Bedenklicher Trend

„Dr. KI“ ersetzt zunehmend den Arztbesuch

Fast jeder zweite Deutsche hat sich vor dem Arztbesuch schon mal eine KI-Diagnose eingeholt. Und so mancher hat danach darauf verzichtet, die Praxis aufzusuchen.
Diagnosen vom virtuellen Doktor? Künstliche Intelligenz scheint für immer mehr Menschen hierzulande erste Anlaufstation bei Gesundheitsfragen zu sein.
© Iryna Danishevska/Magnific (KI-generiert)
Diagnosen vom virtuellen Doktor? Künstliche Intelligenz scheint für immer mehr Menschen hierzulande erste Anlaufstation bei Gesundheitsfragen zu sein.

Künstliche Intelligenz ist ein zunehmend beliebter Ratgeber in Sachen Gesundheit, wie die Studie „KI-Nutzung im privaten Alltag 2026“ der Pronova BKK zeigt. 46 Prozent der Umfrageteilnehmer haben sich vor einem Arztbesuch schon mindestens einmal eine KI-Diagnose erstellen lassen, die meisten davon schon mehrfach. Weitere 29 Prozent können sich vorstellen, dies in Zukunft zu tun.

Knapp ein Drittel hat nach einer KI-Diagnose sogar auf den Arztbesuch verzichtet. Aber auch nach einem Arztbesuch hat die KI noch nicht ausgedient. 37 Prozent geben an, die ärztliche Diagnose von der KI gegenchecken zu lassen. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 62 Prozent.

Technologie nie blind vertrauen

Anke Hurst, Fachärztin für Innere Medizin und Beratungsärztin bei der Pronova BKK, warnt vor blindem Vertrauen in die Technologie: „KI kann veraltete, unvollständige und schlicht falsche Informationen liefern, denn sie arbeitet oft nicht mit geprüften Quellen und aktuellen Leitlinien.“ Darüber hinaus kenne sie nur die vom Patienten eingegebenen Daten, wichtige Angaben für die korrekte Diagnose fehlten eventuell.

Der Großteil der Menschen (87 Prozent), die bereits gesundheitlichen Rat bei einer KI eingeholt haben, sind mit diesen Empfehlungen zufrieden. Nicht selten erhalten Patienten unterschiedliche Informationen von Arzt und KI. Bemerkenswert: Etwa jeder Vierte folgt der KI und ignoriert die Empfehlung der Ärzteschaft.

Vorteile von Ärzten und KI

Vertrauen in die Ärzteschaft ist aber grundsätzlich vorhanden. 55 Prozent der Befragten sind der Ansicht, die Informationen der Mediziner sind zuverlässiger, nur 10 Prozent sagen das über die KI. Und etwa ebenso viele sehen als großen Vorteil gegenüber der KI, dass Ärzte mehr Verständnis für die persönliche Situation aufbringen.

Doch auch die KI hat ihre Vorteile und ist daher nicht nur bei den Jüngeren beliebt. Dr. KI steht nicht unter Zeitdruck. Man kann ausführlich nachfragen, und er liefert meist verständliche Informationen. Das sehen mehr Frauen als Männer so – genauso wie die über 60-Jährigen. „Nicht alle sind geübt oder trauen sich, in Arztgesprächen Unklarheiten direkt anzusprechen. Eine medizinisch geprüfte KI könnte ohne Zeitdruck Begriffe erklären, Informationen wiederholen und helfen, Wissen zu vertiefen. Da bietet sich Potenzial für die Zukunft. Wirklich wichtige Fragen sollten trotzdem direkt mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin geklärt werden. „, erklärt Hurst.

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Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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