Deutschland hat Rücken, so lautet ein Buch der Bewegungsexperten Petra und Roland Liebscher-Bracht. Kein Wunder, dass bei einer Kurzumfrage im März Vermittler die Bereiche Rücken-, Skelett- und Muskelerkrankungen als zweithäufigste Hürde nannten, wenn es um die Biometrieabsicherung von Kunden geht. Nachdem wir im ersten Teil dieser Serie auf psychische Erkrankungen eingegangen sind, widmen wir uns nun diesem Themenkomplex.
Es gibt vielfältige Krankheitsformen, die in den Bereich Rücken-, Skelett- und Muskelerkrankungen fallen. Nicht allen kann mit präventiven Maßnahmen begegnet werden. Auf Grund des großen Umfangs, kann dieser Beitrag auch nicht alle Formen detailliert behandeln. Konzentrieren wir uns also auf die wichtigsten Faktoren.
Viele, die am Schreibtisch arbeiten, kennen Rückschmerzen und Verspannungen. Jetzt, wo sehr viele Menschen im Homeoffice sind, haben sich diese Probleme verstärkt. Auf dem Weg ins Büro gab es zumindest ein bisschen Bewegung. Dazu kamen die Wege zu Besprechungen, in die Kantine oder zum Drucker. Bei der Tätigkeit im Homeoffice fällt bei vielen dieser Bewegungsanteil weg. Während viele Arbeitgeber die Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter in den vergangenen Jahren ergonomisch gestaltet haben, gilt das für das Homeoffice nicht unbedingt. So kommt es zur Kombination von ungünstiger Arbeitsplatzgestaltung und Bewegungsmangel. Was hiergegen unternommen werden kann, haben wir bereits in früheren Beiträgen berichtet:
Gut essen, ausreichend bewegen
Wie Rückenschmerzen entstehen – und was man dagegen tun kann.
Muskelschmerzen können jedoch auch bedingt durch Nährstoffmangel entstehen. Eine verspannte und verkrampfte Muskulatur kann ebenfalls zu Rückenschmerzen führen. Meist geschieht dies durch eine gestörte Balance zwischen Magnesium, Kalium und Calcium. Magnesium ist an über 300 enzymatischen Stoffwechselprozessen beteiligt. Manchmal wird sogar von 600 Prozessen gesprochen. Das gilt auch für den Muskelstoffwechsel.
Ein Mangel an Magnesium zeigt sich häufig in Form von Muskelverhärtungen und -krämpfen. Außerdem ermüden die Muskeln schneller. Auch das kann zu einer schlechten Körperhaltung beim langen Sitzen beitragen. Psychischer oder physischer Stress sowie starkes Schwitzen, sorgen für einen starken Magnesiumverbrauch.
Auch ein Kaliummangel kann zu Krämpfen und muskulären Erschöpfungszuständen führen. Calcium wiederum ist wichtig für die Muskelkontraktion. Die Nervenerregung wird durch den Calcium-Einstrom in die Zellen begleitet. Ab einem Vitamin-D-Spiegel von 30 ng/ml (75 nmol/l) wird Calcium im Darm aus der Nahrung besser aufgenommen. Leider liegt der Referenzwert der DGE lediglich bei 20 ng/ml (50 nmol/l). Dieser sagt jedoch lediglich aus, unter welchem Wert man langfristig nicht liegen sollte, um schwere Mangelerkrankungen wie Osteoporose, dazu unten mehr, vermeiden zu können. Mit einer optimalen Versorgung hat dieser Wert nicht zu tun.
Der hochoptimale Vitamin-D-Spiegel liegt bei 60 ngml (150 nmol/l) . Bei Patienten, die an Fibromyalgie leiden, werden häufig Vitamin-D-Mängel gemessen. Durch das Anheben und Halten hochoptimaler Spiegel können Muskelschmerzen häufig gemildert werden. Im Idealfall verschwinden diese komplett.
Bei angeborenen Deformationen, wie beispielsweise einer S-förmigen Verschiebung der Wirbelsäule oder einer Hyperlordose (Hohlkreuz) können Bewegung, Muskeltraining und vor allem die Vermeidung von Übergewicht sehr hilfreich sein. Die Verformungen werden dadurch zwar nicht verschwinden, die Verspannungen und Rückenschmerzen, die sich daraus ergeben, können aber komplett entfallen. Das kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen, da ich beides seit Geburt habe. Während früher Rückenschmerzen bei mir an der Tagesordnung waren, kommt das seit der Wiederaufnahme von Sport vor einigen Jahren, meiner Ernährungsumstellung und Reduktion von rund 30 Kilo Fettmasse so gut wie nicht mehr vor.
Kommen wir zum Schluss noch zu Knochenerkrankungen. Bei Rachitis handelt es sich um eine, vor allem früher, bei Kindern auftretende Knochenerweichung, die zu massiven Deformationen der Beine, aber auch der Brust (Trichterbrust) führen kann. In der Regel ist diese bedingt durch einen Vitamin-D-Mangel. Zur Rachitisprophylaxe empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (DGKJ) in Deutschland in den ersten zwölf Lebensmonaten 400-500 IE/Tag Vitamin D zu verabreichen. Hintergrund ist der erhöhte Bedarf für einen gesunden Knochenaufbau und gesunde Zähne.
