Ein Verband jubelt, der andere nicht

Was BVI und GDV zur Arbeit der Fokusgruppe sagen

Die Fokusgruppe zur Zukunft der Altersvorsorge hat ihre Arbeit abgeschlossen und Vorschläge abgeliefert. Und die deuten wohl darauf hin, dass es künftig mehr Investmentangebote und weniger Garantien gibt. Der Investmentverband BVI freut sich, der Versichererverband GDV ist nicht ganz so begeistert.
Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen (GDV) und Thomas Richter (BVI)
© GDV, BVI
Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen (GDV) und Thomas Richter (BVI)

Es sieht so aus, als gäbe es in der Diskussion um die Zukunft der Altersvorsorge einen Gewinner: die Investmentbranche. So lassen sich zumindest jene Informationen deuten, die bislang zur Arbeit der Fokusgruppe veröffentlicht wurden.

Wir erinnern uns: Die Regierung hatte diese Gruppe Anfang des Jahres in die Spur geschickt, um die Altersvorsorge in Deutschland zu überarbeiten und somit fit für die Zukunft zu machen (mehr dazu lesen Sie hier).

Und von den beiden großen Branchenverbänden BVI (Investment) und GDV (Versicherer) jubelt zunächst nur der BVI. „Der Bericht zeigt den Paradigmenwechsel in der privaten Altersvorsorge”, stellt BVI-Hauptgeschäftsführer, Thomas Richter fest (ein Podcast-Interview dazu hören Sie hier).

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Damit bezieht sich Richter darauf, dass private Altersvorsorgeprodukte künftig auf Garantien und Verrentung verzichten können sollen. Man könnte sich also angespartes Guthaben auch flexibel auszahlen lassen – und es würde beim Staat trotzdem als Vorsorge durchgehen. Übrigens könnte sogar die bisher vorgeschriebene Garantie bei den Riester-Verträgen fallen, heißt es weiter.

Außerdem hat sich der Verband wohl mit seinem Plan durchgesetzt, ein förderfähiges Altersvorsorgedepot zuzulassen, das jeder Sparer individuell bestücken kann. Es war eines seiner Hauptziele.

GDV zeigt sich enttäuscht

Über diese Maßnahmen zeigt sich der GDV enttäuscht, was auch nicht ganz verwundert. Schließlich sind Garantien und lebenslange Renten (die ja in der Tat wichtig sind) jene Stärken, die Versicherer jahrelang gegenüber der Investmentbranche ausspielten.

Der Bericht verkenne, dass Alterssicherung viel mehr ist als nur Vermögensaufbau, bemängelt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen: „Die Bedeutung lebenslanger Renten und Mindestgarantien für die Menschen wird leider unterschätzt.“

Wobei auch der GDV selbst weg von der 100-prozentigen Garantie wollte, die wegen der niedrigen Zinsen ohnehin an Bedeutung verloren hatte. Er hatte 80 Prozent als guten Mittelweg zwischen Sicherheit und Rendite vorgeschlagen – sich damit aber nicht durchgesetzt. Die Fokusgruppe hat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, auf Garantien völlig zu verzichten.

„Verlässlichkeit in Form planbarer Erträge und lebenslanger Renten ist ein Kernelement der geförderten privaten Altersvorsorge“, sagt Asmussen. Der GDV wolle sich im weiteren politischen Verfahren dafür einsetzen, dass diese Elemente gestärkt werden.

Einig hingegen sind sich beide Verbände in ihrer Freude darüber, dass der Staatsfonds nicht kommt. Denn als weiteren Auftrag sollte die Fokusgruppe prüfen, ob der Staat einen öffentlichen Fonds auflegen sollte. Der wäre dann ein „kostengünstiges und effektives Angebot“ zur Vorsorge mit Abwahlmöglichkeit (Opt-out). Doch das wird nun wohl nichts.

„Die Fokusgruppe hat sich klar gegen einen Staatsfonds ausgesprochen. Das ist ein erfreuliches Votum für Vielfalt und Wettbewerb zum Vorteil der Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagt GDV-Mann Asmussen. Und Thomas Richter vom BVI meint: „In der sozialen Marktwirtschaft setzt der Staat die Regeln und ist Schiedsrichter. Sobald der Schieds-richter selbst mitspielt, ist der Wettbewerb verzerrt und nicht marktwirtschaftlich. Das verhindert Produktvielfalt und fairen Wettbewerb.“

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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