German Equal Pension Symposium 2026

Branche diskutiert über Altersvorsorgedepot, Beratung und Reformstau

Auf dem German Equal Pension Symposium in Berlin ging es nur zum Teil um das Kernthema Altersvorsorge für Frauen. Die Teilnehmer diskutierten auch über das neue Altersvorsorgedepot, die Zukunft der Beratung und die ausbleibende bAV-Reform.
Redner auf der GEPS-Konferenz bei Pensionsdiskussionen.
© Justin Bockey
Führten durch den Abend: GEPS-Initiatorin Cordula Vis-Paulus und IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer.

Das German Equal Pension Symposium (GEPS) widmet sich im Kern der Altersvorsorge von Frauen. „Alle wissen um ein Riesenproblem, aber keiner weiß, was zu tun ist“, sagt Initiatorin Cordula Vis-Paulus. Gemeint ist, dass das Alterseinkommen von Frauen immer noch dem der Männer hinterherhinkt. Gründe sind unter anderem unterschiedliche Bezahlung, Auszeiten für die Kindererziehung, lange Teilzeit und unzureichende Altersvorsorge. „Eine durchgängige Vollzeitkarriere darf nicht der unausgesprochene Maßstab unserer Rentendebatte bleiben“, sagt Vis-Paulus. „Wer Kinder erzieht, Angehörige unterstützt oder wenig verdient, muss bei Reformen und Vorsorgelösungen von Anfang an mitgedacht werden.“

Zum vierten Mal fand das GEPS nun schon statt, dieses Mal in Berlin in Form eines Gala-Abends. Versicherungsmaklerin und bAV-Expertin Vis-Paulus sprach mit ihrem Co-Host Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), und diversen Gästen über die Rentenlücke von Frauen, aber auch über das Altersvorsorgedepot, die Zukunft der Beratung und zögerliche bAV-Reformen.

Altersvorsorgedepot: Skepsis und Zuversicht

Zu den Gästen gehörten Annegret Heinze, Direktionsbeauftragte Fachleitung betriebliche Altersvorsorge (bAV) der Württembergische Vertriebspartner GmbH, Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer von Aeiforia, BVK-Präsident Michael H. Heinz, Josef Pilger, Global Pension and Retirement Leader, Katharina Lages-Willner, Inhaberin von Heartbrain Consulting und Anja Schulz von der FDP.

Von links: GEPS-Initiatorin Cordula Vis-Paulus, Annegret Heinze (Württembergische Vertriebspartner), Martin Gattung (Aeforia) und Michael Hauer (IVFP): Foto: Justin Bockey

Martin Gattung kritisierte etwa das Altersvorsorgedepot deutlich. Das geförderte Produkt sei im Vergleich zur Riester-Rente nicht einfacher geworden, nur die Zulagenermittlung sei für Bürger leichter. Zugleich werde der Markt im Januar mit Produkten „überschwemmt“. Das Depot allein reiche aber nicht für ein auskömmliches Rentenniveau von 70 Prozent. Altersvorsorge müsse über alle drei Schichten hinweg beraten werden. Vor vorschnellen Anbieterwechseln warnte Gattung. Das Übertragungskapital sei früher garantiert gewesen, künftig könne es in Produkte ohne Garantie fließen. Alte Verträge mit hohem Garantiezins und steuerfreier Auszahlung solle man eher nicht aufgeben.

Beratung bei Neobrokern? Eher nicht

Michael Hauer sieht Chancen im Altersvorsorgedepot. Die Werbung für das Thema werde viele Menschen erreichen. Der Anteil der Versicherer am Markt werde zwar prozentual sinken, der Kuchen aber größer. Umfragen sähen 15 bis 20 Prozent der Interessenten bei Neobrokern, die übrigen 80 Prozent seien Potenzial für die klassische Branche.

Am schärfsten wurde, nicht sonderlich überraschend, BVK-Präsident Michael Heinz. Die Bundesregierung sei bei Vorsorge und Absicherung auf dem richtigen Weg, sende aber widersprüchliche Signale. Ein Staatsfonds als Standardprodukt ohne Beratungs- und Dokumentationspflicht passe nicht zu Paragraf 61 VVG. Dass bei Neobrokern künftig Hotlines für Rückfragen bereitstehen, bezweifelte er. Vermittler dächten dagegen „in Generationen“ und begleiteten Kunden ein Leben lang. Er verwies auf eine Umfrage, nach der 75 Prozent der Verbraucher Beratung für nötig halten. Möglicherweise werde sich die Vergütung verändern, die rechtliche Ermöglichung von Honorarberatung sei eine denkbare Konsequenz.

BVK-Chef: „Verrat ist das Wort“

BVK-Präsident Michael Heinz (ganz rechts im Bild) hatte ein Hühnchen mit dem Versichererverband GDV zu Rupfen. Foto: Justin Bockey

Besonders hart ging Heinz mit dem Versichererverband GDV ins Gericht. Der Gesamtverband sei früher Bündnispartner der Vermittler gewesen, „die Betonung liegt auf war“, so Heinz. Dass er Standardprodukte ohne Beratung mittrage, sei eine Entsolidarisierung. Heinz: „Verrat ist das Wort.“ Hauer entgegnete, der GDV würde das entsprechende Papier heute vermutlich nicht mehr so schreiben. Er nannte es einen „Unfall“.

Reformstau bei der bAV

Hauer sprach von einem „überaus heißen Herbst“. Dass der Sozialpartnerdialog zur bAV verschoben wurde, sei erklärbar. Dem Bundesarbeitsministerium warf er aber mangelnden Nachdruck vor. Bei 3 Staatssekretären und 1.400 Mitarbeitenden ließe sich ein Entwurf entwickeln, wenn man ihn wollte. Auch Gattung kritisierte, es gehe „einfach nicht vorwärts“. Vis-Paulus nannte Webfehler, die seit Jahrzehnten bekannt seien, etwa weniger Elterngeld durch Entgeltumwandlung. Geändert habe sich daran aber eher nichts.

Einen Award gab es auf dem GEPS 2026 auch: Es wurden Unternehmen ausgezeichnet, die sich in Sachen bAV und Altersvorsorge besonders hervortun. Foto: Justin Bockey

Auch die Beratung brauche einen anderen Ausgangspunkt, findet Vis-Paulus. Sie orientiere sich zu häufig am Erwerbseinkommen. Bei Teilzeit werde damit das reduzierte Gehalt zum Maßstab für Vorsorge und dem persönlichen Budget für die Altersvorsorge. Dabei zögen weniger Erwerbsstunden weniger Rente nach sich, was eine höhere Lücke, also mehr Investition in die eigene Zukunft bedeute. „Wir brauchen einen geschulten, flexibleren Blick auf Erwerbsverläufe, Sorgearbeit und persönliche Ziele“, fordert Vis-Paulus.

Die GEPS-Initiatorin hat einen Rechner aufgesetzt, der bei diesem Perspektivwechsel unterstützen soll: „Lebenslinien – dein Rentenplan“. Aktuell befindet er sich noch in der Testphase. Er verbindet  vergangene und geplante Erwerbsphasen mit einem Vollzeitvergleich. Grafiken machen Rentenunterschiede sichtbar, Modellrechnungen zeigen unter Berücksichtigung der Inflation das benötigte Ruhestandsvermögen und die erforderlichen Sparraten bei unterschiedlichen Renditeannahmen.

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