Betriebliche Vorsorge

Kampf um Fachkräfte: Firmen können mit bAV und bKV punkten

Im Werben um Fachkräfte locken Unternehmen zunehmend mit Extras. Hoch im Kurs stehen betriebliche Lösungen für Altersvorsorge, Krankenversicherung und Arbeitskraftabsicherung. Ein dynamisch wachsender Markt für Vermittler.
Unternehmen können sich im Kampf um Fachkräfte behaupten, wenn sie eine bKV und bAV anbieten.
© picture alliance / Ulrich Baumgarten
Arbeiter werkeln an einer neuen Weiche: Um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden, spielt die betriebliche Vorsorge eine wichtige Rolle.

Vielerorts mangelt es zum Teil dramatisch an Fachkräften. Nach Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (DIW) sind hierzulande derzeit mehr als 2 Millionen Stellen unbesetzt. Mit dem allmählichen Ausscheiden der Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt könnten sogar bald 5 Millionen Beschäftigte fehlen.

Um im Wettbewerb um die besten Köpfe bestehen zu können, rücken Extras wie die betriebliche Altersversorgung (bAV), die betriebliche Krankenversicherung (bKV) und die betriebliche Arbeitskraftabsicherung (bAKS) für die Beschäftigten in den Fokus der Firmen. Auch eine betriebliche Pflegeversicherung könnte hier künftig eine Rolle spielen. Umfragen belegen, dass die Chefs mit solchen betrieblichen Extras auf dem richtigen Weg sind. Schon seit 2020 rangieren bAV und bKV in der Beliebtheit der Mitarbeiter vor etablierten Benefits wie Diensthandy oder Tickets für den Nahverkehr.

Wie die KMU-Studie der Gothaer aus dem Jahr 2024 zeigt, bieten 34 Prozent der befragten Unternehmen eine bAV an. Dabei gilt aber: Je kleiner das Unternehmen, desto seltener wird die Betriebsrente als Instrument zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung eingesetzt. Während fast die Hälfte (48 Prozent) aller Firmen mit 201 bis 500 Beschäftigten eine bAV anbietet, sind es bei den kleinen Unternehmen nur 14 Prozent.

Bei der betrieblichen Gesundheitsförderung und der betrieblichen Krankenversicherung sind die größeren Mittelständler ebenfalls umtriebiger als die kleinen. Insgesamt bieten 18 Prozent der Unternehmen gesundheitsfördernde Maßnahmen an, auf die betriebliche Krankenversicherung setzen 14 Prozent. Eine betriebliche Unfallversicherung haben immerhin 12 Prozent der Unternehmen für ihre Belegschaft im Angebot. Etwa ebenso viele eine Absicherung der Arbeitskraft, zum Beispiel durch eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung (11 Prozent).

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Die Zahlen sind also noch ausbaubar. Woran liegt das? Laut KMU-Studie gibt fast die Hälfte der Unternehmen, die noch keine Versicherungen als Benefits in ihrem Angebot für die Beschäftigten haben, an, zu wenig Wissen und Informationen über diese Instrumente zu haben. Hier kommen die Vermittler ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es, zu informieren und wirksame Lösungen für ihre Geschäftskunden zu erarbeiten, die die Personalgewinnung stärken. Weil es sich hier um einen großen Wachstumsmarkt handelt, lohnt sich das auch für Vermittler. Viele Betriebe sind noch nicht gut auf die Veränderungen am Arbeitsmarkt vorbereitet und haben folglich Handlungsdruck.

bKV boomt

Beispiel bKV: Sie wächst und wächst und wächst. Zum 31. Dezember 2025 haben 60.600 Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine betriebliche Kranken- oder Pflegeversicherung angeboten, berichtet der PKV-Verband. Das sind 16 Prozent mehr als zum Jahresende 2024. Gezählt werden übrigens nur die Arbeitgeber, die die Beiträge für ihre Mitarbeitenden vollständig tragen. Mit der Zahl der Unternehmen steigt auch die Zahl der Beschäftigten, die von einer solchen Absicherung profitieren, kontinuierlich. Ende 2025 hatten über 2,8 Millionen Personen eine solche betriebliche Absicherung – darunter 450.000 eine betriebliche Pflegeversicherung.

