Angst vor Krebs überwiegt

Depression wird als Risiko für Berufsunfähigkeit unterschätzt

Psychische Erkrankungen sind zwar der Hauptgrund für eine Berufsunfähigkeit. Aber viele Versicherte haben dieses Risiko so nicht auf dem Schirm. Sie sichern lieber ihr Hab und Gut ab als ihre Gesundheit. In welchen Berufen Versicherte am meisten gefährdet sind.
Mann sitzt bei seiner Therapeutin: Psychische Erkrankungen sind ein häufiger Grund für eine Berufsunfähigkeit.
© Freepik
Mann sitzt bei seiner Therapeutin: Psychische Erkrankungen sind ein häufiger Grund für eine Berufsunfähigkeit.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist den Deutschen weniger wichtig als Versicherungen für ihr Hab und Gut. Zu diesem Fazit kommt der Versicherer Swiss Life in einer repräsentativen Befragung. Für die Studie hat das Marktforschungsinstitut Yougov im Sommer 2024 Online-Interviews mit 2.112 Menschen geführt.

Auf die Frage, welche Absicherungsprodukte ihnen am wichtigsten seien, nannten …

  • 48 Prozent der Befragten ihre private Haftpflichtversicherung,
  • 39 Prozent ihre KFZ-Haftpflichtversicherung und
  • 27 Prozent ihre Hausratversicherung.

Erst an vierter Stelle taucht die Berufsunfähigkeitsversicherung mit 23 Prozent der Nennungen auf.

 „Das eigene Hab und Gut scheint den Menschen auf den ersten Blick wichtiger zu sein als der Wert der eigenen Arbeitskraft“, so Stefan Holzer, Mitglied der Geschäftsleitung von Swiss Life Deutschland und Leiter Market Management Versicherung.

Dabei kann der Wert der eigenen Arbeitskraft über ein gesamtes Berufsleben gerechnet bei bis zu 2 Millionen Euro liegen“, sagt Holzer.

Vor allem der große Unterschied zwischen Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung gibt dem Experten zu denken. „Eine Haftpflichtversicherung ist wichtig, dennoch sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung mindestens den gleichen Stellenwert haben, schließlich sichert sie im Ernstfall den finanziellen Lebensunterhalt ab und somit das Fundament von allem“, so Holzer.

Holzers Fazit: „Wir müssen daher als Branche noch mehr Aufklärungsarbeit leisten, um die Menschen dafür zu sensibilisieren, ihre Arbeitskraft frühzeitig abzusichern.“

Wie es zu einer Berufsunfähigkeit kommen kann, haben viele Befragte auf dem Schirm. Denn 45 Prozent der Umfrageteilnehmer denken, dass psychische Erkrankungen eine der Hauptursachen dafür sein können. Und damit liegen sie durchaus richtig.

„Burn Out oder Depressionen sind mit Abstand der häufigste Grund für eine Berufsunfähigkeit.“

Das zeigen Holzer zufolge nicht nur Auswertungen von Branchenverbänden, sondern auch Daten aus dem Leistungsbestand der Swiss Life.

Was etwas paradox ist: Vor einer Krebserkrankung fürchten sich die Befragten noch mehr. 47 Prozent der Befragten treibt diese Sorge um, aber nur 9 Prozent fürchten für sich selbst eine Depression.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, welche Berufsgruppen besonders depressionsgefährdet sind und in welchem Alter Versicherte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Auch bei der Frage, welche Berufe oder Gruppen besonders gefährdet sind, berufsunfähig zu werden, kommt es zu deutlichen Abweichungen vom reellen Risiko.

  • 65 Prozent glauben, dass Menschen in Berufen mit körperlichen Tätigkeiten im Handwerk oder in Pflegeberufen häufiger berufsunfähig werden.
  • Bei kaufmännischen und akademischen Bürotätigkeiten glauben das nur 10 Prozent. 53 Prozent der Befragten halten eine Berufsunfähigkeit dort für vergleichsweise selten.
  • Für technische Tätigkeiten wie Mechatroniker liegt die Einschätzung der Befragten eher im mittleren Bereich. 31 Prozent der Studienteilnehmer glauben, dass eine BU bei diesen Tätigkeiten vergleichsweise häufig auftritt.
  • 56 Prozent beziehungsweise 65 Prozent der Befragten denken, dass während einer Ausbildung (56 Prozent) und eines Studium (65 Prozent) eine Berufsunfähigkeit vergleichsweise selten vorkommt.
Risiko für Berufsunfähigkeit ist unabhängig vom Beruf

Das BU-Risiko sollten Versicherte aus Sicht von Holzer unabhängig vom ausgeübten Beruf beziehungsweise von Ausbildung oder Studium betrachten. „Zwar weisen die Befragten körperlich anstrengenden Berufstätigkeiten zu Recht ein hohes Risiko einer Berufsunfähigkeit auf“, warnt Holzer.

Aber auch ein vermeintlich gefahrloser Bürojob in akademischen Berufen schütze nicht vor Berufsunfähigkeit, wie die Zahlen steigender psychischer Erkrankungen in dieser Gruppe belegen. „Auch bei Schülern, Auszubildenden und Studierenden haben seit der Corona-Pandemie psychische Erkrankungen stark zugenommen“, so Holzer weiter.

Viele haben bereits früh eine BU abgeschlossen

Die Befragten, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben, wurden zudem gefragt, in welchem Alter sie das getan haben.

  • Dabei gaben insgesamt rund zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) an, ihre BU bereits in jungen Jahren abgeschlossen zu haben (34 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 24 Jahren, weitere 32 Prozent zwischen 25 und 29 Jahren).
  • So hat sich das andere knappe Drittel erst in den Lebensjahren zwischen 30 und 40 Jahren oder nach dem 40. Lebensjahr für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entschieden (18 Prozent zwischen 30 und 34 Jahren; 9 Prozent mit 35 bis 39 Jahren, mit 40 oder später 4 Prozent).

„Eine späte Absicherung ist besser als keine“, meint Holzer. Aber nicht nur die Prämien sind dann bereits höher. Auch das Risiko, tatsächlich berufsunfähig zu werden, steige mit den Jahren an.

Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Von Juli 2024 bis Dezember 2025 war sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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