Das Interview mit Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky zur 200. Jubiläumsfolge des Pfefferminzia-Podcasts „Die Woche“ startete mit einer echten Überraschung. Der Leiter des größten europäischen Zukunftsforschungsinstituts 2b Ahead Think Tank, beantwortet die Frage, ob er sich gerne mit Science-Fiction beschäftigt, mit einem klaren Nein. What?!
„Das ist ein großes Missverständnis, dass wir uns als Zukunftsforscher gerne damit beschäftigen. Wir sind ja sozusagen das Gegenteil von Science Fiction“.
Die Gründe dafür: „Wir denken uns keine Zukunft aus, wir sind nicht besonders kreativ oder utopistisch. Wir analysieren die Triebkräfte, die es heute in dieser Welt gibt und wohin sie führen und daraus entwickeln wir die wahrscheinlichsten Zukunftsbilder.“
„Immer wenn ich einen Science-Fiction-Film schaue, denke ich mir, so ein Quatsch, das ist doch nicht logisch! Deshalb habe ich keinen Spaß an Science Fiction.“
Zukunftsforscher: Zustand der Welt ist viel besser als gemeinhin angenommen
Ein beliebtes Untergenre bei Science Fiction ist die Dystopie, welche die Lage nach einem katastrophalen Ereignis (Atomkrieg, Killer-Virus & Co.) beschreibt. Aber dem Eindruck, dass die Welt mit alle ihren Konflikten kurz vor der Apokalypse steht, widerspricht der Zukunftsforscher entschieden:
„Dafür gibt es keinerlei Hinweise in der Wissenschaft“ und weiter: „Das ist ja das Verrückte an der heutigen Zeit. In den Medien und der öffentlichen Meinung wird oft so geredet, als stünden wir kurz vor dem Untergang der Welt“.
Das Gegenteil ist aus Jánszkys Sicht der Fall: „Die Welt ist in einem deutlich besseren Zustand als in den 1980er der 1970er Jahren. Sie ist heutzutage in einem ihrer besten Zustände. Kurz gesagt: Immer, wenn wir über Zukunft reden, dann verklären wir häufig die Vergangenheit.“
„Die wichtigste Frage für die Menschheit ist aktuell, wie wir Energie produzieren können auf diesem Planeten.“ Der Grund: Die Menge, die die natürlichen Ressourcen der Erde an Energie und Essen bereithielten, reichten nur für ungefähr 3,5 Milliarden Menschen.
Das Problem dabei: Aktuell leben schon 8,0 Milliarden Menschen auf der Erde und es „werden es wohl irgendwann 11,0 Milliarden werden“, glaubt der Zukunftsforscher.
„Das größte Problem der Welt, von dem sich alle anderen Probleme ableiten, ist die Überbevölkerung. Daher müssen wir zwei Drittel der Ressourcen, die wir benötigen, künstlich herstellen. Die können wir nicht aus natürlichen Ressourcen nehmen. Das gilt für Essen, für Trinkwasser und insbesondere – und das ist das wichtigste – für die Energie“.
Seine Argumentation: Wenn wir genügend Energie zur Verfügung haben, können wir Meerwasser entsalzen und Trinkwasser daraus machen und Nahrungsmittel künstlich herstellen.
„Deshalb ist der wichtigste Trend und die wichtigste Triebkraft, die es im Augenblick auf dieser Welt gibt, eine Technologie, die Kernfusion heißt“.
Was der Zukunftsforscher mit Kernfusion genau meint und wie KI den Alltag in 15 Jahren verändern wird, lesen Sie auf der zweiten Seite.
Kernfusion hat nichts mit Atomkraftwerken zu tun
Und um schonmal etwas Wichtiges vorweg zu nehmen: „Kernfusion hat nichts mit Atomkraftwerken zu tun“, sagt Jánszky – auch wenn der Name das zunächst vermuten lasse.
Laut dem Zukunftsforscher gibt es mehrere Arten von Kernfusion:
- Eine Art der Kernfusion versucht das Prinzip der Sonne nachzubauen: Durch eine Hitze über 100 Millionen Grad verschmelzen Atome miteinander und es entsteht Energie. Diese Art bewegt sich nicht besonders schnell voran.
- Was sich viel schneller entwickele, sei die zweite Art der Kernfusion: Starke Laserstrahlen schießen dabei Bohrium- und Wasserstoff-Atome aufeinander. Durch diese Kraft verschmelzen sie und es entsteht Energie. Das sei die Technologie, in die heute alle bekannten Investoren der Welt ihr Geld hineinsteckten, so Jánszky.
„Wenn die technologische Entwicklung so weitergeht wie im Augenblick, dann hat die Welt im Jahr 2040 zum ersten Mal mehr Energie zur Verfügung als die Welt verbrauchen kann“, argumentiert der Zukunftsforscher.
Auf diesem Weg könnte die Menschheit ihre Klima- und Ressourcen-Probleme und viele andere Probleme der Welt lösen.
Die zweite wichtige Triebkraft, die der Zukunftsforscher aktuell sieht, ist die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI). Und damit meint Jánszky nicht die heutige Anwendung von KI. Der Zukunftsforscher spricht eher von einer KI in 15 Jahren, also einer neuen Spezies, die intelligenter sein werde als die Menschen.
„Da muss man natürlich drüber nachdenken, ob man das will und welche Auswirkungen das hat, aber man wird es nicht verhindern können“.
KI-Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten
Theoretisch wäre es natürlich denkbar, diese Entwicklung einzudämmen. Die Voraussetzung dafür wäre aber, dass sich alle Forscher einig seien und ihre bisherigen Ergebnisse löschten. Nicht sehr wahrscheinlich.
Aber mal im Ernst: „Das ist sehr unrealistisch. Selbst wenn die Uno sich auf ein KI-Verbot einigen würde, gäbe es dennoch auf diesem Planeten Menschen, die weiter daran forschen.“
Deshalb ist es aus Sicht von Jánszky viel klüger, sich darauf vorzubereiten und einen positiven Weg zu finden, sich an eine sich verändernde Umgebung anzupassen.
Und der Zukunftsforscher zeigt sich optimistisch, dass das der Menschheit gelingt, „weil wir Menschen Weltmeister darin sind, sich an sich verändernde Umgebungen anzupassen. Das ist die Superkraft der Menschheit“.
Im weiteren Gespräch erklärt Jánszky, wie KI in 15 Jahren unser Leben und Alltag verändern wird, was KI für Versicherungsmakler und die gesamte Versicherungsbranche bedeuten wird und viele weitere spannende Dinge zur Zukunft der Welt aus seiner Expertensicht.
Die gesamte Podcastfolge (mit dem Gespräch ab Minute 17) können Sie sich hier anhören.

