KFZ-Versicherung

Wie viel Geld man mit einem Telematik-Tarif sparen kann

Die Preise für die KFZ-Versicherung sind teils enorm gestiegen. Daher suchen Fahrer nach Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Hier kommt der Telematik-Tarif ins Spiel.
Aggressive Fahrweise? Die könnte einem ein Telematik-Tarif austreiben, denn Rabatt gibt es nur für die, die vorausschauend und gleichmäßig fahren.
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Aggressive Fahrweise? Die könnte einem ein Telematik-Tarif austreiben, denn Rabatt gibt es nur für die, die vorausschauend und gleichmäßig fahren.

Es hat fast jeden getroffen. 86 Prozent der Autobesitzer in Deutschland müssen nach der letzten Beitragsrunde nun mehr für ihre KFZ-Versicherung zahlen. Das geht aus einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox hervor (wir berichteten). 66 Prozent der Befragten geben an, dass sich die Prämie erhöht hat. Bei 8 Prozent ist sie zurückgegangen.

Für weitere 20 Prozent ist der Beitrag zwar stabil geblieben. Dabei handelt es sich aber um eine indirekte Erhöhung. Denn: „Wer ein Jahr lang unfallfrei fährt, steigt in der Schadenfreiheitsklasse und bekommt dadurch eigentlich einen höheren Rabatt angerechnet. Der Beitrag sinkt dann“, erklärt Wolfgang Schütz, Geschäftsführer Verivox Versicherungsvergleich. „Wenn der Versicherer diesen Rabatt nicht anrechnet, handelt es sich um eine sogenannte versteckte Preiserhöhung.“

35 Prozent mehr Wechsler

Laut Verivox-Umfrage haben die meisten Kunden das Beitragsplus tatenlos hingenommen. Eine Marktuntersuchung von Sirius Campus zeigt aber eine deutlich höhere Wechselaktivität als sonst. Danach kündigten 2,9 Millionen Autoversicherte ihren aktuellen Vertrag und schlossen einen neuen ab. Das ist ein Plus von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Fünf KFZ-Versicherer haben vor allem Neugeschäft abgezwackt: ADAC Versicherungen, Allianz, Allianz Direct, Huk24 und Huk-Coburg. Gemeinsam verbuchten sie 41 Prozent aller Neuabschlüsse für sich. 70 Prozent der Wechsler haben im Schnitt 125 Euro gespart.

Dabei ist ein weiteres Ergebnis interessant: Denn 9 Prozent der Wechsler haben sich für einen Telematik-Tarif entschieden. Bei diesen Tarifen – auch „Pay as you drive“-Tarife genannt – ermittelt ein Sensor für jede Fahrt, wie forsch der Autofahrer unterwegs ist. Also wie schnell er ist, ob er stark beschleunigt oder bremst. Je ­behutsamer der Fahrstil, desto mehr Rabatt gibt es auf die Versicherungsprämie.

Die Allianz blickt aktuell auf einen Gesamtbestand von „weit mehr als 700.000 Verträgen“ mit dem Telematik-Baustein „Bonus-Drive“. „In Zeiten von Inflation und Preisdruck werden Produkte mit Prämienersparnis immer attraktiver, und wir sahen zuletzt in der diesjährigen Abwerberunde, dass das Interesse und die Nachfrage nach Telematik-Tarifen weiterhin hoch sind“, sagt Ulrike Wohl, Produktmanagerin Telematik bei der Allianz.

Huk und Allianz mit Nachfrage zufrieden

„Wir sind mit der Nachfrage sehr zufrieden: Der Bestand wächst“, gibt auch Michael Müller, Leiter Kraftfahrtversicherung Betriebe bei der Huk-Coburg, zu Protokoll. Aktuell nutzten 650.000 Kundinnen und Kunden den Huk-Tarif „Telematik Plus“, so Müller. Im KFZ-Neugeschäft schließe mittlerweile jeder zehnte Kunde diese Option mit ein.

Müller: „Wir stellen generell fest, dass die Preissensibilität zugenommen hat, gerade in der Autoversicherung. Das zeigt sich in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel bei einer Reduzierung der jährlichen Fahrleistung, der Erhöhung von Selbstbehalten – aber auch im Einschluss des Telematik-Tarifs. Gerade mit Telematik können Kundinnen und Kunden die Höhe ihrer Jahresprämie aktiv beeinflussen.“

Bis zu 30 Prozent Rabatt winken in aller Regel bei vorsichtiger Fahrweise. Müller: „Im Durchschnitt erfahren sich die Kunden einen Nachlass in Höhe von 83 Euro pro Jahr. Jeder fünfte dieser Kunden spart sogar 120 Euro.“ Im ersten Jahr gibt es bei den meisten Anbietern auch einen Willkommensrabatt. Die Allianz zahlt beispielsweise 10 Prozent, „sobald die ersten 100 Kilometer an Fahrdaten übermittelt wurden“, erklärt Allianz-Expertin Wohl.