Es gibt auch die Vitamin D resistente Rachitis. Diese wird durch Magnesiumgabe therapiert. Das in der Haut durch UVB-Strahlung gebildete Vitamin D3 ist noch nicht die bioaktive Form. Damit das D3 im Körper zu Nieren und Leber transportiert und dort in die aktive Hormonform Cacitriol (1,25-(OH)2D3) umgewandelt werden kann, ist bei mehreren Stoffwechselschritten eine optimale Magnesiumversorgung als Co-Faktor notwendig. Ist also ausreichend viel Vitamin D3 vorhanden, mangelt es aber an Magnesium, kann das Vitamin nicht ausreichend in die Hormonform überführt werden. Die Rachitis-Prophylaxe kann auch im zweiten Lebensjahr fortgeführt werden.
Sofern man sich im Herbst und Winter in europäischen Breitengraden aufhält, sollte auch in diesen Monaten Vitamin D zugeführt werden, um einen Mangel zu vermeiden. Denn in der Haut kann nur dann Vitamin D ausreichend produziert werden, wenn der UV-Index mindestens bei 3 oder höher liegt. Um zu erkennen, ob eine Vitamin-D-Produktion möglich ist, gibt es heute mehrere Möglichkeiten: Entweder man schaut auf Wetterkanälen oder Wetter-Apps nach, wie hoch der UV-Index am aktuellen Ort ist. Alternativ reicht es auch, sich in die Sonne zu stellen und den eigenen Schatten zu betrachten. Ist dieser kürzer als die eigene Körpergröße, steht die Sonne hoch genug, damit in der Haut Vitamin D gebildet werden kann.
Das ist aber nur möglich, indem man sich der Sonnenstrahlung ungeschützt, also unbekleidet und ohne Sonnencreme, aussetzt. Selbstverständlich ist dabei stets darauf zu achten, einen Sonnenbrand zu vermeiden, um das Hautkrebsrisiko zu reduzieren. Deshalb ergibt es Sinn, ab Frühling die Haut zunächst wenigen Minuten der Sonnenstrahlung ungeschützt auszusetzen und dann Sonnenschutz zu verwenden. Je heller die Haut, desto kürzer sollte diese Bestrahlungsdauer sein. Im Sommer, wenn sich die Haut an die UV-Strahlung angepasst hat, reichen je Körperseite maximal 15 Minuten Sonnenbestrahlung aus, um bis zu 25.000 IE Vitamin D in der Haut zu produzieren. Ein längeres Sonnenbad bringt diesbezüglich keine weiteren Vorteile und erhöht das Hautkrebsrisiko.
Liegt bei Erwachsenen über längere Zeit ein Vitamin-D-Mangel vor, so kann es zur Osteomalazie (Knochenerweichung), oder im schlimmsten Fall zur Osteoporose kommen. In Deutschland leiden etwa 8 Millionen Menschen an diesem Knochenschwund. Davon sind mehr als 74 Prozent Frauen. Besonders betroffen von dieser Erkrankung sind Frauen nach der Menopause, sowie Männer mit Testosteronmangel. Hintergrund der Erkrankung ist, dass zum einen die Aktivität knochenabbauender Zellen (Osteoklasten) jener der knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten, in den Zähnen Odontoblasten genannt) übersteigt. Weiterhin kommt es durch einen langjährigen Calciummangel zu einer Entmineralisierung der Knochen. Wie oben bereits erwähnt, sorgt ein Vitamin-D-Spiegel > 30 ng/ml dafür, dass Calcium aus der Nahrung im Dünndarm besser aufgenommen werden kann.
Damit dieses Calcium in die Knochen und Zähne eingebaut werden kann, ist wiederum eine optimale Versorgung mit dem Vitamin K2 notwendig. Dieses findet sich vor allem im frischen, grünen Gemüse wie Kohlsorten. Vitamin K2 aktiviert das primär im Knochen gebildete Protein Osteocalcin. Dieses bindet das durch Vitamin D im Darm besser aufgenommene Calcium im Knochen.
Um möglichst bis ins hohe Alter gesunde und stabile Knochen und Zähne erhalten zu können, ist es bereits ab den Kindheitstagen wichtig, auf eine optimale Versorgung mit Vitamin D, Magnesium, Calcium und Vitamin K2 zu achten.
Nicht alle Beschwerden aus dem Bereich Muskeln, Skelett und Knochen, die bei Antragsstellung Probleme verursachen, können behoben werden. In einigen Bereichen ist dies, wie im oben beschrieben, jedoch möglich. Vor allem kann es sinnvoll sein, beim Gespräch zwischen Vermittler und Eltern entsprechende Informationen für deren Kinder zur Verfügung zu stellen. Somit erhöht sich die Chance, dass diese später Biometrieprodukte ohne Einschränkungen, Risikozuschläge, Ausschlüsse, oder Ablehnungen beantragen können. Die heutigen Kinder, sind schließlich die Versicherungskunden von morgen.
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