Und dieses Wachstum wird wohl weitergehen. Denn: Der Mehrwert einer bKV ist für die Beschäftigten bei jedem Arztbesuch und mit jeder in Anspruch genommenen Versicherungsleistung erlebbar. Das fängt mit der erleichterten Terminvergabe beim Facharzt an und endet mit der Kostenübernahme für medizinische Behandlungen. Für ältere Beschäftigte und Mitarbeitende mit Vorerkrankungen ist die bKV ganz besonders wertvoll. Sie erhalten durch sie oft erst die Möglichkeit eines privaten Krankenversicherungsschutzes. Für die Aufnahme ist bei reiner Arbeitgeberfinanzierung nämlich keine Gesundheitsprüfung erforderlich. bKV-Gruppentarife sind in der Regel erheblich günstiger als eine Einzelversicherung

Arbeitgeber sparen Geld

Aber nicht nur um Fachkräfte zu halten, lohnt sich die bKV für Unternehmen. Sie können auch Kosten sparen. Die Hallesche hat das anhand eigener Erfahrungswerte mal ausgerechnet. Dabei ging sie von einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern und einem Durchschnittsbruttoeinkommen von 33.340 Euro aus. Bei einem bKV-Budgettarif mit einem Monatsbeitrag von 28 Euro pro Mitarbeiter entstünde diesem Unternehmen eine monatliche Belastung von 2.827 Euro, was 33.924 Euro im Jahr entspricht.

Bei 14,7 Krankheitstagen je Mitarbeitenden entstehen dem Beispielunternehmen allein an Lohnfortzahlungskosten mehr als 320.000 Euro im Jahr. Hinzu kommen die täglichen Ausfallkosten, sodass unterm Strich Ausgaben von rund 550.000 Euro stehen. Gelingt es nun, die Krankheitstage durch die positiven Effekte einer bKV um einen halben Tag im Schnitt zu senken, ergäbe sich allein daraus eine jährliche Ersparnis von 18.750 Euro.

Ähnlich sieht es bei den Effekten durch eine Verringerung der Präsentismuskosten aus. Schon durch eine 6-prozentige Senkung ergibt sich laut der Berechnung der Hallesche eine Jahresersparnis von 12.000 Euro. Die angenommenen Beitragszahlungen von 33.924 Euro hätten sich allein durch diese beiden Posten annähernd amortisiert. Übrigens haben einige Versicherer Apps entwickelt, die bei der Kosten-Nutzen-Rechnung helfen – eine wertvolle Argumentationshilfe für Vermittler im nächsten Verkaufsgespräch.

bAV-Verbreitung schwächelt noch

Ein weiterer Baustein für erfolgreiches Personal-Recruiting ist die betriebliche Arbeitskraftabsicherung. Auch sie dürfte an Bedeutung gewinnen, weil es für Arbeitnehmer wichtig ist, für den Fall der Berufsunfähigkeit abgesichert zu sein. Schließlich droht mit dem Wegfall des Gehalts der soziale Abstieg. Gerade für jüngere Leute ist das eine reale Gefahr. Im europäischen Ausland gehört die bAKS meist schon zum Standard. In Deutschland ist sie dagegen (noch) wenig verbreitet.

Er liegt derzeit bei rund 54 Prozent. Das Thema Altersvorsorge ist gerade hochaktuell. Das liegt auch daran, dass die Bundesregierung das Betriebsrentenstärkungsgesetz reformiert hat. Die betriebliche Altersversorgung kann helfen, den Beschäftigten eines Unternehmens die Angst vor Altersarmut zu nehmen. Denn sie bauen sich über den Arbeitgeber und mit staatlicher Unterstützung eine wichtige Zusatzabsicherung zur gesetzlichen Rente auf.

Je höher der Arbeitgeberzuschuss, desto besser

Die bAV hat für Arbeitnehmer aber noch einen anderen Vorteil: Unternehmen müssen die Beiträge mit mindestens 15 Prozent bezuschussen. Viele Arbeitgeber bieten zudem freiwillig höhere Zuschüsse an oder übernehmen die Beiträge sogar komplett. Denn auch dadurch bauen sie sich einen Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte auf. Je höher der Arbeitgeberzuschuss, desto höher ist auch der Anreiz für Geringverdiener und Teilzeitkräfte (meist sind das Frauen), die bAV zu nutzen.

Für Vermittler eröffnen sich hier viele Ansatzpunkte, um mit Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen. Um das Potenzial anzapfen zu können, müssen sich Vertriebler jedoch breites Wissen über betriebliche Vorsorgeprodukte erarbeiten und auch viele Detailkenntnisse mitbringen, beispielsweise im Steuer- oder Sozialversicherungsrecht.

Hilfe kommt dabei auch von den Versicherern. Sie liefern passende Beratungs- und Verwaltungssoftware, haben Expertenteams, die unterstützen oder bieten etwa Schulungen an. So können auch kleine Vermittlerbüros ihre Marktnische suchen und KMUs in ihrem regionalen Umfeld in den Blick nehmen.

Fazit

Durch den Fachkräftemangel sind betriebliche Benefits zum wichtigen Türöffner in die Unternehmen geworden. Diese Chance sollten Sie sich nicht entgehen lassen und das immense Vertriebspotenzial für sich nutzen.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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