Es ist Montagmorgen, 7:43 Uhr. Der Inhaber eines mittelständischen Logistikunternehmens startet seinen Rechner – und starrt auf eine rote Maske: „Ihre Daten sind verschlüsselt. Zahlen Sie innerhalb von 48 Stunden.“ Binnen Minuten steht der Betrieb still. Die Disponenten können keine Aufträge mehr vergeben. Die Fahrer haben keine Touren. Der Online-Auftritt ist tot. Und jede Stunde kostet echtes Geld.
Szenarien wie dieses spielen sich täglich in Deutschland ab. Laut der Studie „Wirtschaftsschutz 2025“ des Digitalverbands Bitkom entstand der deutschen Wirtschaft allein im vergangenen Jahr ein Schaden von mehr als 289 Milliarden Euro durch Diebstahl, Spionage und Sabotage. 70 Prozent davon gehen auf Cyberangriffe zurück.
Gleichzeitig unterschätzen gerade Mittelständler die eigenen Risiken systematisch, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Versichererverbands GDV aus September 2025. Demnach halten 77 Prozent der Befragten ihr Unternehmen für ausreichend gegen Cyberangriffe gewappnet. Tatsächlich erfüllen aber mehr als zwei Drittel noch nicht einmal alle Basiskriterien für IT-Sicherheit wie starke Passwörter oder regelmäßige Updates.
Für Makler steckt darin eine Aufgabe: Sie müssen erklären, dass ein Cyberangriff kein reines IT-Problem ist. Er ist ein Umsatzproblem. Er ist ein Liquiditätsproblem. Und für viele Betriebe: ein Existenzproblem.
Viele Gewerbekunden denken bei Cyberschäden an Datenverlust oder Haftungsklagen. Aber das ist zu kurz gedacht, weiß Philipp Siglow, Underwriter Cyber Gewerbe bei Markel: „Ein erfolgreicher Cyberangriff legt oft nicht nur Systeme lahm, sondern den gesamten Betrieb. Produktionslinien stehen still, Online-Shops sind nicht erreichbar, Dienstleistungen können nicht erbracht werden.“
In solchen Situationen entstünden die größten Schäden nicht durch die Wiederherstellung der IT, sondern durch entgangene Einnahmen, so der Experte. „Ohne eine passende Absicherung können bereits wenige Tage Betriebsunterbrechung für Unternehmen existenzbedrohende wirtschaftliche Folgen haben“, sagt Siglow.
Besonders tückisch ist die Nachlaufphase: Systeme laufen vielleicht wieder, aber nur eingeschränkt. Mitarbeitende müssen improvisieren, Prozesse manuell bearbeiten, Kundenanfragen stauen sich. Diese Phase, sagt Klemens Lemke, werde oft unterschätzt: „Die eigentliche Belastung entsteht nicht nur durch den Angriff selbst, sondern durch Dauer, Reibungsverluste und den Aufwand, wieder in stabile Abläufe zu kommen“, so der Underwriting Manager Cyber bei Hiscox Deutschland. „Wenn der Betriebsunterbrechungsschutz dann zu eng gefasst oder zu niedrig bemessen ist, fehlt genau in dieser Phase die wirtschaftliche Entlastung.“
Denn das ist immerhin das Gute: Unternehmen können sich gegen die finanziellen Folgen solcher Betriebsunterbrechungen versichern. Innerhalb ihrer Cyberversicherung, die sie idealerweise auch haben. Warum diese Kombination so sinnvoll ist, erklärt Lemke: „Im Cyber-Schadenfall steht an erster Stelle, den Vorfall schnell zu beherrschen und den Kunden wieder handlungsfähig zu machen. Die Incident Response, also schnelle Krisenhilfe, IT-Forensik, klare Entscheidungen und strukturierte Wiederherstellung ist deshalb die zentrale Priorität.“ Diese Krisenhilfe ist der Kern der Cyberversicherung. „Der Betriebsunterbrechungsschutz ergänzt diese operative Hilfe, indem er die wirtschaftlichen Folgen der Unterbrechung abfedert“, so Lemke weiter.
