Deutschland steht vor einer doppelten demografischen Herausforderung: Die Zahl der Demenzerkrankten könnte bis 2060 von heute rund 1,3 Millionen auf bis zu 2,1 Millionen steigen. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter, die die Versorgung sicherstellen können.
Das zeigen aktuelle Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln. Kam im Jahr 2020 rein rechnerisch noch ein Demenzfall auf rund 38 Personen im erwerbsfähigen Alter, werden es im Jahr 2060 nur noch 21 sein.
Gezielte Prävention könnte helfen
Besonders drastisch wird diese Entwicklung wohl in ländlichen Regionen ausfallen. Während die Demenz-Prävalenz im Jahr 2060 in München bei 1,7 Prozent liegen dürfte, werden für den brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster 6,2 Prozent prognostiziert – mehr als das Dreieinhalbfache. Ländliche Regionen im Osten Deutschlands sind damit gleich doppelt belastet: eine überdurchschnittlich alte Bevölkerung trifft auf eine schwindende Zahl potenzieller Pflegender.
Die Prognosen zeigen aber auch: Das Szenario ist nicht unvermeidlich. Gelingt es durch gezielte Prävention – etwa bessere Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes, höheres Bildungsniveau, Verzicht auf Rauchen und Vermeidung sozialer Isolation – die Rate der Neuerkrankungen zu senken, könnten die Fallzahlen im Jahr 2060 zwischen 1,3 und 1,5 Millionen stabilisiert werden.
„Die alternativen Szenarien machen deutlich, welches enorme Potenzial in der Prävention steckt“, sagt Wido-Geschäftsführer Helmut Schröder. „Schon vergleichsweise kleine Verbesserungen bei den Neuerkrankungsraten können langfristig sehr große Effekte haben.“