Das Kalenderjahr 2018 aus Sicht der Lebensversicherung

Neue Transparenz und alte Baustellen

Mit neuen Pflichtangaben und Transparenzverordnungen können sich Lebensversicherte ab 2018 ein besseres Bild vom Zustand ihrer Altersvorsorge machen. Reformierte Standmitteilungen sorgen für deutlich mehr Durchblick bei der eigenen Police. Aktuell dürfte die Versicherer jedoch viel mehr noch die Umsetzung der Produktinformationsblätter beschäftigen. Welche Meilensteine im Versicherungsjahr 2018 anstehen, erklärt Max Ahlers vom Zweitmarktpolicen-Manager Policen Direkt, in seinem Gastbeitrag.
© Policen Direkt
Max Ahlers ist Group Founder und Managing Director von Policen Direkt.

Zum Zustand der Versicherungsunternehmen geben Ertragsquellen und Solvenzberichte deutliche Hinweise – bei letzteren ab Mai 2018 vielleicht sogar in kundenfreundlicherer Form – dazu später mehr. Zusätzlich müssen Vermittler künftig mindestens einmal jährlich ihre Kunden bezüglich Eignung, Risiken oder Kosten der sogenannten Versicherungsanlageprodukte informieren. Diese neue Beratungspflicht kommt im Zuge der Vermittlerrichtlinie IDD (Insurance Distribution Directive) auf die Vermittler zu.

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Doch selbst ist der Mann und die Frau: Versicherte sollten lernen, sich selbst durch die Weiten in der Lebensversicherung zu navigieren. Bestandskunden, zu denen auch Policen Direkt als größter institutioneller Versicherungsnehmer gehört, sollten sich die Informationen, die regelmäßig vom Versicherer kommen, genau anschauen.

Mit Blick auf die Veränderung in der Produktlandschaft zeigt sich, dass auch für Versicherungsgesellschaften das Produkt Lebensversicherung in der privaten Altersvorsorge weitgehend alternativlos bleibt.

Vertrauen in Produkt wie Versicherungsgesellschaft sollte auf Basis von Zahlen und Fakten möglich sein. Wer die folgenden fünf Punkte im Blick behält, lässt sich von teils vorschnellen Urteilen nicht aus der Ruhe bringen:

  1. Standmitteilungen: Große Chance durch IDD-Vermittlerrichtlinie

Ab 1. Juli 2018 müssen Lebensversicherer ihren Kunden jedes Jahr deutlich mehr mitteilen als bislang. Die Neuregelung zu den Standmitteilungen ist Teil der Umsetzung der IDD.

Pflichtangaben sind dann

  • die Todesfall-Leistung,
  • die garantierte Ablaufleistung,
  • die Ablaufleistung bei Beitragsfreistellung und
  • der aktuelle Auszahlungsbetrag des Vertrages.

Dies stellt eine große Chance dar, die Standmitteilungen in diesem Zuge sogar zu vereinfachen und dem Versicherungsnehmer entsprechende Informationen verständlich und umfänglich zu präsentieren. Die aktuelle Gesetzesnovelle zu den Standmitteilungen ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in Richtung Transparenz und Vollständigkeit. Sie darf aber nicht das Ende des Weges sein, denn sie ist noch keine Garantie für bessere Verständlichkeit.

  1. Ertragslage der Lebensversicherer – Es geht um Einhaltung bestehender Gesetze

Die Ertragslage der Lebensversicherer gibt deutliche Hinweise auf die Finanzstärke. Bis Ende September müssen die Unternehmen jedes Jahr – auch in 2018 – auf ihrer Webseite Angaben über ihre Ertragsquellen machen. Die Zahlen geben Einblick darüber, in welcher Höhe sie Kunden an den Gewinnen beteiligen und in welchen Bereichen überhaupt Gewinne erzielt werden. Die Finanzstärke als Kennzahl gibt einen Anhaltspunkt über die aktuelle Situation einer Lebensversicherungsgesellschaft. Sie stellt die aktuellen Erträge der Kapitalanlagen ins Verhältnis zu den Rechnungszinsanforderungen (Garantiezinsen und Zuführung zur Zinszusatzreserve) – und zeigt damit, wie ein Unternehmen wirtschaftet.

