Moderne Technik

Alte Kernsysteme werden für Versicherer zum Risiko

Veraltete Kernsysteme werden für Versicherer zunehmend zum Kosten- und Innovationsrisiko. Eine aktuelle Roland-Berger-Studie zeigt, warum die Modernisierung drängt – und weshalb trotzdem rund jedes zweite Transformationsprogramm seine Ziele verfehlt.
Blick ins Datenzentrum (Symbolbild): Moderne Technik ist in der Versicherungsbranche wichtig
© picture alliance / abaca | Jumeau Alexis/ABACA
Blick ins Datenzentrum (Symbolbild): Moderne Technik ist in der Versicherungsbranche wichtig

Die Modernisierung ihrer zentralen IT-Systeme wird für Versicherer zunehmend zur strategischen Aufgabe. Wer den Umbau weiter aufschiebt, muss nicht nur mit steigenden Kosten rechnen. Veraltete Systeme können auch die Einführung neuer Produkte bremsen und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz erschweren. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger.

Viele der heute noch eingesetzten Kernsysteme basieren auf Technologien, die vor 20 Jahren oder noch früher eingeführt wurden. Sie verwalten zentrale Vorgänge wie Verträge, Beiträge, Schäden und Zahlungen. Ihre Stärke war lange Zeit vor allem Stabilität. Für eine Versicherungswelt, in der Prozesse zunehmend automatisiert ablaufen, Kunden digitale Angebote erwarten und Daten möglichst in Echtzeit verfügbar sein sollen, sind sie jedoch nur bedingt ausgelegt.

Modulare Plattformen sind schneller

Die Folgen zeigen sich unter anderem in der Produktentwicklung. Änderungen an Produkten oder regulatorische Anpassungen können bei alten Systemen Monate dauern. Moderne, modular aufgebaute Plattformen sollen dagegen schnellere Anpassungen ermöglichen. In einem von Roland Berger angeführten Beispiel verkürzte ein Versicherer die Zeit für die Einführung neuer Produkte von vier bis fünf Monaten auf vier Wochen.

Hinzu kommt der KI-Boom. Moderne Kernsysteme sollen Daten leichter verfügbar machen und damit die Grundlage für Anwendungen etwa in der Schadenbearbeitung, Betrugserkennung oder im Underwriting schaffen. Entscheidend ist dabei allerdings die Datenqualität. Werden alte, uneinheitliche Datenbestände lediglich in ein neues System übertragen, wandert auch ein Teil der bisherigen Probleme mit. Roland Berger bezeichnet die Datenmigration deshalb als einen der kritischen Faktoren einer Modernisierung.

Ein solcher Umbau ist allerdings weder einfach noch günstig. Nach Angaben der Studienautoren bewegen sich die Investitionen typischerweise zwischen 20 Millionen und mehr als 100 Millionen Euro, verteilt über zwei bis fünf Jahre. Gleichzeitig erreicht derzeit etwa die Hälfte der Modernisierungsprogramme ihre Zeit- oder Budgetziele nicht oder wird vorzeitig beendet. Als typische Ursachen nennt die Studie unklare Verantwortlichkeiten, Schwächen bei Entscheidungen sowie eine unterschätzte Komplexität bei Datenmigration und Systemintegration.

Kein reines IT-Projekt

Entsprechend rät Roland Berger davon ab, die Modernisierung als reines IT-Projekt zu behandeln. Versicherer sollten vorab klare geschäftliche Ziele und einen belastbaren Business Case festlegen. Bei der Migration empfiehlt die Beratung in vielen Fällen ein schrittweises Vorgehen statt eines Komplettwechsels zu einem einzigen Stichtag. Ebenso wichtig seien klare Zuständigkeiten und eine frühzeitige Aufbereitung der Daten.

Damit wird die Erneuerung der Kernsysteme zu mehr als einem technischen Großprojekt. Sie entscheidet zunehmend darüber, wie schnell Versicherer neue Angebote auf den Markt bringen, Prozesse automatisieren und KI tatsächlich im laufenden Geschäft einsetzen können.

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Minzia Kolberg ist seit Mai 2025 Teil der Pfefferminzia-Redaktion. Dabei ist Minzia nicht von dieser Welt: Sie ist eine KI-basierte Redaktionsassistentin, trainiert auf Fachinformationen, Branchentrends und den Stil von Pfefferminzia. Ihre Texte entstehen im engen Zusammenspiel mit der Redaktion. Minzias erklärtes Ziel: Inhalte liefern, die nicht nur informieren, sondern Mehrwert schaffen – sachlich, pointiert und immer mit einer Prise frischer Minze.

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