Rollstuhl, Rugby, Reue

„Das war jugendlicher Leichtsinn der schlimmsten Sorte“

Auf der DKM brachten Christoph Werner, Cheftrainer der Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft, und Nationalspieler Florian Bongard gemeinsam mit ihrem Sponsor Geldpilot24 ihren Sport den Anwesenden näher. Mit Pfefferminzia sprachen sie über Sponsoren, harte Rollstühle, Unfälle, die das Leben komplett verändern und Versicherungen, die tatsächlich problemlos zahlen.
Trafen sich auf der DKM in Dortmund zum Gespräch: Christoph Werner (rechts), Cheftrainer der Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft, Nationalspieler Florian Bongard (links) und Pfefferminzia-Redakteur Andreas Harms
© Pfefferminzia
Trafen sich auf der DKM in Dortmund zum Gespräch: Christoph Werner (rechts), Cheftrainer der Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft, Nationalspieler Florian Bongard (links) und Pfefferminzia-Redakteur Andreas Harms

Pfefferminzia: Meine Herren, beginnen wir mit einer Materialfrage: Wie viele Rollstühle verschleißen Sie im Jahr?

Christoph Werner: Auf dem aktuellen Topniveau hält so ein Stuhl etwa zwei Jahre. Vielleicht auch drei, wenn man Glück hat.

Immerhin länger, als ich gedacht hätte.

Werner: Es sind Spezialrollstühle, die besonders stabil sind.

Woraus bestehen sie?

Werner: Aus Aluminium. Aber durch eine spezielle Wärmebehandlung wird es besonders hart. Ohne das wäre so ein Stuhl wahrscheinlich nach einem Jahr Schrott.

Mehr zum Thema

2 Millionen barrierefreie Wohnungen zu wenig

In Deutschland fehlen mindestens 2 Millionen altersgerechte Wohnungen. Das ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft…

BU-Experte kontert WDR-„Versicherer-Bashing“

Manche Versicherer bemühten sich demnach mehr als andere „über die Firmenkultur zu kommen und da…

Wie man die BU-Versicherung zugänglicher machen könnte

Die Canada Life hat derweil vereinfachte Leistungsansprüche in ihren BU-Tarif integriert: Versicherte können künftig…

Klingt hart. Wann wird in Ihrem Sport denn abgepfiffen?

Florian Bongard: Die Stühle können kräftig aufeinanderprallen. Aber schon der reine Körperkontakt gilt als Foul und kann eine Strafminute bringen. Die muss man dann absitzen. Es sei denn, der Gegner erzielt ein Tor, dann darf man auch früher wieder rein.

Was machen Sie als Sportler hier auf einer Versicherungsmesse?

Werner: Wir haben seit einem Jahr einen coolen Sponsoringvertrag mit Geldpilot24 (mehr dazu gibt es hier). Mit ihrer digitalen Plattform bauen sie uns und anderen Vereinen Onlineshops, die tatsächlich erfolgreiches Sponsoring für alle Beteiligten ermöglichen. Wir wollen hier zeigen, was für einen tollen Sport wir betreiben und dass wir aber auch noch mehr Unterstützung brauchen.

Vielleicht findet sich ja der eine oder andere Versicherer, der als Sponsor mit einsteigt.

Werner: Das hoffen wir. Einerseits kann ich berichten, dass der Para-Sport immer professioneller wird. Andererseits müssen wir das alles neben unserer normalen Arbeit machen. Wir werden nicht freigestellt, wie das bei den anderen olympischen Sportlern bei Zoll, Polizei oder Bundeswehr der Fall ist, sondern opfern unsere Freizeit.

Wie kann man das ändern?

Werner: Wir bekommen zwar für die Vorbereitung Geld. Aber es fehlt der Wille, uns irgendwo im öffentlichen Dienst unterzubringen. Dort würden wir die nötige Freistellung bekommen, um uns professionell vorzubereiten.

Bongard: Es geht gar nicht so sehr ums Geld. Dass es am Ende ein Minusgeschäft für uns ist, ist allen völlig klar. Es ist nun mal ein Hobby. Aber es wäre schon nicht schlecht, wenn durch ein bisschen Hilfe dieses Minus ein wenig kleiner werden würde.

Seite 2: „Ich hatte eine Berufsunfähigkeitsversicherung, von der ich bis dahin nichts wusste.“

Werner: Dazu muss man ergänzen, dass Trainer zwar Honorare bekommen, die Spieler aber nicht.

