DIW-Studie sieht „Ziele verfehlt“

Wirtschaftsforscher fordern Neustart für Riester-Rente

Die Riester-Rente hat ihre Ziele verfehlt und sollte deshalb dringend nach schwedischem Vorbild reformiert werden. Zu diesem Resümee kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Insbesondere ärmere Haushalte würden durch das System kaum erreicht.
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Ein Großteil der Bevölkerung wird durch Riester nicht erreicht, so die Erkenntnis einer aktuellen Studie.

Die Riester-Rente verfehlt ihre Ziele und braucht dringend einen Neustart nach schwedischem Vorbild – das ist das Fazit einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Die Riester-Rente erreicht nicht diejenigen, die sie am dringendsten brauchen würden“, fasst Studienautor Peter Haan das Ergebnis der Untersuchung zusammen. „Ihr Ziel, das sinkende Rentenniveau abzufedern und den Lebensstandard auch im Alter zu sichern, verfehlt sie somit weitgehend.“

Seit zehn Jahren stagniere der Anteil der Bürger bis 65 Jahren, die einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, bei etwa 25 Prozent. Ein Großteil der Haushalte werde also nicht erreicht. Zudem zeigten sich große Unterschiede bei den Einkommensgruppen: Vor allem Geringverdiener und Personen mit Phasen längerer Arbeitslosigkeit – also genau die Gruppen, die besonders von Altersarmut bedroht seien – sorgten kaum mit der Riester-Rente für das Alter vor.

Vorbild Schweden

„Die Riester-Rente muss deshalb grundlegend reformiert werden“, fordert Markus Grabka, Co-Autor der DIW-Studie. Vorbild könne dabei das schwedische Modell sein. Zum Hintergrund: In Schweden ist private Altersvorsorge obligatorisch. Von staatlicher Seite wird ein standardisiertes Vorsorgeprodukt mit geringen Bürokratiekosten und ohne Beitragsgarantien angeboten. Dessen Rendite liegt deutlich über der von vielen Riester-Rentenverträgen in Deutschland.

Ein solcher verpflichtender Vorsorgefonds könne auch in Deutschland funktionieren, glaubt man beim DIW. Dabei müsse allerdings sichergestellt sein, dass auch Arbeitslose und Geringverdiener Beiträge leisten könnten, etwa indem der Staat die Zahlungen für diese Gruppen subventioniere.

Die 2001 eingeführte Riester-Rente, die die öffentliche Hand mit Zuschüssen und steuerlichen Vorteilen fördert, steht bereits seit längerem in der Kritik. Zuletzt kündigte eine Reihe von Versicherern an, künftig keine neuen Riester-Verträge mehr anzubieten, darunter die Stuttgarter und die Deutsche-Bank-Tochter DWS (wir berichteten).

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Autor

Achim

Nixdorf

Achim Nixdorf war von April 2019 bis Mai 2024 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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