatung verankert, begrüßen wir. Damit trägt die Politik der Tatsache Rechnung, dass wir als Versicherungsbranche mit dem von uns verwalteten Kapital einen der größten Hebel für nachhaltige Veränderung in der Hand halten. Uns ist bewusst, dass die Transparenzverordnung für Maklerinnen und Makler mit Mehraufwand verbunden ist. Wir sind aber überzeugt, dass dieser Aufwand für Vermittler eine sinnvolle Investition in die Zukunft, ja sogar eine große Chance ist. Denn immer mehr Kunden fordern diese Nachhaltigkeit für Finanzprodukte aktiv ein. Wer seine Produktpalette und Beratung heute auf nachhaltige Beine stellt, kann das steigende Kundeninteresse ideal für sich nutzen.
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