Pfefferminzia: Wir sprechen über Zukunftsthemen und Trends im Bereich internationale Absicherung. Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell?
Philipp Belau: Insbesondere seit der Corona-Pandemie sehen wir einen enormen Trend rund um Remote Work und mobiles Arbeiten. Anfangs ging es häufig darum, eine Woche Urlaub mit ein paar Arbeitstagen zu verbinden. Inzwischen sprechen wir aber immer mehr über echtes Homeoffice im Ausland. Und genau das bringt arbeitsrechtlich, versicherungstechnisch und organisatorisch völlig neue Herausforderungen mit sich. Gleichzeitig verändert dieser Trend klassische Entsendungen und sogar Recruiting-Prozesse. Früher musste jemand vielleicht aus Portugal nach Deutschland ziehen, um hier zu arbeiten. Heute ermöglichen mobile Arbeitsmodelle ganz neue Konstellationen – und damit entstehen auch völlig neue Anforderungen an die Absicherung.
Welche Herausforderungen ergeben sich daraus konkret?
Belau: Remote Work im Ausland ist beispielsweise aus Arbeitgebersicht ein Thema mit klaren Pflichten. Wenn Mitarbeitende im Ausland arbeiten und dort etwas passiert, stellen sich sofort Fragen nach Haftung und Versicherungsschutz. Hinzu kommen Visa-Themen, steuerliche Aspekte und die Frage, wie lange sich jemand überhaupt in einem Land aufhalten darf. Sobald daraus ein dauerhaftes Homeoffice-Modell wird, entstehen oft zusätzliche Anforderungen – teilweise bis hin zur Frage, ob ein Unternehmen dadurch sogar eine Niederlassung im Ausland begründet. Für Makler ist das gleichzeitig Herausforderung und Chance. Sie können Kunden auf Risiken aufmerksam machen und sich durch Beratung als vertrauenswürdiger Partner positionieren.
Wie verändert das den Versicherungsschutz?
Belau: Früher war vieles einfacher. Jemand flog für drei Tage geschäftlich nach China, dafür brauchte es eine klassische Business-Travel-Absicherung. Heute verschwimmen die Grenzen zwischen Dienstreise, mobilem Arbeiten und dauerhaftem Aufenthalt im Ausland. Dadurch entstehen sehr individuelle Situationen. Es geht plötzlich darum, wo jemand arbeitet, wie lange der Aufenthalt dauert und welche Deckung überhaupt noch greift. Viele Unternehmen wünschen sich deshalb klare Richtlinien und Regeln, um nicht jeden Einzelfall separat bewerten zu müssen. Genau dort steigt auch der Beratungsbedarf enorm.
Werden bestimmte Versicherungsarten dadurch wichtiger?
Belau: Ja, definitiv. Besonders kurzfristige Absicherungen rund um Geschäftsreisen und Remote Work gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig gehen klassische mehrjährige Entsendungen eher zurück. Viele Unternehmen arbeiten heute flexibler. Daraus entstehen neue Modelle, bei denen Menschen zunächst entsendet werden und später dauerhaft im Ausland bleiben. Das verändert natürlich auch die Anforderungen an Versicherungslösungen grundlegend.
Welche Rolle spielt Digitalisierung in diesem Markt?
Belau: Eine enorme. Die Zielgruppe der Expats, digitalen Nomaden oder Auswanderer war digitalen Lösungen schon immer deutlich näher als viele klassische Kundengruppen. Wir sprechen bei digitalen Services über Nutzungsquoten von deutlich über 60 Prozent. Das liegt auch daran, dass klassische Prozesse im Ausland oft gar nicht funktionieren. Wer auf einer Insel im Pazifik sitzt, wird kaum Dokumente faxen oder per Post verschicken. Ein Smartphone und eine App sind dort schlicht praktischer. Deshalb ist Digitalisierung in diesem Markt kein Zusatz, sondern eine Voraussetzung.
Was bedeutet das für Makler?
Belau: Natürlich müssen Makler digital kommunizieren können. Aber noch wichtiger ist, dass die Gesellschaften und Anbieter, mit denen sie zusammenarbeiten, digitale Services bereitstellen. Selbst wenn ein Makler noch nicht vollständig digitalisiert ist, muss der Kunde im Ausland trotzdem unkompliziert auf Services zugreifen können. Gleichzeitig sehen wir aber auch innerhalb der Maklerschaft einen starken Wandel. Die Affinität zu digitalen Lösungen wächst deutlich.
Welche Chancen sehen Sie generell für Makler in diesem Markt?
Belau: Der Auslandsmarkt bietet die Möglichkeit, Kunden ganzheitlich zu betreuen. Es geht eben nicht nur um eine einzelne Police, sondern oft um eine komplette Neuabsicherung – von der Krankenversicherung über Rechtsschutz bis hin zu vielen weiteren Themen. Gerade bei Unternehmen kann daraus ein ganzes Portfolio entstehen, wenn mehrere Mitarbeitende ins Ausland gehen. Gleichzeitig haben diese Kunden einen besonders hohen Beratungsbedarf. Wer hier gut unterstützt, kann Kunden langfristig binden und natürlich auch wirtschaftlich davon profitieren.
Wie sollten sich Makler strategisch aufstellen?
Belau: Das Thema Ausland erfordert hohe Expertise. Kunden erwarten zu Recht, dass ihr Makler sich in diesem Bereich wirklich auskennt. Deshalb ist Weiterbildung enorm wichtig. Gleichzeitig braucht es die richtigen Partner. Kein Makler kann sämtliche internationalen Besonderheiten allein überblicken. Entscheidend ist deshalb, mit spezialisierten Anbietern zusammenzuarbeiten, die in diesem Markt tatsächlich Erfahrung haben und die lokalen Anforderungen kennen. Genau dieses Vertrauen in die richtigen Partner ist am Ende ein zentraler Erfolgsfaktor.
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Dieses Interview ist Teil 4 unserer „Lass mal reden“-Reihe mit der BDAE Gruppe. Teil 3 können Sie hier anschauen.