Assekurata-Marktausblick 2026

Schaden-/Unfallversicherung: Stabilisierung, aber keine Entwarnung

Die Schaden- und Unfallversicherer haben sich 2025 dank kräftiger Beitragserhöhungen und einem milden Naturgefahrenjahr erholt. Aber der Markt bleibt schwierig, stellt die Rating-Agentur Assekurata in ihrem Marktausblick fest. Von nachhaltiger Entspannung könne keine Rede sein.
Dunkle Sturmwolken ziehen über Stadt und See, drohendes Wetter im Hintergrund.
© picture alliance / Wagner | Ulrich Wagner
Unwetterwolke über Tutzing (Landkreis Starnberg): Den Schaden- und Unfallversicherern hat 2025 geholfen, dass es zu weniger Extremwetterereignissen kam.

Nach mehreren Jahren mit hoher Schadeninflation und belastenden Naturgefahrenereignissen hat sich die Lage der deutschen Schaden- und Unfallversicherer 2025 stabilisiert. Die Beitragseinnahmen stiegen branchenweit um 7,7 Prozent auf 99,7 Milliarden Euro. Das zeigt der aktuelle Marktausblick der Kölner Rating-Agentur Assekurata.

Allerdings gibt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-/Unfallversicherung bei Assekurata, keine Entwarnung: „Die gesamte Branche wächst derzeit vor allem nominal“, sagt er. Heißt: durch Beitragserhöhungen. „Höhere Beiträge spiegeln in vielen Bereichen weniger eine Ausweitung des versicherten Bestands wider. Sie sind vielmehr vor allem eine Reaktion auf gestiegene Schaden- und Kostenrisiken“, so Wittkamp weiter.

KFZ-Versicherung erholt sich

Besonders augenfällig war diese Entwicklung in der KFZ-Versicherung: Nach mehreren verlustreichen Jahren erzielte die Sparte 2025 erstmals wieder ein positives versicherungstechnisches Ergebnis. Die Versicherer erhöhten aber auch die Prämien um 13,4 Prozent – der stärkste Zuwachs aller Zweige.

„Die fühlbaren Prämienanpassungen waren angesichts der vorherigen Verluste und der hohen Schadeninflation notwendig“, erklärt Wittkamp. „Die Branche hat damit einen Teil der Kostensteigerungen nachgeholt, die sich in den Vorjahren insbesondere bei Ersatzteilen, Werkstattlöhnen und Fahrzeugtechnik aufgebaut hatten.“ Geholfen hat den Autoversicherern auch, dass größere Naturkatastrophen ausblieben (wir berichteten).

Wittkamp: „Der Turnaround in der Kraftfahrtversicherung ist ein wichtiges Signal für den Markt. Er darf aber nicht als Freifahrtschein für eine schnelle Rückkehr in einen aggressiveren Preiswettbewerb missverstanden werden“, so der Assekurata-Experte. Wenn also einige übereifrige KFZ-Versicherer mit Preisnachlässen in die nächste Wechselsaison starten, könnte das mühsam erreichte Ergebnis der Erholung verpuffen.

Glimpfliches Wetterjahr hilft

Was den Schaden- und Unfallversicherern im vergangenen Jahr auch halft: Die Naturgefahrenbilanz fiel glimpflich aus. In der Sachversicherung beliefen sich die entsprechenden Schäden auf rund 1,4 Milliarden Euro. 4,4 Milliarden Euro waren es im Vorjahr.

Aber auch hier kommt gleich die Warnung der Assekurata-Experten. Im langjährigen Durchschnitt verursachten Elementarschäden ohne Sturm und Hagel rund 2 Milliarden Euro Schaden pro Jahr.

Unabhängig von der Entwicklung der Naturgefahren sei angesichts der aktuellen Wachstumstrends mit weiter spürbar steigenden Schadenaufwendungen zu rechnen, heißt es weiter. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte ihr Volumen von derzeit knapp 70 Milliarden Euro auf 80 Milliarden Euro steigen.

Wohngebäudeversicherung weiter unter Druck

Besonders unter Druck bleibt die Wohngebäudeversicherung. Hohe Baupreise, steigende Handwerkerkosten und wachsende Anforderungen an die Wiederherstellung treffen hier auf eine nach wie vor unzureichende Verbreitung des Elementarschutzes: Nur rund 59 Prozent der Wohngebäude sind gegen Überschwemmung und Starkregen abgesichert.

„Die Wohngebäudeversicherung ist nicht allein ein Naturgefahrenthema“, erklärt Wittkamp. „Auch Schäden durch Leitungswasser, Feuer und Sturm treffen heute auf ein deutlich höheres Kostenniveau als noch vor einigen Jahren.“

Einen Schlüsselfaktor sieht Assekurata hier in der Prävention. Es sei wichtig, Schäden durch bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen zu vermeiden oder zumindest zu begrenzen. „Jeder vermiedene oder reduzierte Schaden entlastet den Versicherungsnehmer und langfristig auch das Kollektiv“, so Wittkamp.

Rückstauklappen, druckwasserdichte Kellerfenster und Lichtschächte, wasserresistente Baustoffe, eine angepasste Nutzung gefährdeter Kellerräume sowie regelmäßige Wartung und Instandhaltung seien hier sinnvolle Maßnahmen.

Risikopuffer der Versicherer entscheidend

Neben Prävention und risikogerechter Tarifierung sie die finanzielle Widerstandsfähigkeit der Versicherer ein zentrales Thema. Risikopuffer zahlten sich aus. In stark belasteten Zweigen wie der KFZ- und Wohngebäudeversicherung seien Schwankungsrückstellungen marktweit deutlich beansprucht worden.

„Das mildere Schadenjahr 2025 hilft der Branche, ersetzt aber nicht den langfristigen Wiederaufbau von Risikotragfähigkeit“, betont Wittkamp. „Wenn sich die Ergebnisse stabilisieren, dürfte ein Teil der Erholung auch in die Stärkung der Schwankungsrückstellungen fließen müssen.“

Ausblick auf 2026

Für 2026 erwartet Assekurata ein gebremstes Wachstum von 3,5 bis 5,0 Prozent. Die schwache gesamtwirtschaftliche Dynamik in Deutschland dürfte Investitionen, Konsum und damit auch die Versicherungsnachfrage dämpfen.

„2025 hat der Branche Luft verschafft“, sagt Wittkamp. „Für eine nachhaltige Entspannung ist es aber zu früh. Entscheidend wird sein, ob die Versicherer Preisdisziplin, Risikoselektion, Prävention und Kapitalstärkung in den kommenden Jahren konsequent miteinander verbinden.“

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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