Blutbild & Co.

Ist Prävention mit Standard-Untersuchungen möglich?

Sie gehen zum Arzt, weil Sie sich schlapp fühlen, ständig erkältet sind oder sich einfach nur durchchecken lassen wollen. Mit einem Blutbild dann das Ergebnis: Alles im grünen Bereich. Haben Sie sich also alles nur eingebildet? Oder eignen sich Standard-Untersuchungen nicht vollends, um Krankheiten vorzubeugen? Hier gehen wir dieser Frage auf den Grund.
© Pixabay
Die Frage nach der individuell geeigneten Ernährung entspricht der Klärung, wie ein PKW betankt werden soll.

In der Facebook Gruppe „Fit & Gesund“ kommen regelmäßig Fragen wie:

  • „Wie finde ich heraus, welche Ernährung für mich individuell die richtige ist?“
  • „Was muss ich beim Arzt checken lassen, um zu wissen, ob bei mir alles in Ordnung ist?“

Unabhängig davon, ob nun ein kleines oder großes Blutbild erstellt wird – in vielen Fällen ist beides nicht geeignet, um solche Fragen zu beantworten. Standardmäßig wird im Serum gemessen. Bestimmte Stoffe wie Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Kupfer, Eisen, Zink und Selen kommen im menschlichen Körper jedoch primär in den Zellen vor. Um dort messen zu können, ist eine Untersuchung im Vollblut möglich.

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In einem früheren Beitrag haben wir bereits die Unterscheide zwischen einer Serum- und einer Vollblutuntersuchung näher beleuchtet und dargestellt, wie die Referenzwerte zustande kommen. Heute wollen wir uns mit den Themen Ernährung und Prävention auseinandersetzen und dies anhand des Deutschen liebstes Kind, das Auto, verdeutlichen.

Welche Ernährung ist für mich individuell die richtige?

Gerade jetzt zum Jahresbeginn gibt es wieder tausende Vorschläge für Diäten. Alle diese Empfehlungen haben jedoch gemein, dass sie allgemein gehalten sind und individuelle Aspekte des jeweiligen Menschen nicht berücksichtigen. Für den einen kann Gemüse gut und gesund sein. Wer jedoch einen leaky Gut hat, sollte bestimmte Gemüsesorten bis zur Regeneration des Darms besser meiden; glutenhaltiges Getreide erst recht.

Deshalb kann es vor einer Ernährungsumstellung sinnvoll sein, einen Darm-Besiedlungs-Check mit Ermittlung eventueller Verdauungsrückstände und einen Leaky-Gut-Test durchzuführen. Auch wenn Nahrungsergänzungsmittel genommen werden sollen, kann das sinnvoll sein. Nur wenn der Körper in der Lage ist, die Nährstoffe gut aufzunehmen, können optimale Ergebnisse erreicht werden. Es gibt zwar immer mehr Ärzte, die sich mit dieser Thematik auskennen. Leider sind sie jedoch noch immer in der Minderzahl. So kann es durchaus vorkommen, dass der Wunsch des Patienten, einen entsprechenden Darm-Test durchführen zu lassen, als unsinnig abgetan wird. Übersetzen wir das auf unser anfangs erwähntes Autobild.

Die Frage nach der individuell geeigneten Ernährung entspricht der Klärung, ob das Fahrzeug mit Diesel, Benzin, Gas, Wasserstoff oder Strom betankt werden soll. Es nutzt jedoch wenig, den hochwertigsten Treibstoff zu tanken, wenn der Tank ein Loch hat. Die Dichtigkeitsprüfung des Tanks entspricht dem Leaky-Gut-Test. Nun gibt es sowohl hochwertigen Diesel, als auch Super-Plus-Benzin. Jedoch sollte man niemals Diesel in ein Fahrzeug tanken, welches mit Super Plus fährt und umgekehrt.

Welchen Treibstoff das Fahrzeug also benötigt und am besten in Energie umwandeln kann, entspricht dem Darm-Besiedlungs-Check. Es nutzt wenig, wenn Sie die hochwertigsten Nahrungsmittel konsumieren, diese aber entweder gar nicht vertragen (falscher Treibstoff), diese nicht optimal verwertet werden können (Benzinfilter ist verstopft) oder unten wieder rausläuft, was Sie oben einfüllen (der Tank hat ein Loch). Wenn Sie keinen Arzt haben, der sich mit diesem Thema beschäftigt hat, oder schlimmer noch, solche Untersuchungen für unsinnig hält, können Sie beispielsweise hier einen solchen Test direkt bei einem Labor anfordern. Dieser wird Ihnen inklusive Anleitung nach Hause geschickt. Sie senden die Probe zurück zum Labor und erhalten wenige Tage später per Post Ihren detaillierten Befund zurück. Sollten Sie bei der Auswertung und Umsetzung Unterstützung wünschen, wenden Sie sich entweder an einen entsprechend erfahrenen Heilpraktiker oder Ernährungsberater. Bitte beachten Sie, dass es sich bei solchen Tests in der Regel um Eigenleistungen handelt. Bitte klären Sie im Vorfeld ab, ob Ihre private Krankenvoll- oder -zusatzversicherung diese Untersuchung erstattet.