Viele Unternehmen können aktuell bereits die Garantien und gesetzlich vorgeschriebene Reserve nicht mehr alleine aus den Kapitalanlagen bedienen. Unter schnellcheck-lv.de finden Sie die Ertragsquellen und Finanzstärke im Vergleich mit den Vorjahren. Eine einzelne Kennzahl kann ein umfassendes und qualifiziertes Rating nicht ersetzen. Für Gesellschaften, die keine Ratings bestellen, liefert sie aber aufschlussreiche Einblicke. Die Zahl dieser Lebensversicherer wächst zurzeit, da nur Gesellschaften mit einem Interesse an Neugeschäft noch Ratings in Auftrag geben. Außerdem sind diese Daten wie auch die Solvenzberichte öffentlich verfügbar und werden von den Unternehmen nach einheitlichen Standards ermittelt.

Heute zählt für Versicherte vor allem die Sicherheit der Garantien. Für den Schutz der Kundeninteressen hat die Versicherungsaufsicht Bafin die Einhaltung des Paragrafen 13 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) zu gewährleisten. Im Fall eines sogenannten Run-offs dürfen Versicherte nicht schlechter als vorher gestellt sein. Es geht jetzt um die Einhaltung bestehender Gesetze und der damit verbundenen Verpflichtungen. Sentimentalitäten wie Unternehmensnamen sollten dabei nicht im Mittelpunkt der Diskussion stehen.

Aktuell kommt es im Zweitmarkt für Lebensversicherungen zu vielen Anfragen zum Verkauf der Lebensversicherung. Die Nachricht, dass der Lebensversicherungsvertrag womöglich bald an eine andere Gesellschaft verkauft wird, stellt keinen hinreichenden Grund dar für die vorzeitige Beendigung des Vertrages. Wenn Lebensumstände es dennoch erfordern, dann ist in jedem Fall der Verkauf der Police weiterhin die bessere Alternative.

 

  1. Überschussdeklarationen – Konstanz als Zeichen von Stärke

Auch im kommenden Jahr werden die Lebensversicherer die Überschussbeteiligungen bekannt geben. Für 2018 zeichnet sich aktuell ab, dass die Rückgänge geringer ausfallen als zunächst gedacht. Wer jetzt seine Verzinsung konstant hält und auch bei den Schlussüberschüssen keinen Abstrich machen muss, zeigt sich aktuell als finanzstarker Versicherer und investiert damit in das Vertrauen bestehender und kommender Kunden. Gerade für neuere Produktgenerationen wollen hier große Versicherer wie die Allianz ein starkes Signal für die Lebensversicherung abgeben.

Bestandskunden wie auch Investoren, die in gebrauchte Lebensversicherungen (Zweitmarktpolicen) ihr Geld gesteckt haben, können aktuell mit Spannung die Entwicklung der Schlussüberschüsse verfolgen, die schließlich – soweit noch vorhanden – bei Ablauf zusätzlich ausgezahlt werden.

  1. Solvenzberichte: Wichtige Parameter – auch für Vermittler

Die Solvenzquote gibt an, zu wieviel Prozent ein Unternehmen mögliche Risiken bewältigen kann – sprich: das Verhältnis der Eigenmittel zu den möglichen Verpflichtungen gegenüber Versicherten und anderen Leistungsempfängern – auch unter extremen Bedingungen wie noch niedrigerer Zinsen oder höherer Lebenserwartung. Der Wert sollte bei 100 Prozent liegen: Die Gesellschaft kann in dem Fall mögliche Forderungen und Folgen wahrscheinlicher Risiken aktuell zu 100 Prozent bezahlen.

Mit dem „Solvency and Financial Condition Report“ (SFCR), dem sogenannten Solvenzbericht, soll die Öffentlichkeit einen Überblick über die finanzielle Lage der Versicherer bekommen. Am 7. Mai 2018 müssen Versicherer im Zuge ihrer Offenlegungspflichten gegenüber der Öffentlichkeit einen SFCR veröffentlichen. Neben Themen wie Risikoprofil, Geschäftsleistung, Governance und Kapitalmanagement finden sich dort auch die Solvenzquoten.

