Höhere Leistungen, niedrigere Beiträge

Risikolebensversicherung: So hilft der neue Rechnungszins bei der Beratung

Die Risikolebensversicherung am deutschen Markt zeigt sich stabil. Viel tut sich an Innovation nicht mehr. Einen Impuls hat aber die Änderung des Höchstrechnungszinses gebracht.
Familie mit Kindern: Die Risikolebensversicherung ist für Familien ein wichtiger Schutz.
© pikisuperstar/Freepik.com
Familie mit Kindern: Die Risikolebensversicherung ist für Familien ein wichtiger Schutz.

Der Tod gehört zum Leben dazu. Doch viele Menschen innerhalb Deutschlands vermeiden es, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. In den Niederlanden ist das anders, berichtet Edwin Brouwers, Hauptbevollmächtigter der Dela Lebensversicherungen in Deutschland. Es sei „ein fester Bestandteil unserer niederländischen Kultur, den Tod als einen Teil des Lebens zu akzeptieren und auch so mit ihm umzugehen: Man spricht offen darüber und macht sich bewusst, was der eigene Tod für seine Angehörigen und sein Lebensumfeld bedeutet.“

Und das ist gut so. Denn der Verlust eines lieben Menschen löst nicht nur Trauer aus. Er kann auch schnell große finanzielle Probleme bringen. Etwa, wenn das Haus noch nicht abbezahlt ist. Oder Kindererziehung und Brötchen verdienen dann nur noch an einer Person hängen.

Latent geistert das Thema schon in den Köpfen der Deutschen herum. Das hat eine Umfrage der Dela gezeigt. „Immerhin 73 Prozent der Deutschen haben sich bereits Gedanken über den eigenen Tod gemacht. Und über zwei Drittel sprechen in der Familie, mit dem Partner und mit Freunden darüber“, berichtet Brouwers.

Hier gilt es also für Vermittler, das Thema anzusprechen, die Risikolebensversicherung ins Spiel zu bringen und Nägel mit Köpfen zu machen. In diesem Jahr haben sie dabei gute Nachrichten für potenzielle Kunden im Gepäck, Stichwort: Höchstrechnungszins. Seit dem 1. Januar 2025 liegt dieser nun bei einem Prozent, nachdem er zuvor jahrelang auf 0,25 Prozent festgesetzt war.

3 bis 6 Prozent mehr Leistung

Und dieses Plus hat für Versicherte deutliche Vorteile: Laut einer Analyse des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) steigen die garantierten Leistungen in der Risikolebensversicherung um 3 bis 6 Prozent. Moritz Schumann, stellvertretender GDV-Hauptgeschäftsführer, betont die Bedeutung dieser Entwicklung: „Hinterbliebene sind noch besser geschützt. Bei unserem Modellfall bedeutet der neue Höchstrechnungszins fast 10.000 Euro mehr.“ Ausgegangen ist der GDV dabei von einer Versicherungssumme in Höhe von 200.000 Euro vor der Anhebung des Höchstrechnungszinses. Das eröffnet doch mal ordentlich Potenzial für Neuabschlüsse.

Die sieht man aktuell aber eh wieder. Nachdem der Markt für Risikolebensversicherungen in den vergangenen Jahren teilweise rückläufig war, gab es 2023 erstmals nach 2019 wieder ein Plus bei den Vertragszahlen. Laut einer Untersuchung des Branchendienstes Map-Report von Franke und Bornberg erhöhte sich die Zahl der Risikoleben-Policen um 4,3 Prozent auf gut 9,9 Millionen Verträge. Das zeigt, dass das Bewusstsein für finanzielle Absicherung wächst.

Stagnation in der Qualität

Allerdings offenbart das aktuelle Rating von Franke und Bornberg eine gewisse Stagnation in der Tarifqualität. Während viele Tarife solide Leistungen bieten, fehlt es oft an innovativen Anpassungen an die veränderten Bedürfnisse der Kunden. Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg, kritisiert das: „Trotz der großen Verbreitung sehen wir bei den Versicherern in den vergangenen Jahren wenig Ehrgeiz, den gestiegenen Erwartungen von Verbrauchern gerecht zu werden.“

Die Assekuranz wirke erstaunlich ambitionslos, so Franke weiter. Viele Versicherer hätten noch nicht einmal den neuen Höchstrechnungszins als Anlass für Tarifänderungen genutzt. Auch hier zeige sich das mangelnde Engagement der Branche, schimpft Franke.

Makler sollten daher besonders darauf achten, welche Tarife tatsächlich moderne Merkmale bieten. Etwa Flexibilität. Nachversicherungsgarantien sind hierbei ein zentrales Element. Sie ermöglichen es den Versicherten, die Versicherungssumme bei bestimmten Lebensereignissen wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Hauskauf ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Diese Option bietet den Vorteil, dass Versicherte sich bereits früh eine günstige Risikolebensversicherung sichern können, ohne später bei steigendem Absicherungsbedarf Nachteile durch höhere Beiträge oder neue Gesundheitsfragen zu haben.

