Ifo-Analyse

Gros der Sozialausgaben fließt in Rente und Gesundheit

Das deutsche Sozialbudget ist seit 1992 kräftig gewachsen, inflationsbereinigt um rund 60 Prozent. Eine Auswertung der Ifo Instituts zeigt: Haupttreiber sind die Ausgaben der Renten- und Krankenversicherung. Der demografische Wandel lässt grüßen.
Rentnerpaar im Park: Der demografische Wandel macht sich in Deutschland an der Höhe der Sozialabgaben bemerkbar.
© arning123/Magnific
Rentnerpaar im Park: Der demografische Wandel macht sich in Deutschland an der Höhe der Sozialabgaben bemerkbar.

Das Münchener Ifo-Institut hat untersucht, wie sich das Sozialbudget in Deutschland von 1992 bis 2024 entwickelt hat. Preisbereinigt (in Preisen von 2020) sind die Ausgaben um rund 60 Prozent gewachsen. Auch die Sozialbudgetquote ist gestiegen.

Sie lag mit 31 Prozent 2024 etwa 5 Prozentpunkte höher als 1992. Die Quote setzt die Ausgaben in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Sozialausgaben sind also stärker gestiegen als die Wirtschaftsleistung.

Demografischer Wandel haut rein

Verantwortlich für die Zunahme sind maßgeblich die Bereiche Gesundheit und Alter. Sie erklären laut Ifo-Analyse rund 80 Prozent des Gesamtanstiegs. Schon 1992 machten sie zusammen über 60 Prozent der Sozialausgaben aus, mittlerweile sind es fast 70 Prozent – beide haben einen etwa gleich großen Anteil.

Angesichts des demografischen Wandels überrascht der langfristige Anstieg dieses Bereichs nicht. In einer alternden Gesellschaft gewinnen alterssichernde Leistungen typischerweise an Gewicht. Zudem sorgt eine ältere Bevölkerung für eine höhere Nachfrage nach Gesundheitsleistungen.

Rund 20 Prozent für Förder- und Fürsorgesysteme

Die steuerfinanzierten Förder- und Fürsorgesysteme machen heute rund ein Fünftel des Sozialbudgets aus, 1992 waren es gut 14 Prozent. Den größten Anteil haben hier die Kinder- und Jugendhilfe, der Familienleistungsausgleich (inklusive Kindergeld), das Bürgergeld (jetzt Grundsicherung) und die Sozial- und Eingliederungshilfe.

Die Analyse zeigt langfristig einen Aufwärtstrend bei der Entwicklung der Sozialausgaben und der Sozialbudgetquote, allerdings keine ganz lineare Entwicklung. Vor allem bei der Quote in Krisenjahren wie 2009 und 2020 ist ein starker Anstieg (mit anschließendem Knick nach unten) zu beobachten.

Sozialstaat als Stabilisator

„In diesen Jahren reagiert die Sozialbudgetquote auf die wirtschaftlichen Schocks: Die Sozialausgaben steigen antizyklisch, während das BIP als Bezugsgröße in der Krise schrumpft. Hier wird die Funktion des Sozialstaats als automatischer Stabilisator im Konjunkturzyklus deutlich“, heißt es in der Ifo-Analyse.

Basis der Ifo-Auswertung sind die Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum deutschen Sozialbudget, die jedes Jahr veröffentlicht werden. Das Sozialbudget umfasst sowohl Versorgungsleistungen der Sozialversicherungen als auch steuerfinanzierte Transfers sowie betriebliche und private Leistungen, etwa Betriebs- und Riester-Renten.

Es geht also nicht nur um Steuergelder, die in Soziales fließen. Einen großen Anteil haben auch die Sozialversicherungsbeiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

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