In Europa nimmt man offenbar zur Kenntnis, wie sehr Influencer im Internet inzwischen auch die Finanzwelt beeinflussen. Solche sogenannten Finfluencer sollen schärfere Verhaltensregeln bekommen.
Wie der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung berichtet, spricht sich das Europäische Parlament für konkrete Mindeststandards aus, wenn Finfluencer in sozialen Medien auftreten. Ein Anliegen, das dem AfW offenbar gefällt. Er sieht darin „einen wichtigen Schritt hin zu mehr Verbraucherschutz und fairen Wettbewerbsbedingungen“. Auch der Berufsverband BVK dürfte begeistert reagieren, denn er hat Finfluencer ebenfalls schon eine Weile auf dem Kieker.
Worum geht es genau? Finfluencer sollen künftig ihre wirtschaftlichen Interessen offenlegen und Werbung eindeutig kennzeichnen. Arbeiten sie mit Finanzunternehmen (zum Beispiel Neobrokern) zusammen oder sind sogar beteiligt, müssen sie das transparent mitteilen. Somit sollen Nutzer klar sehen können, ob hier unabhängig berichtet oder ob geworben wird.
Doch im Parlament geht es auch um den Inhalt von Beiträgen. Finfluencer sollen Risiken ebenso klar darstellen müssen wie Chancen. Sie sollen nichts Irreführendes von sich geben, keine überzogenen Renditen versprechen und keine für breite Zielgruppen ungeeigneten Produkte bewerben. Zugleich sollen sie ihre Inhalte sorgfältig prüfen und fachliche Kenntnisse mit sich bringen.
Es sind im Grunde alles Dinge, die man per gesundem Menschenverstand von den Lautsprechern im Netz erwarten dürfte. Nur geregelt ist nichts davon. Vor drei Jahren hatte die Wertpapieraufsicht Esma festgestellt, dass Finfluencer für ihre Tipps nicht haften (die deutsche Aufsicht Bafin pflichtete dem bei). Anfang des Jahres legte die Bafin zusammen mit der Esma ein Übersichtsblatt mit Benimmregeln für Finfluencer vor. Verbindlich sind aber auch die nicht.
Nun also auffrischender Wind aus Straßburg und Brüssel. Sobald Finfluencer konkrete Anlagen empfehlen (und das tun sie häufig), sollen bestehende europäische Vorgaben für regulierte Anlageberatung greifen. Ergänzend verlangt das Parlament einen europaweiten Verhaltenskodex und mögliche Gütesiegel für regelkonforme Anbieter.
Damit holt also auch die Finfluencer der Ernst des Beraterlebens ein. Während Vermittler stark reguliert sind (Nur drei Stichworte: Aufklärung, Geeignetheitsprüfung und Dokumentation), blieben die Ratgeber im Netz davon bisher verschont.
Beim AfW zeigt man sich von dem Vorhaben angetan. „Es ist Zeit, dass die EU hier handeln will. Wer Finanzprodukte bewirbt oder Anlageentscheidungen beeinflusst, muss sich an klare Spielregeln halten. Anforderungen an Transparenz, Sachkunde und Verantwortung müssen für alle gelten und dürfen kein Wettbewerbsnachteil für regulierte Vermittler sein“, sagt AfW-Vorstand Frank Rottenbacher.
Die ganze Sache steht jedoch noch am Anfang. Zwar finden sich einige der geforderten Regeln auch schon in der geplanten EU-Kleinanlegerstrategie (Retail Investment Strategy, RIS) wieder. Doch bei den hier geschilderten Plänen des Parlaments handelt es sich lediglich um eine sogenannte Entschließung. Und die ist rechtlich nicht bindend, gibt der Europäischen Kommission aber immerhin eine Marschrichtung vor. So schildert es der AfW.
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