Dieses Prinzip hat auch Marek Reimann überzeugt. Der Betreiber des Youtube-Kanals „Finanzen im Griff“ meldete sich 2020 für den Telematik-Tarif der Huk-Coburg an. Sein Ziel: möglichst schnell den maximalen Rabatt von 30 Prozent erreichen. Eine Art Challenge mit sich selbst. „Vorher bin ich nicht sonderlich sparsam gefahren“, meint Reimann schmunzelnd. „Hinterher schon.“

Er startete 2020 also mit 10 Prozent Willkommensrabatt auf seinen Jahresbeitrag von 464 Euro. Schon 2021 erreichte er 26 Prozent Nachlass. Seine Prämie reduzierte sich auf 347 Euro. Wieder ein Jahr später waren die 30 Prozent im Kasten, neue Jahresprämie: 292 Euro.

Schnell 30 Prozent Rabatt erreicht

Besonders schwierig fand Reimann das nicht. „Ich habe mich damit beschäftigt, welche Parameter für den Sensor wichtig sind – bremsen, lenken, beschleunigen und Geschwindigkeit – und mein Verhalten angepasst. Anfangs noch bewusst, später nicht mehr. Vor allem die ersten drei Faktoren hält Reimann für wichtig. „Vorausschauendes Fahren zahlt sich aus, früh vom Gas gehen und ausrollen lassen.“ Einen guten Nebeneffekt hat das Ganze auch: „Man verbraucht weniger Sprit, und Reifen und Bremsen werden geschont“, so Reimann weiter. Seine Erfahrungen mit dem Telematik-Tarif hat er in einem Video auf seinem Youtube-Kanal geschildert.

Nicht alle Faktoren kann man als Fahrer aber beeinflussen. Zum Teil fließt in den Score auch ein, ob es dunkel ist, wenn man fährt. Und ob es auf der Strecke oft zu Unfällen kommt. Aber nur zu einem geringen Grad, glaubt Reimann. „Das spielt meiner Meinung nach im Hintergrund mit, hat aber nicht den Einfluss wie die vier genannten Faktoren.“

Empfehlen würde er einen Telematik-Tarif denjenigen, die mindestens 100 Euro im Jahr sparen könnten. „Darunter lohnt sich der Aufwand meiner Meinung nach nicht“, so Reimann. Denn er habe etwa kontrollieren müssen, ob das Smartphone mit dem Sensor verbunden ist. Eine Fahrt ohne könnte sich negativ auf den Score auswirken, glaubt er.

Gerade für Fahranfänger könnte sich ein Telematik-Tarif aber auszahlen, da sie oft recht hohe Beiträge zahlen müssen. „Allerdings muss jeder für sich entscheiden, ob er seine Daten für einen Rabatt in der KFZ-Versicherung teilen will. Für mich war das in Ordnung.“

Die Versicherer pochen derweil auf einen hohen Schutz der Daten. „Bei unserem Produkt wird der Kunde in allen Belangen die Datenhoheit behalten. Die Daten werden nur zur Bewertung der Fahrweise genutzt, da sie als Grundlage zur Berechnung des Bonus dienen“, sagt Ulrike Wohl von der Allianz. Außerdem seien die Datenkreise getrennt, nach persönlichen und Fahrdaten – also Kunden- und Vertragsdaten bei der Allianz. Und nach Telematikdaten beim Telematikdienstleister.

Daten werden verschlüsselt

„Der Austausch der Daten zur Ermittlung des zu gewährenden Bonus findet ausschließlich über ein zertifiziertes Verschlüsselungsverfahren statt. Wir als Al­lianz erhalten lediglich verdichtete Fahr­daten, die keinen Rückschluss zulassen, wer, wo und wann gefahren ist“, so Wohl. Eine Strafe bei Nicht-Nutzung oder bei schlechten Fahrtwertungen gebe es nicht.

Marek Reimann hat seinen Telematik-Tarif übrigens nicht mehr. Aber nicht, weil er mit dem Angebot unzufrieden war. Sondern, weil er kein Auto mehr hat. „Ich beschäftige mich gerne mit Finanzen und habe für mich festgestellt, dass mir ein Auto zu teuer ist. Also habe ich den Wagen verkauft. Dank dieses Schritts spare ich jetzt so viel, dass ich einen Tag in der Woche weniger arbeiten muss.“ Na, das ist doch auch mal was.

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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