Auch für Makler

Warum die Cyberversicherung zu den Muss-Policen gehört

Gewerbekunden brauchen Versicherungen. Darunter sind Klassiker wie die Betriebshaftpflicht. Aber auch die Cyberversicherung breitet sich nach und nach aus. Und das ist gut so, denn die Risiken nehmen zu.
Cyberteam bei der Arbeit: Die Cyberversicherung gehört für alle Firmen, die im Internet unterwegs sind, zu den Muss-Policen.
© DC Studios/Freepik
Cyberteam bei der Arbeit: Die Cyberversicherung gehört für alle Firmen, die im Internet unterwegs sind, zu den Muss-Policen.

Geht es um Versicherungen, schließen Gewerbekunden vor allem die Betriebshaftpflicht/Berufshaftpflicht ab. Sie führt mit 98 Prozent ganz klar die Liste der Gewerbepolicen an. Es folgen die KFZ-Versicherung beziehungsweise Fuhrparkversicherung (89 Prozent), Rechtsschutzversicherung (77 Prozent) und Inventarversicherung (72 Prozent).

Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bericht des Marktforschungs- und Beratungsinstituts Heute und Morgen. Das Team hat Versicherungsentscheider aus 1.500 Unternehmen in Deutschland aus den Branchen Gewerbe, Bau, Handel und Dienstleistungen mit bis zu 100 Beschäftigten zu ihrer Ausstattung und Zufriedenheit mit Gewerbeversicherungen befragt.

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Firmenversicherungen für kleine und mittlere Unternehmen (bis 100 Beschäftigte) sind aus Sicht des Marktforschungsinstituts für die Assekuranz ein lohnendes Geschäftsfeld. Die durchschnittliche Zahl der abgeschlossenen Verträge hat sich bei den rund 3,3 Millionen Betrieben dieser Größenklasse in den vergangenen fünf Jahren stabil und positiv entwickelt – 2024 waren es 5,5 Verträge je Unternehmen. 2020 lag dieser Wert noch bei 5,2.

Langfristig positive Entwicklungstrends sehen die Analysten insbesondere bei der Cyberversicherung (aktuelle Marktabdeckung: 22 Prozent, 2020: 14 Prozent) und bei Gruppenversicherungen in der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) (aktuell: 15 Prozent, 2020: 12 Prozent).

Pflicht für alle im Internet

Da das Wachstum bei Cyberversicherungen im Jahr 2024 erstmals stagnierte, sollten Vermittler den Fokus hier künftig stärker auf kleine Unternehmen unter 50 Beschäftigten legen, so der Rat von Heute und Morgen. Große Affinität zur Cyberversicherung haben insbesondere Gewerbekunden, die mit sensiblen Daten arbeiten. Beispielsweise hat unter Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern bereits jedes zweite Unternehmen laut den Analysten von Heute und Morgen einen Cyberschutz abgeschlossen.

Aber die Cyberversicherung ist nicht nur für bestimmte Betriebe geeignet. Für jedes Unternehmen, das im Internet aktiv ist, gehört sie mittlerweile zum Pflichtprogramm. Denn die Risiken sind einfach zu hoch – und dabei geht es eben nicht mehr nur um Attacken von Hackern.

Wie das „Allianz Risk Barometer 2025“ zeigt, ordnen Unternehmen weltweit Cyberzwischenfälle bereits zum dritten Mal zur größten Gefahr für ihr Geschäft ein. 3.778 Risikobeauftragte von eigenen Unternehmenskunden, Vermittlern und Handelsorganisationen aus 106 Ländern und Regionen haben die Marktforscher befragt. Jeder durfte bis zu drei Risiken nennen – bei 38 Prozent waren es die erwähnten Cybergefahren. In Deutschland sind es sogar 47 Prozent.

