Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage zeigt, wie viel Geld Krankenkassen in den vergangenen Jahren mit Immobilienfonds oder ähnlichen Vehikeln verloren haben. Gestellt hatte sie die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Die Bundesregierung bezieht sich in ihrer Auskunft auch auf Recherchen von „NDR“, „WDR“ und „Süddeutscher Zeitung (SZ)“. Laut diesen Medien haben Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen mehr als eine halbe Milliarde Euro in diese Immobilienfonds investiert und größtenteils verloren.
Ausdrücklich genannt wird der Verius-Immobilienfonds, in dem Anleger 96,3 Prozent ihres Geldes verloren. Angeblich hat die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg zwischen 2019 und 2022 dort 50 Millionen Euro dort hineingesteckt.
Doch worum ging es in der Kleinen Anfrage konkret? Die Fraktion wollte wissen, was die Regierung darüber weiß. Hier einige Punkte aus der Antwort:
Insgesamt steckten elf bundesunmittelbare Krankenkassen in der Nullzins- beziehungsweise Negativzinsphase Geld unter anderem in die Inhaberschuldverschreibungen Verius II und Verius III. Zwölf nutzten immobilienbesicherte Schuldscheindarlehen, bei denen nach der Zinswende 2022 Probleme auftraten. Der komplette Nominalwert der problematischen Geldanlagen bundesunmittelbarer Krankenkassen liege bei etwa 1,1 Milliarden Euro, davon etwa 0,9 Milliarden Euro in immobilienbesicherte Schuldscheindarlehen und 0,2 Milliarden Euro in Inhaberschuldverschreibungen.
Ob noch weitere Sozialversicherungsträger solche Anlagen kauften, ist der Regierung nicht bekannt.
Die Krankenkassen hingegen haben zu Ende 2025 insgesamt rund 400 Millionen Euro als Verluste abgeschrieben. Die restlichen Anlagewerte liegen bei knapp über 700 Millionen Euro. Allerdings erwartet man, dass bei den Inhaberschuldverschreibungen Verius II und Verius III weitere Verluste folgen.
In Bezug auf die immobilienbesicherten Schuldscheindarlehen ist das noch nicht klar. Je nach Erfolgsaussichten der einzelnen Bauprojekte können die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen. Einige Krankenkassen haben jedoch schon angekündigt, im laufenden Jahr weitere Verluste abzuschreiben.
Allerdings könne man noch keinen Gesamtverlust ermitteln, so Berlin weiter. Einige Krankenkassen klagen bereits gegen Vermögensverwalter. Manche wollen gepfändete Immobilien verkaufen, um den Schaden zu mindern. Das kann noch dauern.
Los ging das alles vor neun Jahren. Damals stellte der auch für Geldanlagen der Kassen verantwortliche Prüfdienst Kranken- und Pflegeversicherung (PDK) erstmals fest, dass eine von ihnen ein immobilienbesicherten Schuldscheindarlehen gekauft hatte. Probleme waren aber noch nicht erkennbar. Was auch nicht wundert, weil die Zinswende erst fünf Jahre später kam.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.