Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht davon aus, dass die Prämieneinnahmen deutscher Versicherer im laufenden Geschäftsjahr wachsen werden. „Versicherer gehen davon aus, dass sie dieses Jahr spartenübergreifend ein Beitragsplus von 5 Prozent auf 250 Milliarden Euro erreichen“, sagte GDV-Präsident Norbert Rollinger auf der Jahresmedienkonferenz des Verbands.
Da gibt es aber noch ein wichtiges Aber: Auch wenn die deutsche Versicherungswirtschaft nur indirekt von US-Zöllen betroffen wäre, könnten diese das Prämienwachstum um einen Prozentpunkt verringern, hat der GDV in einem Downside-Szenario errechnet. Dieses Szenario würde sich im Lebensversicherungsbereich deutlich stärker auswirken als im Schaden- und Unfallbereich. Der Grund: Das Geschäft von Lebensversicherern schwankt unterjährig stärker.
Generell hätten deutsche Versicherer wegen der sehr schnellen Zinsanstiege und der hohen Unsicherheit drei schwierige Jahre hinter sich, fügte Rollinger hinzu, aber: „Die Talsohle scheint nun überwunden.“ Denn bereits im Jahr 2024 konnten deutsche Versicherer ihre Beiträge um 5,3 Prozent auf 238 Milliarden Euro steigern.
Auch Lebensversicherer stehen insgesamt besser da
Lebensversicherer könnten die Beitragseinnahmen in diesem Jahr laut GDV-Prognose um 1,3 Prozent auf knapp 96 Milliarden Euro erhöhen. Die Gründe dafür: steigende Löhne, rückläufige Inflationsraten und die aktuelle Zinsentwicklung, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Maßgeblicher Treiber ist aus Sicht des GDV das Einmalbeitragsgeschäft mit einem Plus von 4,8 Prozent.
2024 verbuchten Lebensversicherer ein Beitragswachstum um 2,6 Prozent auf rund 94 Milliarden Euro:
- Das Einmalbeitragsgeschäft nahm im Vergleich zum Vorjahr um rund 10 Prozent zu.
- Beim laufenden Beitrag verzeichneten die Lebensversicherer hingegen ein Minus von 0,2 Prozent. Hier gleicht das Neugeschäft nicht die abgehenden Verträge aus.
Wie es 2024 unter anderem für die Schaden- und Unfallversicherung gelaufen ist und laut GDV 2025 weitergehen wird, lesen Sie auf der folgenden Seite.
Schaden- und Unfallversicherung erzielt 2024 Gewinn von 1,9 Milliarden Euro
Für die Schaden- und Unfallversicherung lief es 2024 insgesamt von den Prämien her recht gut. Im Jahr 2024 legte die gesamte Schaden- und Unfallsparte als Folge der Inflation der Vorjahre um 7,8 Prozent auf rund 92 Milliarden Euro zu. KFZ-Versicherungen und Versicherungen für Wohngebäude waren 2024 die Treiber für dieses Wachstum. Beide sorgen gemeinsam knapp für die Hälfte der Prämien.
Und die gute Nachricht: Anders als 2023 sind die Schäden im vergangenen Jahr langsamer gestiegen als die Beitragseinnahmen. Unter dem Strich steht daher für das Jahr 2024 in der Schaden- und Unfallversicherung ein etwas verbessertes versicherungstechnisches Ergebnis mit einem Gewinn von rund 1,9 Milliarden Euro auf der Uhr.
Keine große Überraschung: „Belastet wird dieses Ergebnis weiterhin von der KFZ-Versicherung. Hier standen jedem eingenommenen Euro Ausgaben von 1,06 Euro gegenüber“, so Rollinger.
Das bedeutet zwar immer noch einen versicherungstechnischen Verlust von rund 2 Milliarden Euro. Aber dieser Verlust war im vergangenen Jahr noch höher. Im laufenden Jahr 2025 sollten sich die Nachholeffekte der Inflation in der Schaden- und Unfallversicherung deutlich abmildern, so die GDV-Prognose.
