Lust auf ein paar Superlative? Bitte sehr: Der im Jahr 1957 gestartete S&P 500 aus dem Hause Standard & Poor’s ist der erste Index für US-Aktien, deren Mitglieder nach ihrem Börsenwert gewichtet sind. Was übrigens heute Standard ist. Er enthält grundsätzlich 500 US-amerikanische Unternehmen (zurzeit 503) und deckt 80 Prozent des Aktienmarktes eben dort ab. Und er ist einer der bekanntesten Aktienindizes der Welt.
Die 503 Unternehmen haben einen gesamten Börsenwert von 36,6 Billionen US-Dollar. Schätzungsweise 13,5 Billionen Dollar an Anlegergeld folgen dem Index direkt oder orientieren sich an ihm als Vergleichsmaßstab (Englisch: Benchmark). Direkte Indexanlagen auf den S&P 500 ergeben zusammen 5,4 Billionen Dollar. Das entspricht dem Börsenwert aller deutschen Aktien – mal 4,5.
58,2 Milliarden Dollar davon vereint allein der iShares Core S&P 500 Ucits ETF (ISIN: IE00B5BMR087) auf sich. Als börsennotierter Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF) folgt er direkt dem Aktienindex und baut ihn nach. Auf unserer Liste des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) mit den am häufigsten in Fondspolicen auftauchenden Fonds liegt er auf Rang 2.
Das verblüfft insofern, dass ein Vorsorgeportfolio eigentlich global gestreut sein soll. Das ist der S&P 500 definitiv nicht. Auch beigemischt funktioniert er nur bedingt. Die Indizes MSCI World und MSCI All Countries World sind schon reichlich mit US-Aktien versehen. Ersterer zu über zwei Dritteln, Letzterer zu fast zwei Dritteln. Es ist Unsinn, diese Quote noch zusätzlich zu erhöhen.
Was allerdings blendend funktioniert, ist, wenn man diesen ETF mit weiteren speziellen Fonds für Europa, Asien und vielleicht weiteren Regionen kreuzt. So kann man sich sein eigenes Weltportfolio zusammenstellen und dabei die USA angemessen berücksichtigen.
Denkbar ist auch, dass Anleger den Aktienmarkt als ältesten und größten der Welt bewusst kaufen und auf andere Regionen verzichten. Und über eines gibt es nun wirklich keinen Zweifel: Trotz aller asiatischen Aufholmanöver und europäischen Beschwörungen in den vergangenen Jahrzehnten ist die Börse in New York noch immer das Maß aller Dinge. Bisher hätte man mit einem S&P-500-Investment auch nicht viel falsch gemacht. Das macht den Fonds zur Ansichtssache, wenn auch keiner sonderlich schwierigen.
Seite 2: Sauber gebauter Index, guter ETF, aber …
Am Indexaufbau selbst gibt es nicht viel zu mäkeln. 500 Titel werden sogar so einem riesigen Aktienmarkt mehr als gerecht. Alle müssen Mindestkriterien in Richtung Börsenwert und Handelsvolumen erfüllen, wie es bei solchen Landesindizes üblich ist. Aber, und das war lange Zeit ein großer Unterschied zum Dax: Die Indexmitglieder müssen schon mindestens ein Jahr lang an der Börse notiert sein und in den vier Quartalen vor Aufnahme in den Index schwarze Zahlen geschrieben haben. Denken wir an dieser Stelle kurz an die Dax-Mitglieder Deutsche Telekom mit ihrem Direkteinstieg gleich nach Börsengang und Delivery Hero mit Zahlen so rot wie Ketchup. Ein paar Proberunden an der Börse sind da sicherlich keine schlechte Idee.
Trotz aller Strahlkraft und Vorteile: Wer den Index kauft, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er im Grunde nie was für Schnäppchenjäger ist. Fundamentale Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und Dividendenrendite fallen in den USA traditionell schwächer aus als hier in Europa. Vor allem bei Standardwerten.
In diesem Fall kommt der S&P 500 mit einem geschätzten, künftigen KGV von 17,8 (Dax: 10,4), einem KBV von 4,6 (Dax: 1,4) und einer Dividendenrendite von 1,6 Prozent daher (Dax: 1,8 Prozent). Hinzu kommt ein ähnlicher Effekt wie ihn fast alle Indizes haben: Klumpen. Über ein Fünftel des Index, genaugenommen 22,6 Prozent, verteilen sich auf fünf Unternehmen: Apple, Microsoft, Amazon, Tesla und Alphabet (also Google).
Auch Branchenvielfalt geht irgendwie anders. Technologiewerte nehmen derzeit 28 Prozent des Index ein. Im Vergleich dazu kommen Rohstoffunternehmen mit 2,5 Prozent nur als lange vernachlässigtes Spurenelement vor. Das ist Resultat vergangener Kursentwicklung und Ergebnis des enormen Erfolgs US-amerikanischer Technologiewerte. Schließlich wird nur das im Index hoch gewichtet, was gut gelaufen ist.
Am iShares Core S&P 500 Ucits ETF selbst gibt es indes nichts auszusetzen, der Anbieter Blackrock (zugleich ETF-Marktführer) leistet wieder einmal solide Arbeit. Als sogenannter voll replizierender ETF enthält das Portfolio tatsächlich alle Indexwerte (wenn sie nicht gerade verliehen sind). In dieser Hinsicht lässt sich die Gesamtkostenquote (TER) von 0,07 Prozent im Jahr getrost als Kampfkondition verstehen. Drunter liegen nur noch Konkurrenzprodukte von Xtrackers (0,06 Prozent) und Invesco (0,05 Prozent).
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