Allerdings hapert es mit diesem sinnvollen Zusammenspiel am Markt derzeit leider noch etwas, zeigt das aktuelle Cyber-Rating Gewerbe 2026 von Franke und Bornberg. Die Analysten haben 201 Tarife von 27 Versicherern unter die Lupe genommen – und deutliche Qualitätsunterschiede festgestellt.
Positiv: Erstmals erreichen drei Tarife die Höchstnote hervorragend (FFF+). Der Anbieter: der Provinzial-Konzern. Beim Erst-Rating im Jahr 2018 schaffte das kein einziges Produkt. Aber: 35 Prozent der Tarife kommen über eine befriedigende Note nicht hinaus. Und gerade beim Betriebsunterbrechungsschutz listet die Rating-Agentur Schwächen auf, die im Schadenfall teuer werden: Die Analysten monieren eine fehlende oder zu eng gefasste Deckung von Ertragsausfällen – insbesondere bei Cloud-bedingten Ausfällen.
Das sieht auch Markel-Experte Siglow ähnlich. Er moniert etwa die fehlende Absicherung von Drittabhängigkeiten. „Unternehmen sind heute stark von Cloud- und IT-Dienstleistern abhängig. Fällt ein externer Anbieter aus, steht häufig der gesamte Geschäftsbetrieb. Und das, ohne einen Cyberangriff auf die eigenen IT-Systeme. Leistungsfähige Policen müssen diese Szenarien zwingend mit abdecken.“
Auf einen weiteren Punkt macht der Versicherer Signal Iduna aufmerksam: Nach einem Versicherungsfall entstehen oft zusätzliche Kosten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Versicherung sollte alle Kosten abdecken, die dem Unternehmen normalerweise nicht entstehen – die es aber aufwenden muss, um den Betrieb fortzuführen. „Dazu zählen beispielsweise Kosten für die Nutzung anderer Anlagen, die Anwendung anderer Arbeits- oder Fertigungsverfahren, die Inanspruchnahme von Lohndienstleistungen oder einmalige Umprogrammierungskosten“, so der Versicherer. Das ermögliche es Unternehmen, schneller wieder handlungsfähig zu werden und größere Schäden zu vermeiden.
Ein zu eng gefasster Betriebsunterbrechungsschutz ist ein weiteres Problem mancher Cyberpolicen. Sie knüpfen den Schutz noch immer ausschließlich an klassische Cyberangriffe wie Hackerattacken, Malware, Ransomware. „In der Praxis entstehen Betriebsunterbrechungen jedoch nicht ausschließlich durch gezielte Angriffe von außen“, warnt Siglow. Auch technische Störungen, fehlerhafte Software-Updates, Systemausfälle, Konfigurationsfehler oder behördliche Anordnungen könnten dazu führen, dass zentrale IT-Systeme nicht mehr nutzbar seien und der Geschäftsbetrieb erheblich beeinträchtigt werde. „Wird der Auslöser in der Police zu eng definiert, kann trotz eines erheblichen wirtschaftlichen Schadens eine Deckungslücke entstehen“, so der Markel-Experte weiter.
Ein leistungsstarker Cybertarif mit Schutz bei Betriebsunterbrechung sollte diese Punkte also berücksichtigen. Hiscox geht bei kleineren Unternehmen noch einen Schritt weiter: Für Unternehmen bis 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz hat der Spezialversicherer eine pauschale Tagessatzentschädigung geschaffen. „Gerade kleinere Betriebe brauchen in der ersten Phase nach einem Cybervorfall häufig schnelle Liquidität, Planungssicherheit und eine unkomplizierte Lösung, ohne zunächst einen komplexen Ertragsausfallschaden im Detail nachweisen zu müssen“, sagt Lemke.
Die Analysten von Franke und Bornberg bringen es ganz gut auf den Punkt. „Cyber verlangt Tiefe. Wer das Geschäftsmodell des Kunden nicht versteht, findet nicht die richtige Deckung.“ Fragen Sie also, welche Cloud-Systeme Ihr Kunde nutzt. Fragen Sie, wie lange der Betrieb maximal ausfallen kann, bevor die Liquidität kippt. Das wird Augen öffnen.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.