Was muss ich beim Arzt checken lassen um zu wissen, ob bei mir alles in Ordnung ist?

Bei einer Standard-Blutuntersuchung im Serum kann es sein, dass Ihnen normale Werte mitgeteilt werden, obwohl Ihre Zellen vielleicht schon lange am „Verhungern“ sind. Hintergrund ist, dass diese zugunsten des Systems Blut ihre Nährstoffe hergeben, um dort die Werte möglichst lange im optimalen Bereich halten zu können. Die nächste Frage ist natürlich, was definieren Sie als normale Werte? Geht es nur darum, so gut wie der durchschnittliche Deutsche mit Nährstoffen versorgt zu sein? Geht es darum, die teilweise beliebig festgelegten Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu erfüllen? Oder möchten Sie Ihren persönlichen Anforderungen und Belastungen entsprechend möglichst optimal versorgt sein?

Wer raucht, regelmäßig Medikamente wie beispielsweise Verhütungsmittel oder Blutfettsenker nimmt, intensiv Sport betreibt, oder beruflich großen körperlichen oder psychischen Belastungen ausgesetzt ist, hat einen ganz anderen Bedarf, als eine Person, die eine sitzende Tätigkeit hat und zweimal die Woche zum Walken geht. Hinzu kommt, dass selbst im großen Blutbild nicht alle Mineralien getestet werden. Von einem Vitamin- und Aminosäuren-Status, oder von Stresswerten und dem Omega-3-Index noch gar nicht gesprochen. Übersetzt auf das Autobeispiel.

Wenn Sie einen Sportwagen fahren, hilft es wenig, wenn Sie sich am Durchschnittsverbrauch eines Kleinwagens orientieren. Ihr Spritverbrauch wird sicherlich deutlich höher sein. Haben Sie weiterhin geklärt, dass Ihr Fahrzeug beispielsweise mit Super Plus betankt werden muss, ist das schon einmal sehr gut. Nur haben Sie auch geprüft, ob das richtige Motorenöl in der richtigen Menge vorhanden ist? Wie schaut es mit der Kühl- und Bremsflüssigkeit aus? Übersetzt auf Ihren Körper erhalten Sie solche Informationen durch ein orthomolekulares Blutbild. Wenden Sie sich hierzu an einen Arzt mit entsprechender Ausbildung oder einen damit erfahrenen Heilpraktiker.

Leider handelt es sich dabei ebenfalls um Eigenleistungen. Einige private Krankenversicherungstarife erstatten diese jedoch zumindest teilweise. Durch die Standard-Untersuchungen, die von den gesetzlichen Kassen gezahlt werden, erhalten Sie, übersetzt auf unser Autobild, folgende Informationen:

  • Ihr Fahrzeug braucht Treibstoff.

Gut. Welchen genau in welcher Menge?

  • In der Benzinleitung ist genug Treibstoff enthalten.

Alles klar. Und was ist mit dem Tank? Ist der voll und sind er und Ölwanne auch dicht? Drohen meine Benzinleitungen zu verstopfen? Sind Öl-, Benzin- und Luftfilter noch gut? Was ist mit dem Kat? Muss der mal wieder ein Reinigungsprogramm durchlaufen? Sind die Bremsen bereits verschlissen und ist noch genug Profil auf den Reifen?

Bringen wir unsere Autos in die Inspektion, sind das alles selbstverständliche Fragen, die automatisch geklärt werden. Gehen wir zu einer Vorsorgeuntersuchung, sollte eigentlich das gleiche gelten, oder? Leider sieht das unser Gesundheitssystem nicht vor! Wollen Sie so umfassend untersucht werden, wie Ihr Auto bei einer großen Inspektion, müssen Sie das nicht nur selbst bezahlen. Sie müssen auch in die richtige Werkstatt gehen, in der Mechaniker arbeiten, die sich mit solchen Untersuchungen auskennen.

Autor

Joachim Haid ist Gründer des Gesundheitsprogramms PaleoMental®, zudem Gesundheitscoach und Heilpraktiker in Ausbildung.

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