Franke: „Je flexibler eine Risikolebensversicherung, umso besser schützt sie in jeder Lebensphase.“ Gleichzeitig warnt er vor möglichen Risiken für die Versicherer. „Versicherte mit gesundheitlichen Problemen nutzen diese Angebote stärker als gesunde Altersgenossen“, so Franke. Damit steige die Wahrscheinlichkeit für mehr risikoreiche Verträge im Bestand. Versicherer müssten bei Nachversicherungsgarantien stets Augenmaß beweisen.

Mit dem höheren Rechnungszins gehen nicht nur bessere Leistungen, sondern auch tendenziell stabilere oder sogar sinkende Beiträge einher. Durchschnittlich seien die Prämien um etwa 4 Prozent gesunken, zeigt die Analyse des Map-Reports. Wobei die genaue Ersparnis stark von der individuellen Tarifgestaltung abhänge. Die Jahresprämien für einen nicht rauchenden Bankkaufmann mit einer Versicherungssumme von 100.000 Euro liegen laut Map-Report zwischen 59 und 295 Euro.

Um die Qualität der Risikoleben-Tarife einzuordnen, hat Franke und Bornberg in diesem Jahr anspruchsvollere Kriterien für die maximale Punktzahl definiert. Das betrifft etwa den Umgang mit kurzfristigen Zahlungsschwierigkeiten und noch flexiblere Nachversicherungsoptionen. Neu im Krite­rienkatalog ist die Nachversicherungsgarantie bei Kauf oder Finanzierung einer Immobilie. Gestrichen wurde hingegen die Überprüfung des Nichtraucherstatus während der Laufzeit.

Spitzengruppe nur leicht gewachsen

Für das Rating RLV 2025 hat Franke und Bornberg 103 Tarife und Tarifvarianten von 56 Gesellschaften nach 36 Kriterien untersucht. Mit 28 Produkten wächst die Spitzengruppe im Vergleich zum Vorjahr nur leicht. Nur 20 Versicherer haben mindestens ein hervorragendes Produkt im Angebot. Die Bestnote FFF+ erreichen für einen oder mehrere Tarife (alphabetische Reihenfolge): Allianz, Baloise, Bayern-Versicherung, Continentale, Cosmos Direkt, Credit Life, Delta Direkt, Dialog, Die Dortmunder, Europa, Hannoversche, Huk-Coburg und Huk24, Ideal, LV 1871, Provinzial, Signal Iduna, VPV, Versicherer im Raum der Kirchen und Zurich.

Viele gute Tarife verfehlten eine Top-Bewertung, weil sie Mindestkriterien der beiden höchsten Bewertungsstufen nicht erfüllen, erklärt Philipp Wedekind, Leiter Ratings Vorsorge und Nachhaltigkeit bei Franke und Bornberg. „Ohne kundenfreundliche Verlängerungsoptionen schafft es ein Tarif bei uns nicht an die Spitze. Ist etwa die Hypothek noch nicht getilgt oder wohnen unterhaltsberechtigte Kinder noch im elterlichen Haushalt, muss ein Top-Tarif eine längere Laufzeit erlauben.“

Die vorgezogene Todesfallleistung sei ein weiterer Mindeststandard in der Risikolebensversicherung. Diese garantiere die Zahlung der Versicherungssumme bereits für den Fall, dass eine Lebenserwartung von weniger als zwölf Monaten diagnostiziert werde, so Wedekind. Das Fazit der Analysten fällt daher eher verhalten aus: Risikolebensversicherungen böten ein solides Niveau, aber zu wenige Spitzenergebnisse. Der erwartete Qualitätsschub als Folge des neuen Rechnungszinses sei bislang ausgeblieben. Aber:

„Die steigende Nachfrage bei Immobilien wird das Geschäft mit Risikolebensversicherungen weiter beflügeln. Versicherer sind gut beraten, sich eine gute Ausgangsposition für den zu erwartenden Qualitätswettbewerb zu schaffen“, sagt Michael Franke.

Fazit

Die Risikolebensversicherung bleibt auch in diesem Jahr ein zentrales Instrument der finanziellen Ab­sicherung. Der gestiegene Höchstrechnungszins, flexiblere Tarifoptionen und eine wachsende Offenheit für das Thema Vorsorge eröffnen Maklern neue Beratungsansätze.

Gleichzeitig ist es wichtiger denn je, sich mit den verfügbaren Tarifen intensiv auseinanderzusetzen und individuelle Lösungen für Kunden zu finden. Wer als Makler die aktuellen Produkttrends kennt und seine Kunden empathisch und fachkundig berät, kann sich als vertrauenswürdiger Partner positionieren und langfristige Kundenbeziehungen aufbauen.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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