Die Kapitalentnahme im Ruhestand ist ein entscheidender Baustein jeder langfristigen Finanzplanung. Dabei hat sich in meiner Beratungspraxis ein klarer Grundsatz bewährt: Die Grundabsicherung – also die Deckung aller laufenden Fixkosten wie Miete, Energie, Lebensmittel und Grundversorgung – sollte durch eine lebenslang garantierte Rente erfolgen. Diese Stabilität gibt Kunden Sicherheit, unabhängig von Kapitalmarktschwankungen oder individueller Lebensentwicklung.
Für die Entnahme des darüber hinausgehenden Vermögens verfolge ich zwei unterschiedliche, praxiserprobte Ansätze, die sich an der Risikobereitschaft und Lebenssituation des Kunden orientieren.
In diesem Modell lege ich das Vermögen breit diversifiziert an – mit einer Aktienquote von 40 bis 60 Prozent, abhängig von der Risikotoleranz des Kunden. Der übrige Anteil wird in kurzlaufende Anleihen mit maximal fünf Jahren Restlaufzeit und einem soliden Rating (mindestens BBB) investiert.
Ziel ist es, einerseits am langfristigen Ertragspotenzial der Kapitalmärkte teilzuhaben und andererseits ausreichend Liquidität und Stabilität zu gewährleisten.
Unter konservativen Annahmen lassen sich so jährlich 3 bis 4 Prozent des Gesamtvermögens entnehmen, ohne dass ein übermäßiges Risiko eines Kapitalverzehrs besteht.
Bei 100.000 Euro Kapital und 40 Prozent Aktienanteil:
Bei 100.000 Euro Kapital und 60 Prozent Aktienanteil:
Diese Strategie erlaubt Flexibilität und eröffnet Chancen – eignet sich aber primär für Kunden, die mit Schwankungen am Kapitalmarkt umgehen können und nicht auf absolute Planungssicherheit angewiesen sind.
Der zweite Ansatz folgt einem strikt planbaren Konzept, bei dem ich das Kapital in drei zeitlich versetzte Schubladen aufteile. Jede dieser Schubladen deckt einen definierten Lebensabschnitt im Ruhestand ab und wird je nach Verfügbarkeit und Zinsumfeld unterschiedlich investiert.
Der Kunde verfügt über 100.000 Euro Kapital und plant mit einer Restlebenserwartung von 30 Jahren.
40.000 Euro werden direkt verfügbar gehalten (kurzfristige Anlage) und über zehn Jahre entnommen.
37.000 Euro werden für zehn Jahre zu 3 Prozent Zinsen angelegt. Nach zehn Jahren stehen rund 49.000 Euro zur Verfügung und decken die Jahre 11 bis 20 ab.
Die restlichen 23.000 Euro werden für 20 Jahre mit 5 Prozent Rendite angelegt. Nach 20 Jahren ergibt sich ein Endwert von etwa 60.000 Euro, der die Jahre 21 bis 30 abdeckt.
Dieser Ansatz bietet ein hohes Maß an Planbarkeit und gibt insbesondere sicherheitsorientierten Kunden ein strukturiertes Entnahmemodell an die Hand – mit klar definierten Zeiträumen und überschaubarem Anlagerisiko. Für die ersten zehn Jahre der Auszahlung können aktuell auch verzinste Tagesgeldkonten genutzt werden, um die Liquidität sicher und flexibel vorzuhalten.
Die Umsetzung beider Ansätze erfolgt in der Regel kostengünstig und transparent über ETFs – mit einer ausgewogenen Mischung aus Aktien- und Anleihen-ETFs, abgestimmt auf das Risikoprofil und den Anlagezeitraum des Kunden.
Hendrik Krüger ist seit 1995 als Finanz- und Versicherungsmakler in der Lutherstadt Wittenberg tätig. Bei Pfefferminzia war er vor etwa zwei Jahren zu Gast im Podcast „Die Woche“.
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