KFZ-Versicherung

Früh ansprechen, sauber abwickeln: Tipps für die KFZ-Wechselsaison 2026

Die KFZ-Wechselsaison 2026 dürfte ruhiger ausfallen als zuletzt. Doch die Kosten steigen weiter. Für Makler kommt es darauf an, Kunden früh anzusprechen und den Wechselprozess effizient zu gestalten.
Autos vor herbstlicher Kulisse: Die KFZ-Wechselsaison 2026 wird wohl etwas weniger wild ausfallen.
© anskihome/Magnific.com
Autos vor herbstlicher Kulisse: Die KFZ-Wechselsaison 2026 wird wohl etwas weniger wild ausfallen.

Es ist ein Brief, den kaum jemand gern öffnet. Er kommt im Herbst, meist unscheinbar, und beantwortet die Frage: Was kostet mich das Auto im nächsten Jahr? Für rund 1,5 Millionen KFZ-Versicherte war die Antwort 2025 Anlass genug, den Anbieter zu wechseln.

Der Beitragsbrief gehört laut einer Untersuchung von Sirius Campus zu den Hauptgründen für einen Anbieterwechsel, neben der Ansprache durch Vermittler und dem schlichten Sparwillen. Zusammen bewegten die Wechsler 2025 ein Prämienvolumen von 1,3 Milliarden Euro und sparten im Schnitt 139 Euro. Der durchschnittliche Jahresbeitrag lag bei 769 Euro, fast 7 Prozent mehr als im Jahr davor.

Wechseltermin steht bevor

Nun steht der Termin für die Wechselfrist bald wieder an, am 30. November ist es so weit. Aber dieses Mal ist die Ausgangslage eine andere: Die Preise geben Ruhe, zumindest etwas. Nach Auswertungen des Vergleichsportals Verivox war die KFZ-Haftpflicht im Juni 3 Prozent günstiger als im Jahr zuvor. In der Vollkaskoversicherung ging es um 2,5 Prozent rauf, der Teilkasko-Preis bewegt sich seitwärts mit einem Plüschen von 0,1 Prozent. Über alle Versicherungsarten hinweg liegen die Preise im Mittel gerade einmal 1,3 Prozent über dem Vorjahr.

„Für die KFZ-Versicherer war der Sanierungskurs der vergangenen Jahre erfolgreich“, sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer von Verivox Versicherungsvergleich. „Aber die aktuelle Preisstabilität steht auf wackligen Beinen. Die Reparaturkosten steigen weiter, die Versicherer haben keinen allzu großen Puffer aufgebaut und müssen im Falle stark steigender Kosten selbst wieder die Preise erhöhen.“ Zur Einordnung: Seit 2022 sind die Tarife im Mittel um 52,8 Prozent teurer geworden.

Erste Anbieter sind schon wieder im Preiskampf

Und doch hat der Wettbewerb schon wieder Fahrt aufgenommen, zumindest bei einigen Anbietern. „Erste Wettbewerber arbeiten bereits wieder mit Preisnachlässen“, beobachtet Holger Iben, Abteilungsleiter Maklervertrieb bei der Itzehoer. Er hält davon nicht wirklich viel: „Kurzfristiges Wachstum über nicht auskömmliche Preise ist nicht unser Ziel.“ Für den Jahreswechsel kündigt die Itzehoer eine „sehr moderate tarifliche Beitragsanpassung im unteren einstelligen Prozentbereich“ an.

Andere Versicherer wollen sich nicht festlegen. Die Huk-Coburg, mit rund 14,5 Millionen Fahrzeugen Deutschlands größter KFZ-Versicherer, hält Aussagen über pauschale Erhöhungen oder einzelne Segmente für unseriös. Pressesprecher Holger Brendel sagt aber: „Die Teuerung bei KFZ-Sachschäden liegt weiterhin deutlich über der allgemeinen Inflationsrate.“ Auch die R+V verweist auf die individuelle Kalkulation. Beitragsanpassungen seien dort erforderlich, „wo sie für eine dauerhaft solide und leistungsfähige Kalkulation notwendig sind“. Markus Wimmer, Leiter Privat-Kraft bei der Allianz Versicherung, erklärt, die nach wie vor hohen Kosten für Ersatzteile und Reparaturen und relevante Schäden durch Sturm, Hagel & Co. wirkten sich „sowohl im Neu-, als auch im Bestandsgeschäft aus“ und würden auch in den kommenden Jahren einen starken Einfluss auf die Preisentwicklung haben.

Technologie macht Autofahren teurer

Nach Zahlen des Versichererverbands GDV sind Ersatzteile und Werkstattleistungen im vergangenen Jahrzehnt um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr teurer geworden. „Technologie macht das Autofahren sicherer, aber nicht automatisch günstiger“, sagt GDV-Vize-Hauptgeschäftsführerin Anja Käfer-Rohrbach. Schon bei einer Inflation von 2 Prozent würde der Schadenaufwand bis 2040 um 24 bis 32 Prozent wachsen. Eine Frontscheibe mit Assistenzsystemen ist rund 15 Prozent teurer, weil etwa Sensoren ersetzt werden müssen. Die R+V beschreibt das so: „Was früher ein vergleichsweise einfaches Karosserie- oder Glasteil war, ist heute ein elektronisches Bauteil, das nach dem Austausch oft zusätzlich kalibriert werden muss.“ Solche Kosten landen früher oder später im Beitragsbrief, und damit genau dort, wo Kunden über einen Wechsel nachdenken.