Angesichts der Fortschritte in der Technologie, schnellerer Netzwerke und der Zunahme von Telearbeit und digitalem Handel, werden Cyberrisiken wie Datenschutzverletzungen und Ransomware-Angriffe in Zukunft wohl noch weiter zunehmen. Hinzu kommt Künstliche Intelligenz (KI), die diese und weitere Bedrohungen verstärken und beschleunigen könnte. Phishing-Mails sind durch KI etwa auf ein ganz anderes Level gehoben worden. Sie sind perfekt geschrieben, in allen Sprachen und ohne Rechtschreibfehler. Dadurch wird es immer schwieriger, sie von regulären E-Mails zu unterscheiden. Die regelmäßige Schulung der Mitarbeitenden ist daher ein wichtiger Baustein eines größeren IT-Sicherheitskonzepts, bei dem Cyberversicherer unterstützen können.

„Cyber- und Wirtschaftskriminalität wer­den ermöglicht durch technische und organisatorische Probleme oder menschliches Fehlverhalten – oft auch durch eine Kombination aller drei Bereiche. Durch geeignete Vorsichtsmaßnahmen und Sicherheitslösungen können Sie Ihr Unternehmen wirkungsvoll schützen“, schreibt auch die R+V in einem Ratgeber-Artikel zum Thema.

Eine dieser Maßnahmen sei es, ein Sicherheitsverständnis bei den Mitarbeitenden zu entwickeln und zu fördern. Wichtig sei es aber auch, besonders schützenswerte Bereiche im Unternehmen auszumachen und eine Sicherheitsstrategie zu entwickeln – und sich dann auch an diesen Plan zu halten sowie regelmäßig zu prüfen, ob der Sicherheitsplan funktioniert und eingehalten wird. Dabei könne es helfen, einen IT-Sicherheitsbeauftragten im Unternehmen zu benennen, der dann auch auf regelmäßige Software-Updates und Back-ups des IT-Systems achtet.

Erste Hilfe im Schadenfall

Kommt es schlussendlich doch zu einem Cybervorfall – 100-prozentige Sicherheit gibt es eben nicht –, gehen Cyberversicherer als Dienstleister mit zur Hand. Das ist schon in ihrem eigenen Interesse, weil das Schäden begrenzt und die Summen niedrig hält. Die Versicherer bieten Hotlines mit Experten an, haben Forensiker für die Spurensuche zur Hand und vermitteln Anwälte, um die rechtlichen Folgen gering zu halten.

Wichtig hierbei ist allerdings, dass Betroffene sich sofort melden, betont die R+V, und nicht erst auf eigene Faust et­was zu retten versuchen. „Melden Sie den Schaden so rasch wie möglich Ihrer Versicherung, am besten sofort“, schreiben die Cyberexperten dort. Ein Punkt, auf den Makler aufmerksam machen sollten.

Apropos Makler: Sie sollten nach Möglichkeit selbst eine Cyberversicherung besitzen, findet John Braun. „Wenn ich mir nur eine Sache wünschen dürfte, dann, dass niemand draußen unterwegs ist ohne eigene Cyberdeckung“, so der Vertriebsleiter bei Baobab Insurance in unserem Spezial-Podcast zum Thema Cyberversicherung.

Das sehe in der Praxis aktuell aber anders aus: Er erlebe oft Versicherungsvermittler und Makler, die der Meinung seien: „Ich möchte meinem Kunden etwas über die Risiken erzählen, aber ich möchte mich selbst nicht dagegen absichern.“ „Diese Kollegen haben in der Regel die geringsten Abschlussquoten bei der Cyberversicherung, weil sie nicht glaubhaft rüberbringen können, dass diese Versicherung wichtig ist“, sagt Braun.

Muss auch für Makler

Ein Makler, der mit seinem Kunden per E-Mail kommuniziert, sei verpflichtet, das Cyberrisiko anzusprechen. „Das ist ein Muss, allein weil er E-Mails an den Kunden schreibt.“ Jeder Makler sollte aus Brauns Sicht einmal über die eigenen Datenschätze nachdenken, die bei ihm im Haus herumliegen.

„Wenn er diesen Schritt verstanden hat, dann kommt er auch bei seinen Kunden viel besser an, weil er dann selbst einmal den Prozess aus der Betroffenen-Perspektive durchgegangen ist und sich mit Mindestanforderungen und Risikofragen auseinandergesetzt hat. Er kann seinen Kunden so ganz anders zur Seite stehen.“ Und auch auf die Frage „Wo bist du versichert?“ hat er laut Braun dann eine klare Antwort.

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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