Noch sind die Berichte in ihrer Ausgestaltung mitunter weit davon entfernt, gut lesbar zu sein und damit die Ergebnisse tatsächlich verständlich wiederzugeben. Darüber hinaus sind die Berichte oft schwer auf der Versicherer-Webseite zu finden. Eine Übersicht aller Quoten und Solvenzberichte findet sich deshalb unter solvenzquoten.de. Die neuen Ausgaben werden zeigen, ob Verbesserungen in Sachen Qualität, Transparenz und Verständlichkeit erkennbar sein werden. Die Herausforderung ist klar: mehr Informationen sollen gleichzeitig verständlich aufbereitet sein – eine weitere vertrauensbildende Maßnahme. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin und die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa wünschen für die kommende Ausgabe neben verständlicheren Zusammenfassungen vor allen Dingen den Vergleich mit den Vorjahreszahlen.

Auch für Vermittler sind die Solvenzquoten eine wichtige Information. Denn in Zukunft ist nicht ausgeschlossen, dass hier sogar Haftungsfragen aufkommen können.

  1. Beipackzettel – neue Informationsblätter für neue Produkte

Ab 2018 bekommen Neukunden auch in der Lebensversicherung neue Informationsblätter von ihren Vermittlern. Der Gesetzgeber räumt den Unternehmen aktuell eine Übergangsfrist bis 30. September ein. Spätestens dann muss der Versicherer gegenüber Kunden auch von kapitalbildenden Lebensversicherungen auf maximal drei DIN-A4-Seiten Auskunft geben über:

  • Versicherungsleistungen
  • Kosten
  • Risiken
  • Anlagestrategie
  • Prognosen zur Entwicklung des Vertrages

Besonders schwer verständliche Produkte sollen gar einen Warnhinweis bekommen. Branchenexperten sehen die Einführung der Beipackzettel, der sogenannten Packaged Retail Investment and Insurance Products (PRIIPS) kritisch, weil es gerade an den Eigenschaften fehle, für die sie sorgen sollen: Transparenz, Vergleichbarkeit und Verständlichkeit. Für die teils komplexeren neuen Produkte kann der Beipackzettel damit zum entscheidenden Kriterium für den Geschäftserfolg werden.

Fazit

Gerade weil die Lebensversicherung medial oft unter Beschuss ist, sollten sich Versicherte als mündige Verbraucher ein eigenes Bild vom Zustand ihrer Altersvorsorge machen können – die Basis für langfristiges Vertrauen.

Die Politik ist gefragt, langfristige Stabilität bei den Unternehmen zu ermöglichen und gleichzeitig für Transparenz bei den Verbrauchern zu sorgen. 2018 kommt so beispielsweise auch das Lebensversicherungsreformgesetz unter die Lupe. Es sollte bei einer politischen Neubewertung um Maßnahmen gehen, die Versicherern tatsächlich ermöglichen, garantierte Leistungen dauerhaft zu erbringen, um das Vertrauen in das Produkt tatsächlich zu sichern. Transparenzpflichten können die Versicherungsgesellschaften übrigens auch zu ihren Gunsten nutzen. Denn aktuell müssen viele Unternehmen sich fragen, wie sie auch künftig Kunden überzeugen können, in Vorsorgeprodukte zu investieren, die weniger klare Sicherheiten bieten.

 

Über den Autoren:

Max Ahlers ist Group Founder und Managing Director von Policen Direkt. Die Policen-Direkt-Gruppe ist eigenen Angaben zufolge Marktführer im Ankauf deutscher Lebensversicherungen und der führende Anbieter für Investments in deutsche Zweitmarktpolicen. Demnach verwaltet Policen Direkt Zweitmarktpolicen im Wert von insgesamt rund einer Milliarde Euro und ist damit der größte Asset Manager für Zweitmarktpolicen in Deutschland sowie gleichzeitig größter institutioneller Versicherungsnehmer.

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