Die gestiegenen Zinsen sind genau jene Adrenalinspritze, die der irgendwie eingeschlafene Bausparmarkt gebraucht hat. Jahrelang war es billiger, einfach ein Hypothekendarlehen aufzunehmen, als sich mit dem Vehikel aus dem vergangenen Jahrtausend abzurackern. Die Zentralbank hatte Geld zu etwas gemacht, das Banken einem quasi hinterherwarfen.
Doch jetzt kratzen Zinsen für Hypothekenkredite wieder an Marken wie 4 Prozent. Das macht Bausparverträge mit Kreditzinsen von nur knapp über 2 Prozent oder darunter wieder interessant.
Zur Erinnerung noch einmal das Prinzip: Der Kunde legt eine Bausparsumme fest und spart einmalig oder in Raten ein Guthaben an. Das soll in den meisten Fällen 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme betragen. Nach einer gewissen Laufzeit wird der Vertrag zuteilungsreif, und es gibt die Bausparsumme ausgezahlt, also das Guthaben plus den begehrten günstigen Bausparkredit. Anschließend beginnt man, den Kredit abzuzahlen. Dabei schreibt jeder Tarif eine Rate vor, die mindestens zu entrichten ist. Und die liegt meistens höher als die Sparrate.
So spannend die Kreditzinsen auch sind, sie sind nur die eine Seite des Vertrags. Auf der anderen lauern Guthabenzinsen, nur knapp über dem Nullpunkt. Bis zur Zuteilung liegen somit tausende Euro komplett brach. Dank Abschlussgebühr erreicht das Guthaben zur Zuteilung nicht einmal die Summe der eingezahlten Beiträge.
Was aber wäre, wenn man das Geld gar nicht in einen Bausparer, sondern in eine rentable Anlage sparen würde? Wir rechnen das einmal durch und holen damit den Bausparvertrag aus seiner Blase in die reale Welt mit Alternativen. Und dafür wählen wir einen Renten- und einen Aktienfonds.
Damit stoßen wir auf ein Problem: Beim Bausparvertrag ist alles im Vorfeld haarklein geregelt – Gebühren, (Nicht-)Zinsen, Raten, Laufzeiten. Bei Fonds ist hingegen unklar, welche Rendite sie am Ende bringen. Außerdem unterliegen die Erträge der Abgeltungssteuer, was man jedoch auch mit Freibeträgen und persönlichem Steuersatz unterschiedlich gestalten kann. Deshalb müssen wir sie hier weglassen.
3 Prozent beim Rentenfonds, 6 Prozent beim Aktienfonds
Das macht die ganze Rechnung zwar ungenau, aber mitnichten unrealistisch. Gehen wir vorsichtig an die Sache heran und unterstellen für den Rentenfonds 3 Prozent und für den Aktienfonds 6 Prozent Rendite im Jahr. Das dürfte sogar nach Steuern erreichbar sein. Auch wenn – aber eigentlich eher weil – die Finanzwelt gerade schwarz sieht.
Für den Bausparvertrag nutzen wir die Vergleichsseite der FMH Finanzberatung. Dort stoßen wir bei einer gewünschten Bausparsumme von 50.000 Euro auf den Tarif „AL Neo Klassik“ der Alten Leipziger. Klassik klingt gut, und die Alte Leipziger hat einen guten Ruf, das nehmen wir also. Der Guthabenzins beträgt 0,1 Prozent, der Kredit kostet 2,35 Prozent Zinsen. Die Abschlussgebühr liegt bei einem Prozent, und das minimale Guthaben, um zugeteilt zu werden, beträgt 40 Prozent. Das sind 20.000 Euro. Alles absolut übliche Werte. Im Vergleichsrechner tauchen auch noch Kontogebühren für die Sparphase auf. Die hat zwar der Bundesgerichtshof inzwischen in die Bodenplatte gerammt, wir lassen sie aber vorerst in der Rechnung.
Seite 2: Fast 19.000 Euro Unterschied
Damit ergeben sich folgende Zahlen beim Bausparvertrag:
- Monatliche Sparrate: 250 Euro
- Abschlussgebühr: 500 Euro
- Kontoführung: 105 Euro
- Eingezahlte Beträge nach 6 Jahren und 11 Monaten: 20.750 Euro
- Guthaben: 20.213,91 Euro
- Bausparkredit: 29.786,09 Euro
- Ausgezahlte Summe: 50.000 Euro
Anschließend geht es mit dem Kreditteil weiter, der wie folgt abläuft:
- Monatliche Tilgungsrate: 300 Euro
- Dauer der Tilgung: 9 Jahre und 3 Monate
- Gezahlte Zinsen: rund 3.370 Euro
Damit würde es insgesamt 16 Jahre und 2 Monate dauern, bis der gesamte Bausparvertrag durch ist. Aber nach nicht einmal sieben Jahren wären die gewünschten 50.000 Euro schon verfügbar.
Sparen in einen Rentenfonds
Das nehmen wir einmal so mit und übertragen es auf Investmentfonds. Zunächst mit der Frage, welche Werte nach knapp sieben Jahren mit derselben Sparrate entstehen. Bei einer Rendite von 3 Prozent, lägen nach 6 Jahren und 11 Monaten 23.080 Euro im Depot. Das ist zwar mehr Guthaben als beim Bausparer, aber viel weniger als die ausgezahlte Bausparsumme. Um 50.000 Euro zusammenzubekommen, müsste man den Rentenfonds indes 13,5 Jahre lang besparen. Damit ist klar, dass man das Bauvorhaben per Bausparvertrag sechseinhalb Jahre früher umsetzen könnte als mit dem Fondssparplan.
Andererseits ist die Variante mit dem Fonds unterm Strich günstiger. Denn während sich die Bauspargebühren und -zinsen auf fast 4.000 Euro läppern, bringt der Rentenfonds ganz im Gegenteil einen Gesamtgewinn von mehr als 9.500 Euro. Andersherum betrachtet: Beim Bausparvertrag zahlt der Kunde insgesamt 53.904 Euro, beim Fondssparplan nur 40.750 Euro. Ein Unterschied von über 13.000 Euro. Und die monatliche Belastung bleibt beim Fondssparplan bei 250 Euro, während sie beim Bausparvertrag in der Kreditphase auf 300 Euro steigt.
Sparen in einen Aktienfonds
Kommen wir zur wackeligsten Variante, dem Aktienfonds. Um ein Bauvorhaben fest zu planen, eignet er sich, wie schon angedeutet, auf keinen Fall. Wer allerdings zeitlich eher locker dabei ist, kann sich über die folgenden Zahlen freuen.
Bei einer Rendite von 6 Prozent, lägen bei einer Sparrate von 250 Euro nach 6 Jahren und 11 Monaten rund 25.700 Euro im Depot. Die gewünschten 50.000 Euro hätte man nach 11,5 Jahren beisammen. Das ist viereinhalb Jahre später als mit dem Bausparvertrag.
Dafür wird es noch günstiger, denn für die gewünschte Summe bräuchte man nicht einmal mehr 35.000 Euro selbst aufzubringen. Das sind fast 19.000 Euro weniger als beim Bausparvertrag.
Allerdings nur mit den erwähnten Fragezeichen hinter der Rendite. Wer die nicht will, sondern genau kalkulierbare Fakten, sollte definitiv zum Bausparvertrag greifen.
Eine Antwort
Guten Morgen…
Schade das eine so repräsentative Seite wie die Ihre einen so schlechten Vergleichsrechner wählt.
In diesem Rechner ist klar ersichtlich von wem er gesponsert wird!
Ansonsten guter Beitrag.