Für Makler heißt das: Wer mit seinen Kunden spricht, bevor die Rechnung im Briefkasten liegt, hat die besseren Karten. Die Allianz rät zu frühem Handeln: „Kunden frühzeitig ansprechen – idealerweise bereits im September oder Oktober, also deutlich vor der Kündigungsfrist am 30. November.“ Zugleich mahnt der Versicherer, nicht nur auf den Preis zu schauen: „Günstig ist nicht gleich gut.“

Die Itzehoer sieht das nüchterner. Eine pauschale Ansprache des gesamten Bestands allein wegen der Wechselsaison hält sie „nicht zwingend für erforderlich“. Preissensible Kunden könne der Makler gezielt und früh ansprechen und dabei Fahrleistung, Fahrerkreis, Fahrzeugnutzung, Selbstbeteiligung und Leistungsumfang prüfen. „Das nimmt Druck aus dem Gespräch, bevor die Beitragsrechnung vorliegt und die Kündigungsfrist näher rückt“, sagt Iben.

Sinkt der KFZ-Beitrag, sinkt auch die Courtage

Wichtig ist es seiner Ansicht nach auch, mögliche Beitragsveränderungen verständlich einzuordnen. Iben: „Eine moderate tarifliche Anpassung führt nicht automatisch in gleicher Höhe zu einem höheren Zahlbeitrag. Bei Schadenfreiheit kann die verbesserte Schadenfreiheitsklasse den Effekt teilweise oder vollständig ausgleichen. Hinzu kommen mögliche Veränderungen der Regional- und Typklasse.“ Die Grafik auf Seite 70 zeigt, welche Faktoren den KFZ-Beitrag beeinflussen. Der Experte ergänzt noch einen Punkt, der im Vertriebsalltag nicht ganz unwichtig ist: „Vermittler sollten bei ihrer Vorgehensweise zugleich die Wirtschaftlichkeit des eigenen Geschäftsmodells im Blick behalten. Eine Beitragsreduzierung führt in der Regel auch zu einer geringeren Courtage. Wer mit hohem Aufwand zahlreiche Verträge auf einen möglichst niedrigen Beitrag optimiert, kann deshalb am Ende mehr Arbeit und zugleich weniger Ertrag haben.“

Für viele Makler ist die Wechselsaison vor allem eine Frage der Logistik, findet Adrian Reininger, Vertriebsdirektor beim Software-Anbieter Flixcheck: „Der Vertrag ist besprochen, aber dann fehlen Fahrzeugschein, Bankdaten oder die Unterschrift. Also wird nachgefasst: Anruf, Erinnerungsmail, noch ein Anruf. Der Klassiker ist der Medienbruch. Der Kunde soll ein PDF ausdrucken, unterschreiben, scannen und zurückschicken. Wer abends um neun Uhr keinen Drucker hat, macht das nicht. Das ist kein Kundenproblem, das ist ein Prozessproblem. Hinzu kommt das Abtippen von Daten, die der Kunde längst geliefert hat. Das ist der stille Zeitfresser.“

Wiederkehrende Prozesse automatisieren

Sein Rat lautet: erst die Erfassung ordnen, dann mithilfe der künstlichen Intelligenz (KI) automatisieren. Und automatisieren lasse sich in der KFZ-Wechselzeit fast alles. „Denn der Prozess wiederholt sich jedes Jahr“, so Reininger. Man könne ihn einmal als Vorlage bauen und anschließend für viele Kunden nutzen. „Der Kunde erhält beispielsweise per E-Mail oder SMS einen digitalen Check und übermittelt darüber Kennzeichen, Fahrzeugschein, Kilometerstand, Vorversicherer, Sepa-Mandat und Unterschrift. Das funktioniert am Smartphone ohne App, Login oder Drucker. Auch der Versand lässt sich bündeln und personalisieren. Entscheidend ist: Die Antworten kommen strukturiert zurück und nicht verteilt über zahlreiche E-Mails.“

Die Wechselsaison 2026 wird vermutlich keine Preisschlacht, aber sie kann für Makler zur Gelegenheit werden. Die Beiträge halten still, die Kosten dahinter tun es nicht, und irgendwann macht sich das im Beitragsbrief bemerkbar. Wer seine Kunden früh anspricht, die passenden Stellschrauben kennt und Beitragsänderungen verständlich einordnet, muss nicht hinterherlaufen, wenn die Post im Briefkasten liegt. Und wer den Papierkram einmal sauber aufsetzt, hat im nächsten Herbst schon die halbe Arbeit erledigt.

Mehr zum Thema

BGH: KFZ-Haftpflicht braucht kein Upgrade zu bezahlen

Manche Autofahrer wollen es ganz genau wissen und rollen mit ihrer Klage bis zur obersten…

KFZ-Großflotten und Exoten: Die Favoriten der Vema-Makler

Die große KFZ-Wechsel-Saison läuft an. Pünktlich dazu fragte die Maklergenossenschaft Vema ihre angeschlossenen Makler, bei…

Ablenkung am Steuer zum Teil gefährlicher als Alkohol

Das Allianz Zentrum für Technik (AZT) sieht Ablenkung als wichtigen Faktor in mindestens jedem dritten…

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert