Festgeldzinsen sinken

Wie Anleger das Wiederanlagerisiko vermeiden

Festgeldzinsen sinken, sichere Anlagen verlieren an Attraktivität: Das Wiederanlagerisiko betrifft Millionen Deutsche. Die Experten des Financial Planning Standards Board (FPSB) raten Anlegern daher zu neuen Strategien mit Aktien und Fonds. Welche das genau sind, lesen Sie hier.
Zwei Personen berechnen ihre Rente: Das FPSB gibt Tipps, wie Anleger mit dem Wiederanlagerisiko umgehen können.
© picture alliance / Zoonar | Chalirmpoj Pimpisarn
Zwei Personen berechnen ihre Rente: Das Financial Planning Standards Board (FPSB) gibt Tipps, wie Anleger mit dem Wiederanlagerisiko umgehen können.

    Über 4 Prozent Zinsen gab es bei Festgeld Anfang vergangenen Jahres. Das war vor allem für sicherheitsbewusste Anleger attraktiv. Doch inzwischen ist der Festgeldzins – aufgrund der Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) – in der Spitze auf rund 2,5 Prozent zurückgegangen.

    Wer also im vergangenen Jahr einen größeren Betrag in Festgeld investiert hatte, bekommt heute nicht mehr den gleichen Zinssatz wie damals – und hat damit das Problem der Wiederanlage. Das berichten die Experten des Financial Planning Standards Board (FPSB).

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    Dieses Wiederanlagerisiko betrifft aber nicht nur Festgeldanlagen. Auch bei festverzinslichen Wertpapieren kann es auftreten, da diese irgendwann fällig werden. Schließlich gilt es auch für abgeschlossene Versicherungen. Im vergangenen Jahr zum Beispiel zahlten allein deutsche Lebensversicherer fast 102 Milliarden Euro an ihre Kunden aus. Das geht aus den Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor.

    Besonders relevant wird das Thema, weil viele Menschen in Deutschland einen großen Teil ihres Vermögens in solchen Anlageformen halten. Laut DZ Bank hatten die Bundesbürger Ende 2024 knapp 37 Prozent ihres Vermögens in Bankeinlagen und 26,7 Prozent in Versicherungen investiert. Damit sind knapp zwei Drittel des gesamten Geldvermögens von 9,4 Billionen Euro einem Wiederanlagerisiko ausgesetzt.

    Aktienanlage als Alternative

    Was also tun? „Tatsächlich ist das Zinsniveau derzeit eher niedrig“, sagt Professor Rolf Tilmes, Vorstand des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB Deutschland). Zehnjährige Bundesanleihen brächten Anfang August zwar rund 2,7 Prozent. Aber: „Das heißt real, also nach Abzug der Inflationsrate, bringen sichere Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gerade mal eine Rendite von 0,7 Prozent pro Jahr“, so der Experte weiter. Fest- oder Tagesgeld schnitten noch schlechter ab.

    Wie Anleger am besten mit dem Wiederanlagerisiko umgehen, wenn sie bereits nach kurzer Zeit auf das Kapital angewiesen sind, erfahren Sie auf der zweiten Seite.

    Tilmes empfiehlt daher, langfristig stärker auf Aktien zu setzen. „Wer das Wiederanlagerisiko grundsätzlich vermeiden möchte, sollte deshalb Anlagen wählen, bei denen es kein Ablaufdatum und damit keinen festen Rückzahlungstermin gibt“.

    Exchange Traded Funds (ETFs) oder Investmentfonds auf Aktien haben zum Beispiel keinen Rückzahlungstermin. Und wer eine thesaurierende Variante wählt, bei der die Ausschüttungen sofort reinvestiert werden, profitiert zusätzlich vom Zinseszinseffekt. „Wer sich wegen der Kursschwankungen Sorgen macht, kann sein zu investierendes Kapital auch in Raten oder über einen Sparplan investieren“, rät Tilmes.

    Viele Anleger sind mit dem Wiederanlagerisiko bereits konfrontiert. „Da vor allem sichere Zinsanlagen derzeit nicht wirklich attraktiv sind, sollten Anleger das frei gewordene Geld, wenn sie noch einen Anlagezeithorizont von fünf Jahren oder mehr haben, zumindest zum überwiegenden Teil wie beschrieben in Aktien anlegen“, erklärt Tilmes.

    Verschiedene Töpfe für die Auszahlphase

    Komplexer wird es, wenn eine Person schon nach kurzer Zeit auf das Geld angewiesen ist, beispielsweise, wenn sie bereits im Rentenalter ist und das Vermögen benötigt, um die Lebenshaltungskosten zu decken oder die Altersbezüge zu ergänzen. In diesem Fall besteht zum Beispiel die Möglichkeit, für kurzfristige Ausgaben einen Geldmarkt-ETF oder Tagesgeld zu nutzen.

    „Als zweiten Topf könnte ein Portfolio aus Anleihen mit sehr guter Bonität und mit gestaffelten Laufzeiten zum Beispiel zwischen zwei und zehn Jahren, eine sogenannte Anleiheleiter, gebildet werden. Und als dritten Topf dann für die Erträge ein breit gestreutes Aktienportfolio“, erklärt Tilmes.

    „Diese drei Blöcke können Anleger dann – abhängig von der persönlichen Risikotragfähigkeit und der individuellen Risikoneigung – unterschiedlich gewichten.“

    Generell gilt jedoch, dass Anleger mit dem zugeflossenen Geld keinen heißen Börsentipps oder aktuellen Trends hinterherlaufen sollten. Wer das Vermögen sinnvoll einsetzen und idealerweise vergrößern möchte, sollte sich deshalb seriöse und fundierte Beratung holen. „Das Problem ist, dass durch falsche oder schlechte Beratung ein Vermögen schnell reduziert oder auch ganz weg sein kann“, warnt Tilmes.

    Autorin

    Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Von Juli 2024 bis Dezember 2025 war sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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