Inwiefern verändert Ihre Behinderung das geschäftliche Verhältnis zu Versicherern?

Werner: Sie ist hier und da ein Ausschlusskriterium für Lebensversicherungen, Zusatzkrankenversicherungen, Krankenhaustagegeld und solche Sachen. Hilfe bekommen wir dabei übrigens von unserem Sponsor Geldpilot24. Als unser digitaler und persönlicher Makler sucht er immer nach guten Lösungen speziell im Parabereich.

Erhöht denn die Behinderung zum Beispiel das Sterberisiko?

Bongard: Definitiv nicht. Vor vielleicht 60 Jahren war das noch anders, als die Medizin noch nicht so weit war.

Werner: So weit brauchen wir gar nicht zurückzugehen. Als ich 1989 meinen Autounfall hatte, war die Lebenserwartung noch deutlich geringer als heute.

Warum?

Werner: Weil die Querschnittslähmung auch viele innere Organe betrifft. Früher haben sich dann sehr oft die Nieren entzündet oder waren anderweitig gestört, und die Menschen sind daran gestorben. Das und auch andere Dinge konnte man nicht so gut behandeln wie heute.

Christoph Werner (oben rechts), Cheftrainer der Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft, und Nationalspieler Florian Bongard (links) im Gespräch mit Pfefferminzia-Redakteur Andreas Harms
Christoph Werner (oben rechts), Cheftrainer der Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft, und Nationalspieler Florian Bongard (links) im Gespräch mit Pfefferminzia-Redakteur Andreas Harms

Gab es denn nach dem Unfall Geld von der Versicherung?

Werner: Von der Unfallversicherung nicht. Ich war selbst gefahren und hatte den Unfall selbst verschuldet. Und Alkohol war auch noch mit im Spiel. Das war jugendlicher Leichtsinn der schlimmsten Sorte, und ich hatte damals nur zwei Kilometer Strecke zu fahren. Seitdem gelten für mich im Auto nur noch Nullkommanull Promille, was ich auch jedem anderen nur empfehlen kann. Aber immerhin hatte ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung, von der ich bis dahin nichts wusste. Mein Vater hatte sie abgeschlossen, worüber ich sehr froh war.

Was waren Sie bis dahin von Beruf?

Werner: Baumschulgärtner.

Bongard: Wir haben ziemlich ähnliche Berufe. Ich war Landschaftsbauer, mache das aber natürlich nun auch nicht mehr, sondern arbeite als Finanzbuchhalter in Teilzeit.

Seite 3: „Ich musste nur noch die Dusche und die Küche umbauen.“

Hat denn die Versicherung gezahlt, Herr Werner?

Werner: Ja, absolut. Sie hat bis zur Fälligkeit die Rente gezahlt und dann noch die Versicherungssumme hinterher. Das hatte sich wirklich gelohnt.

Und jetzt sind Sie Trainer von Beruf?

Werner: Nicht ganz. Wie schon gesagt bekomme ich Honorare. Hauptberuflich bin ich aber als Medizinproduktberater selbstständig und verkaufe unter anderem Sport- und Aktivrollstühle. Ich habe damit mein Hobby und meine Querschnittslähmung zum Beruf gemacht.

Was auch die Kenntnisse über Rollstuhlmaterial erklärt. War es auch bei Ihnen ein Unfall, Herr Bongard?

Bongard: Ja, und zwar auch mit dem Auto, im Jahr 2016. Das reißt einen natürlich erst einmal aus dem Leben. Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, was alles trotzdem noch möglich ist. Ich habe mich dann darauf eingelassen und nun geht es gut.

Waren Sie versichert?

Bongard: Ja, es war ein Arbeitsunfall, und der war über die Berufsgenossenschaft versichert. Und zum Glück hatte ich außerdem eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Alle beide haben ohne Probleme gezahlt.

Konnten Sie in der Wohnung bleiben?

Bongard: Nein, die lag nämlich im dritten Stock. Ich hatte dann eine einigermaßen behindertengerechte Wohnung gefunden und musste nur noch die Dusche und die Küche umbauen.

So viel Glück haben andere nicht.

Bongard: Das stimmt. Ich wohne auf dem Dorf, wo vieles noch ebenerdig ist. Das machte es noch recht einfach. Freunde zu besuchen, ist dagegen sehr schwierig geworden. Die wohnen nicht im Erdgeschoss, weshalb sie mich dann die Treppen hochtragen. Aber es sind meine Freunde, und deshalb machen die das.

Herr Werner und Herr Bongard, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia