Die Versicherungsaufseherin der Bafin, Julia Wiens, rechnet mit neuen Risiken, weil Kunden künftig einfacher ihre Riester-Verträge wechseln können. Das ließ sie in einer Rede durchblicken, die sie auf dem „Zukunftsmarkt Altersvorsorge“ in Berlin hielt.
Darin spielt sie auf die geplante Reform der privaten Altersvorsorge an. Die sieht vor, dass Kunden deutlich einfacher als früher von alten in neue Riester-Verträge wechseln können. Oder sie können ihr Geld auf einen Vertrag nach neuem System übertragen, ohne die staatliche Förderung zurückzahlen zu müssen.
Risiken daraus für die Lebensversicherer sieht Wiens in Bezug auf Liquidität und Erträge. Nämlich dann, wenn sehr viele Kunden wechseln, weil sie lebenslange Renten oder Beitragsgarantien nicht mehr so wichtig finden. Lebensversicherer müssen dann nämlich Anlagen auflösen und Guthaben auszahlen.
Weshalb die Bafin-Frau ein paar Hausaufgaben verteilt: „Die Lebensversicherer haben es in der Hand, dieses Abwanderungsrisiko zu reduzieren. Indem sie selbst neue wettbewerbsfähige Produkte einführen, sofern sie dazu in der Lage sind. Und indem sie ihre Kundinnen und Kunden informieren und beraten. Gleichzeitig sollten sie natürlich die möglichen Auswirkungen eines vermehrten Anbieterwechsels in ihrem Risikomanagement berücksichtigen.“
Und dann sagt sie ganz klar: „Die Lebensversicherer müssen sich aber darauf einstellen, dass die Konkurrenz für sie rauer wird. Sie alle wissen: Im Gesetzesentwurf sind für die Auszahlphase keine lebenslangen Leistungen mehr vorgeschrieben.“ Weshalb neue Anbieter mit geförderten Produkten auf den Markt können, ohne dass sie noch mit Lebensversicherern für die lebenslange Rente zusammenarbeiten müssen.
Interessant ist auch, wie sie sich zur aktuellen Diskussion um den Gebührendeckel äußert. Wir erinnern uns: Das Reformgesetz sieht ein Standarddepot vor, das nicht mehr kosten darf als 1,5 Prozent im Jahr. Verbraucherschützern wie Hartmut Walz ist das viel zu hoch. Verbände wie der BVK sehen die Gefahr, dass Beratung damit nicht zu bezahlen ist.
Dem schließt sich Julia Wiens ein Stück weit an. Zwar begrüße auch sie es „aus Verbraucherschutz-Perspektive“, wenn Produkte günstiger werden. Es sei ihr aber als Aufsicht ebenso wichtig, dass Versicherer profitabel arbeiten. „Die neuen Altersvorsorgeprodukte sollten also möglichst wenig Kosten produzieren“, folgert sie.
Wenn aber – und damit kommen wir wieder zum Eingangsthema – Kunden verstärkt aus alten in neue Riester-Verträge wechseln, „kann sich erhöhter Informations- oder Beratungsbedarf ergeben. Mit entsprechender Wirkung auf die Kosten“.
Eine Lösung für dieses Dilemma hat sie in ihrer Rede jedoch nicht parat.
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