Schwarze Null im KFZ-Geschäft in Sicht
Speziell für die KFZ-Versicherung erwartet Rollinger erneut ein zweistelliges Wachstum der Beitragseinnahmen, was sich auf das Gesamtwachstum auswirkt. 2024 lag das Wachstum der Prämieneinnahmen bei knapp 11 Prozent.
„Wenn es nicht zu außergewöhnlichen Belastungen durch Naturgefahren kommt, dürften die KFZ-Versicherer nach drei Jahren in 2025 wieder eine schwarze Null schreiben“, so Rollinger.
Die Prämieneinnahmen der Wohngebäudeversicherungen sind 2024 um 12 Prozent gewachsen, bei einer nahezu gleichbleibenden Zahl der Verträge. Für die Schaden- und Unfallversicherung insgesamt erwartet der GDV für 2025 ein Beitragswachstum von 7,5 Prozent auf 99 Milliarden Euro.
Für die Private Kranken- und Pflegeversicherung prognostiziert er ein Beitragsplus von 7,5 Prozent auf 56 Milliarden Euro im laufenden Jahr. 2024 verzeichneten die privaten Krankenversicherer Beiträge in Höhe von knapp 52 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 6,3 Prozent.
Mehr Details dazu, wieviele Wohngebäudeversicherungen mittlerweile Elementarschäden absichern und wie der GDV auf Cyberrisiken und die Vorschläge der Bundesregierung zur Altersvorsorge blickt, lesen Sie auf der kommenden Seite.
Generell bleiben Elementarschäden und Cyberrisiken aus Sicht des GDV weiterhin große Problemfelder.
Daher richtete er einen Appell an die Politik, wie sie mit Naturgefahren umgehen soll. „Staat und Versicherer sollten nach der Bundestagswahl gemeinsam daran arbeiten, Elementarschäden langfristig versicherbar zu halten“, so Rollinger. „Eine Pflichtversicherung ist keine Lösung, da sie weder Schäden verhindert noch Prämien senkt.“ Erfolgreiche Modelle im Ausland, wie das britische System, könnten aus Sicht des GDV als Vorbild dienen.
Generell liegt die Durchdringung des deutschen Marktes mit Versicherungen gegen Elementarschäden Rollinger zufolge mittlerweile bei 54 Prozent aller Wohngebäudeversicherungen. Vor 22 Jahren lag dieser Satz noch bei 19 Prozent. Die Durchdringung erhöhe sich pro Jahr um 1 bis 2 Prozentpunkte. Im Neugeschäft liegen die Durchdringungsquoten bereits bei 70 bis 80 Prozent.
Wirtschaft widerstandsfähiger gegen Cyberrisiken machen
Auch vor Cyberrisiken sollten sich Firmen besser schützen, findet Rollinger. „Der ungenügende Schutz gegen Cyberangriffe ist ein Problem, auf das die Wirtschaft schlecht vorbereitet zuläuft.“ Denn zum einen wächst die Cyberversicherung langsamer als erwartet – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen unterschätzen die Gefahr immer noch.
Zum anderen sind Versicherer zurückhaltend damit, Verträge mit Kunden abzuschließen, weil eine Cyberpandemie zu hohen Schäden führen könnte. Nachdem die Cyberversicherung vor einiger Zeit noch um 50 Prozent pro Jahr wuchs, dürften die Beitragseinnahmen der Sparte 2024 laut GDV-Prognose nur noch einstellig zugelegt haben.
Mit Blick auf die Bundestagswahl bekräftigte der Lobbyverband, für wie wichtig er Reformen speziell in der Altersvorsorge hält. Die Reformvorschläge des vergangenen Jahres enthielten bereits vielversprechende Ideen. „In der geförderten privaten Altersvorsorge werden wir uns zum Beispiel weiterhin dafür einsetzen, Garantien moderat abzusenken. Auch die Rentenphase soll chancenreicher gestaltet sein“, so Asmussen. GDV-Berechnungen hätten gezeigt, dass Versicherte allein durch diese Maßnahmen bis zu 40 Prozent höhere lebenslange Renten erreichen könnten.