Debeka über steigende GKV-Beiträge

„Wir müssen als PKV-Anbieter die Chance nutzen“

Treiben die gestiegenen Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) die Menschen nun in die Arme der privaten Krankenversicherer (PKV)? Wir haben beim Marktführer Debeka einmal nachgefragt, wie es dort läuft. Und ja, es läuft, teilt uns das für Krankenversicherung zuständige Vorstandsmitglied Annabritta Biederbick mit.
Annabritta Biederbick, Vorstandsmitglied der Debeka
© Debeka
Annabritta Biederbick, Vorstandsmitglied der Debeka: „Steigerung der PKV-Verträge um über 10 Prozent“

Pfefferminzia: Bemerken Sie schon steigende Nachfrage nach PKV, seitdem bekannt wurde, wie die GKV-Beiträge steigen?

Annabritta Biederbick: Von Oktober bis Dezember 2022 können wir eine Steigerung der Stückzahl von abgeschlossenen PKV-Verträgen ohne Beihilfe von über 10 Prozent feststellen. Da in diesem Zeitraum auch die Steigerungen der GKV zum Jahr 2023 bekannt geworden sind, wird dies zumindest eine unterstützende Wirkung entfacht haben.

Wie wird es in dieser Hinsicht weitergehen?

Biederbick: Aufgrund der aktuellen Finanzierungsprobleme der GKV sowie der sich in Zukunft weiter verschärfenden Demographieproblematik wird die GKV weiterhin Beiträge anpassen oder Leistungen streichen müssen, sofern keine maßgebliche Renovierung des Sozialsicherungssystems erfolgt.

Gibt es eigentlich einen Zusammenhang zwischen PKV-Zuspruch und GKV-Beiträgen?

Biederbick: Da durch die Bekanntgabe der Entgeltgrenzen, Beitragssätze und Höchstbeiträge zum Ende eines Jahres für das jeweils darauffolgende Jahr für gesetzlich Krankenversicherte die Möglichkeit besteht, sich mit Beginn des kommenden Jahres grundsätzlich auch privat zu versichern, haben steigende Beiträge in der GKV sicherlich auch in der Vergangenheit schon dazu beigetragen, dass gesetzlich Krankenversicherte sich für eine Private Krankenversicherung bei der Debeka entschieden haben. Allerdings können wir aufgrund der vorliegenden Datenlage keine besondere Korrelation erkennen.

Wie betrachten Sie die aktuelle Diskussion um die GKV-Beiträge und die Finanzlöcher, angesichts der zuletzt leicht schrumpfenden PKV-Bestände?

Biederbick: Als Chance, die wir als PKV nutzen müssen. Hierzu bedarf es intensiver Aufklärung über Funktionsweise und gesamtgesellschaftlichen Nutzen der PKV sowie der langfristig moderaten Beitragsentwicklung.

Mit welchen Argumenten sollten Vermittler auf mögliche PKV-Kandidaten zugehen?

Biederbick: Die Argumente liegen auf Seiten der deutlich umfangreicheren Leistungen der PKV sowie bei richtiger Tarifkonstellation auch bei der langfristigen Beitragsstabilität. Weiterhin spielt die vertragliche Leistungssicherheit eine Rolle, welche in der PKV – anders als in der GKV – nicht einseitig verändert werden kann.

Gibt es Prognosen aus Ihrem Haus, wie sich die PKV-Beiträge entwickeln werden?

Biederbick: In der Privaten Krankenversicherung wird der Beitrag durch unterschiedliche Faktoren, wie die Kosten im Gesundheitswesen, das Zinsniveau oder die Lebenserwartung beeinflusst. Da niemand weiß, ob und falls ja, inwieweit sich die einzelnen Faktoren künftig auswirken, lässt sich auch nicht abschätzen, wie sich die Beiträge in den einzelnen Tarifen zukünftig verändern werden. Selbst die vergangene Entwicklung lässt keine Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf zu. Was das Jahr 2023 anbelangt, so bleiben die Krankenversicherungsbeiträge bei der Debeka insgesamt stabil.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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