Einfach mal weg – aber sicher!

Das sind die aktuellen Trends in der Reiseversicherung

Die Deutschen reisen längst wieder so viel, wie sie es vor der Pandemie getan haben – und doch ist manches anders: Urlaub im Heimatland und mit dem Auto wird beliebter, Flexibilität ist Trumpf, und auch das Budget wird hinterfragt – was das für den Reiseversicherungsmarkt bedeutet.
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Entspannen auf Reisen geht besser, wenn der Versicherungsschutz im Ausland stimmt.

Die Deutschen pflegen ein inniges Verhältnis zum Reisen – ein dreiwöchiger Sommerurlaub auf Mallorca, Korfu oder in Istrien ist für viele ein Muss. Inflation hin, Rezession her. „Reiselust ist krisenfest“, teilte der ADAC auf Basis der jüngsten „ADAC Tourismusstudie“ mit. Knapp zwei Drittel der Deutschen planen demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Urlaubsreise in diesem Jahr. Nach Corona sei Reisen wieder zu etwas Besonderem geworden, fasst der ADAC die sehnsuchtsvolle Stimmung im Volke zusammen.

Zugleich habe sich dank Pandemie das Sicherheitsbedürfnis auf Reisen verstärkt: Eine unkomplizierte und störungsfreie An- und Abreise ist für die Deutschen das Hauptanliegen bei einer Buchung. 71 Prozent der Befragten benannten diesen Faktor als „sehr wichtig“. Hygienestandards und flexible Stornierungsmöglichkeiten seien für rund 55 Prozent entscheidend. Auch die politische Stabilität am Urlaubsort – etwa demokratische Standards und Distanz zu Konfliktherden – hat für jeden Zweiten eine hohe Bedeutung.

Hm, der bayerische Kabarettist Gerhard Polt hätte das vielleicht (wieder) so kommentiert: „Wir hamma heuer mal so eine Weltreise g’macht. Aber ich sag’s Ihnen gleich wia’s is: Da fahrma nimmer hin.“ Frei nach der Spießer-Devise: Im Urlaub sollte alles wie zu Hause sein – nur mit besserem Wetter und funktionierenden Duschen. Alltag unter erschwärmten Bedingungen sozusagen. Und tatsächlich haben immerhin 32 Prozent der hiesigen Bürger „Deutschland als Urlaubsziel während der Pandemie schätzen gelernt und möchten auch künftig dort Urlaub machen“, wie es seitens des ADAC heißt.

Was bedeutet das nun für die Reiseversicherungsbranche, wenn sich die Bundesbürger auch nach der Pandemie für heimische Destinationen begeistern können – nicht zuletzt, weil viele Menschen bei ihrem Reisebudget sparen müssen, wie der ADAC zu bedenken gibt? Micha Hildebrandt, Vorstand der Vigo Krankenversicherung, gibt sich entspannt: „Dass innerdeutsche Ziele mehr Beachtung finden, ist erfreulich – auch aus Gründen der Nachhaltigkeit und Stressreduzierung bei der Planung und Durchführung einer Reise.“ Zugleich steige aber auch die Nachfrage nach Auslandsreisen, denn „das eine schließt das andere ja nicht aus“, sagt Hildebrandt, und die Lust aufs Reisen sei offenbar stärker denn je. „Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erzielten wir einen Anstieg bei den Abschlüssen in der Auslandsreisekrankenversicherung um zirka 30 Prozent“, freut sich der Vigo-Vorstand.

Hanse-Merkur mit großen Plänen

Auch beim Reiseversicherungs-Riesen Hanse-Merkur sprudeln die Einnahmen. Das Geschäftsfeld „Reise & Freizeit“ erzielte im vergangenen Jahr mit rund 268 Millionen Euro die bislang höchsten Beitragseinnahmen bei den Hamburgern überhaupt. Das Beitragswachstum gegenüber 2021 lag bei satten 45,9 Prozent. Gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 legte das Beitragsvolumen immerhin noch um knapp 12 Prozent zu. Mittelfristig habe man sich vorgenommen, führender Reiseversicherer in Europa zu werden. „Wir sind bisher mit unserer Strategie, Markt für Markt zu erschließen, sehr erfolgreich. Diesen Kurs werden wir daher weiterverfolgen und in diesem Jahr ein Verkaufsbüro in den Niederlanden eröffnen“, sagt Johannes Ganser, verantwortlicher Vorstand für das Reise-Segment. „Die Niederlande werden nach Österreich, Polen und der Schweiz unser vierter Markt mit Verkaufsbüro sein“, so der Hanse-Merkur-Manager. „So werden wir in den kommenden Jahren Schritt für Schritt den gesamten europäischen Wirtschaftsraum erschließen.“

Ohnehin sieht sich die Hanse-Merkur als Komplettanbieter für Reiseschutz gut aufgestellt – auch mit Blick auf Deutschlandreisen: „Kunden, die im Inland bleiben, fokussieren sich eher auf die Reise-Rücktrittsversicherung und Urlaubsgarantie, da zum Beispiel eine Auslandskrankenversicherung nicht nötig ist“, sagt Ganser. Urlaub im eigenen Land liege auch weiter sehr im Trend, stimmt er den Thesen der ADAC-Studie zu – und das über alle Altersstufen hinweg. Kommt im Vorfeld der Reise etwas dazwischen, geloben die Hanseaten ihren Kunden, auch in Deutschland mit der Reiserücktrittsversicherung die Stornokosten für die Unterkunft oder Mehrausgaben bei der An- und Abreise zu bezahlen.

