Lust am Umbruch bei Jens Baas, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK). „Wir sollten die private Krankenversicherung abschaffen, die gesetzliche aber auch“, sagte er dem „Spiegel“, der das in seiner aktuellen Titelgeschichte erzählt. Die trägt den vielsagenden Cover-Titel „Menschen zweiter Klasse“ und handelt generell davon, dass das deutsche Gesundheitssystem ungerecht ist. Baas‘ Aussagen sind nur ein kleiner Teil davon.
Aber sie haben es in sich. Denn er würde offenbar gern das gesamte System umwerfen. Und dann ein komplett neues aufsetzen, das das beste aus beiden Welten nutzt. Sprich: aus gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV).
Nur, was wäre das? Aus der GKV könne man übernehmen, die Kunden nicht mehr nach ihren Risiken (also auch: Vorerkrankungen) zu beurteilen, so Baas. In der PKV ist diese Risikoselektion nach wie vor Teil des Systems und dient dazu, das Versichertenkollektiv zu schützen – sagt die PKV.
Ebenso solle man es ermöglichen, jederzeit die Kasse wechseln zu können, wie es in der GKV üblich ist. Und in der PKV nun mal nicht. Drittens soll man keine Gewinne mehr aus der Krankenversicherung abschöpfen können. Genau das tut die PKV, wie es in der Privatwirtschaft nun mal an der Tagesordnung ist (und worauf sie wohl kaum freiwillig verzichten wird). Viertens soll es wie in der GKV üblich Standardleistungen geben, die jede Kasse abdecken muss.
Aber was könnte so ein gemeinsames System wiederum von der PKV lernen? „Da ist zum einen die Staatsferne“, so Baas. „An die Altersrückstellungen der Privaten kommt der Staat nicht ran.“ Das müsse auch in einem neuen System so sein. Altersrückstellungen bilden private Krankenversicherer, um steigende Gesundheitskosten ihrer Versicherten im Alter aufzufangen. Es ist damit eine Vorsorgeform, die es in der GKV nicht gibt (was aber Ulrich Mitzlaff, Chef der SDK im Pfeffi-Podcast zu ändern anregte).
Der zweite Punkt ist die Möglichkeit, Verträge frei zu gestalten. Theoretisch könnten nämlich private Krankenversicherer mit Ärzten, Krankenhäusern und Therapeuten auf eigene Faust verhandeln. Doch oft seien sie dafür zu klein, so Baas. In einem gemeinsamen System könne das aber funktionieren.
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