Die Vorstandschefin des Atommüll-Fonds Kenfo, Anja Mikus, hat sich dazu geäußert, wie sie sich das von der Regierung geplante Generationenkapital vorstellt. Demnach taugt der „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“, wie der Kenfo vollständig heißt, durchaus zur Blaupause für das künftige Milliardenvermögen, das später mal die gesetzliche Rente stützen soll (Mehr Details zum Kenfo lesen Sie hier). Verantwortlich soll eben jenes Personal sein, das auch den Kenfo verantwortet.
Doch einen gravierenden Unterschied wird es wohl geben. „Das Risikoprofil der beiden Vermögen ist deutlich anders“, stellt Mikus auf der Kenfo-Jahrespressekonferenz klar. Und sie erläutert: „Beim Generationenkapital ist geplant, dass man erst nach zehn oder zwölf Jahren etwas auszahlen muss. Beim Kenfo ist es hingegen jedes Jahr ein dreistelliger Millionenbetrag.“
Dieser wesentliche Unterschied sorgt dafür, dass die Portfolios wahrscheinlich hauptsächlich in der Anleihequote voneinander abweichen. Und das ergibt absolut Sinn: Der Kenfo benötigt diese Zinspapiere, weil sie geringer schwanken als Aktien, zu 100 Prozent fällig werden, liquider sind als Sachanlagen und obendrein regelmäßige Zinsen liefern. Ende 2023 lag die Anleihequote bei etwa 37 Prozent. Die Aktienquote liegt dagegen bei 46 Prozent.
„Beim Generationenkapital können wir uns eine deutlich höhere Aktienquote vorstellen“, sagt Mikus und nennt als möglichen Wert 80 Prozent, ohne sich aber festzulegen. Ist erstmal nur eine Faustregel.
Und dann kommt sie schon zu den Gemeinsamkeiten. Denn das Aktienportfolio des Kenfo (derzeit immerhin mehr als 3.800 Einzeltitel) könne man durchaus aufs Generationenkapital übertragen. Nur dass eben der Anteil am Gesamtvermögen ein anderer ist. „Wir wollen ja Synergieeffekte nutzen und nicht das Rad noch einmal neu erfinden“, so Mikus.
Man könnte erst einmal mit passiven Mandaten beginnen, um möglichst schnell investieren zu können, erklärt sie weiter. Zur Erklärung: Als passive Investments gelten Anlagen, die sich an Marktindizes orientieren. In Deutschland fallen darunter auch die zunehmend populären Exchange Traded Funds (ETFs).
Aber dann soll es weitergehen, führt Mikus aus: Anschließend sollte man – wie beim Kenfo auch – schrittweise aktive Mandate an externe Vermögensverwalter vergeben. Denn so ließen sich in bestimmten Regionen und Anlagestilen Mehrwerte erzielen. Immerhin werden auch beim Kenfo mehr als 50 Prozent des Portfolios aktiv gemanagt. Und egal, ob aktiv oder passiv – in jedem Fall soll von Anfang an ein „sorgfältig entwickelter, zielgerichteter und mehrstufiger Nachhaltigkeitsansatz“ mit greifen.
Und die restlichen 20 Prozent außer den Aktien? Könnte man in nicht an der Börse notierte Beteiligungen stecken. In direkte Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) und Infrastruktur. Und am Ende braucht man natürlich auch eine Barquote, um Geld an die Rentenkasse überweisen zu können. Natürlich im Idealfall erst später, in den Dreißigerjahren.
Seite 2: Seltsamer Tonfall im Vortrag
Es gibt noch einen weiteren Unterschied, auf den Mikus hinweist. Denn während der Kenfo mit einer einzigen Startsumme begann, soll das Generationenkapital jedes Jahr mehr Geld bekommen. Damit könne man nachlegen und vielleicht auch mal niedrigere Kurse nutzen.
In der gesamten Konferenz wirkt Mikus souverän, sie weiß zweifellos, was sie tut. Doch daneben erweckt sie auch den Eindruck, als wollte sie die nervöse deutsche Anlegerseele beruhigen. Eine Anlegerseele, die noch immer Aktien als Spekulationsobjekte abtut. Und der man noch immer erklären muss, dass ein gut gestreutes, globales Portfolio eine grundsolide Angelegenheit ist. Wahrscheinlich ist das sogar eine gute Idee, schließlich hat das Generationenkapital einige Feinde.
Immer wieder weist Mikus darauf hin, dass man beim Kenfo diszipliniert und professionell bleibe. Das Aktienportfolio sei sehr breit gestreut, sogar breiter als der Aktienindex MSCI World (der in der Tat per Ende Mai „nur“ 1.464 Aktien enthielt). Und an einer Stelle sagt sie: „Wir haben Krisen erlebt, können damit aber umgehen.“
Und es gibt auch keinen Grund daran zu zweifeln, denn das Gesamtbild des Kenfo ist absolut intakt. Nach einem vor allem dank der Zinswende schwachen Jahr 2022 mit minus 12,2 Prozent fuhr das Portfolio 2023 ein Plus von 11,1 Prozent ein. Jede Anlageklasse trug Gewinne bei. Sogar die geldmarktnahen Anlagen waren ihren Strafzins endlich und los und brachten 4,0 Prozent.
Finanzvorstand Thomas Bley berichtet, dass der Kenfo inzwischen seit seinem Start 3,66 Milliarden Euro an Entsorgungskosten ans Bundesumweltministerium gezahlt habe. 637 Millionen Euro davon fielen 2023 an. Und alles sei durch Wertentwicklung gedeckt gewesen, so Bley weiter: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir alle unsere Ziele vollständig erreicht haben.“
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