Zugleich stellt Ganser fest, dass das Abschlussverhalten für Deutschland, das man während der Pandemie gesehen habe, nicht im selben Rahmen anhalte. Im Klartext: Offenbar zieht es viele Deutsche dann doch wieder in die Ferne. „Die Top-5-Reiseziele für die Hauptreisezeit im Sommer sind laut Auswertung des Deutschen Reiseverbandes die Türkei, Spanien, Griechenland, Ägypten und Portugal“, zählt Vigo-Vorstand Hildebrandt auf.

Neben der Reiselust als solcher stelle der Krankenversicherer fest, „dass der Produktansatz und die Qualität der Gesundheitsabsicherung eine immer wichtigere Rolle einnehmen“. Hierzu verweist Hildebrandt auf den hauseigenen Krankentarif „AuslandsReise.Nachhaltigkeit“, den die Düsseldorfer kürzlich um neue Produktaspekte, wie etwa die Kompensation von CO2-Emissionen bei Rücktransporten ergänzt haben. „Dies wirkte sich ebenfalls sehr positiv auf das Abschlussverhalten aus“, so der Vigo-Manager.

Was den Bund der Versicherten stört

Weniger positiv ist die Resonanz von so mancher Verbraucherschutzorganisation, wenn es um den Reiseversicherungsmarkt geht. So stört sich der Bund der Versicherten (BdV) regelmäßig daran, dass Reiseversicherungen häufig auch als „Rundum-sorglos-Paket“ angeboten werden: etwa als Reiserücktrittsversicherung mit -kranken-, -haftpflicht-, -unfall- und -gepäckversicherung. „Von diesen Produkten sollten Reisende eher die Finger lassen“, teilte der BdV zuletzt Anfang März mit. Begründung: „Reiserücktritt- oder -gepäckversicherungen bieten keinen verlässlichen Versicherungsschutz. Und bei der Auslandsreisekrankenversicherung ist ein selbstständiger Vertrag die bessere Alternative.“

Johannes Ganser will das so nicht gelten lassen: „Die Aussage, dass eine Reiserücktrittsversicherung keinen verlässlichen Schutz bietet, können wir nicht nachvollziehen. Gerade in den vergangenen Pandemie-Jahren haben wir von Tausenden Kundinnen und Kunden die Rückmeldung erhalten, dass sie sehr froh waren, einen Vertrag abgeschlossen zu haben.“ Reiserücktritts- und Reiseabbruch-Versicherungen ermöglichten, dass ein Urlaub, der wegen Corona oder einer anderen unvorhersehbaren, schweren Erkrankung ganz oder teilweise ins Wasser fallen müsse, potenziell nachgeholt werden könne, betont Ganser. Die Versicherungen sicherten die Reisenden vor hohen Kosten vor und nach der Reise ab – und das zuverlässig, fügt der Hanse-Merkur-Mann hinzu.

A la carte oder all inclusive?

Und auch die Kritik an Paket-Lösungen weist Ganser zurück: „Manche möchten sich ,à la carte‘ ihren Versicherungsschutz selbst zusammenstellen, andere fühlen sich ,all inclusive‘ mit einem umfassenden Rundum-Paket am wohlsten. Unserer Meinung nach gibt es hier kein pauschales ,Besser‘ und ,Schlechter’“, sagt er. Folglich überlasse man es den Kunden, sich nach eigenem Bedarf zu entscheiden. Reiserücktritts- und Auslandskrankenpolicen gehörten zu den am meisten nachgefragten Produkten – und das insbesondere im Paket, resümiert Ganser.

Vigo-Mann Hildebrandt entgegnet, dass er die BdV-Einschätzung dahingehend teile, dass die wichtigste Versicherung bei Auslandsreisen die Auslandsreisekranken sei. Denn ohne diese Police sei unter Umständen die finanzielle Existenz bedroht. „Ein Versicherungsfall im Ausland kann schnell mal über 100.000 Euro kosten“, warnt Hildebrandt. Auch Reisen innerhalb Europas sollten – trotz des Schutzes über die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) – nie ohne eine Auslandsreiseschutz gestartet werden. Beispielsweise fehle ansonsten die Absicherung für einen Krankenrücktransport, der häufig mit mehr als 30.000 Euro zu Buche schlage. Weitere Absicherungen könnten im Einzelfall auch sinnvoll sein, fährt der Vigo-Mann fort, „hier sollte man jedoch individuell für sich prüfen, welcher Schutz zu welchem Beitrag tatsächlich gewünscht ist“.

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Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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