Vermögensaufbau

Worauf Berater beim Aufbau eines globalen ETF-Portfolios achten müssen

Börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs) haben sich als kostengünstige Anlageform etabliert. Auch für den langfristigen Vermögensaufbau können sie geeignet sein. Hier sollten Berater aber einiges beachten, wenn sie ihren Kunden ein ETF-Portfolio bauen, betont Christopher Pawlik, Sales Executive beim ETF-Anbieter Vanguard, in seinem Gastartikel.
© Vanguard
Christopher Pawlik ist Sales Executive beim ETF-Anbieter Vanguard.

ETFs haben die Welt der Vermögensanlage in vielerlei Hinsicht revolutioniert. Sie bilden die Zusammenstellung eines Index und damit auch dessen Wertentwicklung nach. Dadurch sind ETFs transparent und preisgünstig und, da sie börsengehandelt werden, auch flexibel einsetzbar.

Für Finanzberater ergeben sich daraus spannende Möglichkeiten: Sie können ihren Kunden mit wenigen Produkten ein globales, breit diversifiziertes Portfolio zusammenstellen und dieses im Zeitverlauf ohne größeren Aufwand anpassen. Der Zusammensetzung sind dabei nahezu keine Grenzen gesetzt, denn ETFs sind mittlerweile auf eine riesige Anzahl von Aktien-, Anleihen-, Branchen- oder Strategieindizes erhältlich.

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Allerdings gilt es beim Aufbau eines globalen ETF-Portfolios einige wichtige Punkte zu berücksichtigen. Wie bei jeder Anlageberatung sind zunächst die Grundlagen abzustecken: Welche Ziele verfolgt der Anleger? Wie ist es um seine Risikobereitschaft bestellt? Mit welchem Anlagehorizont kann geplant werden? Aus diesen Fragen leitet sich ab, wie Aktien und Anleihen, die zwei zentralen Bausteine eines jeden globalen ETF-Portfolios, zu gewichten sind.

Geht Sicherheit vor, sollte der Schwerpunkt auf Anleihe-ETFs liegen. Stehen die Chancen und/oder der langfristige Vermögensaufbau im Vordergrund, kann sich ein starker Aktienanteil als Vorteil erweisen. Im letzteren Fall könnte das Gerüst zum Beispiel auf eine 60/40-Aufteilung hinauslaufen, das aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Festverzinslichen besteht.

Aktien-ETFs: MSCI World oder FTSE All-World?

Ist die grundsätzliche Strategie festgelegt, geht es um die konkrete Umsetzung. Hierbei stellt sich vor allem die Frage, mit welchen ETFs das globale Portfolio beziehungsweise deren Kernbausteine bestückt werden sollen. Das ist aus Beratersicht ein wichtiger Punkt, denn der Erfolg der Strategie hängt mitunter in hohem Maße von zwei Faktoren ab. Zum einen, auf welchen Indizes der Schwerpunkt liegt. Zum anderen, mit welchen ETFs in die gewählten Indizes investiert werden soll.

Um die Relevanz dieser Aspekte zu verdeutlichen, sei im Folgenden die Aktienkomponente betrachtet. Als Kerninvestment für diesen Bereich kommen in der Praxis häufig ETFs auf globale Aktienindizes zum Einsatz. Zu den bekanntesten Kursbarometern in diesem Segment gehört der MSCI World Index. Er enthält aktuell 1.512 Aktien aus 11 Branchen und 23 Ländern und gilt bei vielen Anlegern daher als das Non-Plus-Ultra bei der weltweiten Aktienanlage.

Eine interessante Alternative zum MSCI World ist der FTSE All-World Index. Er umfasst derzeit 4.167 Aktien aus 20 Sektoren und 49 Ländern und repräsentiert damit zwischen 90 und 95 Prozent des weltweit investierbaren Aktienmarkts. Die deutlich größere Streuung des FTSE All-World Index resultiert unter anderem daraus, dass er im Gegensatz zum MSCI World Index auch Aktien aus Wachstumsländern wie China, Indien oder Brasilien beinhaltet.

Damit eignet sich dieser Index für Anleger, die bei ihrem Basisinvestment sowohl an der Wertentwicklung der Industrieländer teilnehmen als auch vom Kurspotenzial der Wachstumsmärkte profitieren wollen. Im FTSE All-World Index ist die USA mit einem Gewicht von knapp über 60 Prozent sehr stark vertreten, was an der enormen Bedeutung des US-Marktes liegt. Im MSCI World Index weisen US-Aktien im Übrigen mit fast 70 Prozent Gewicht eine noch deutlich höhere Dominanz auf.

Hat man sich auf einen bestimmten Index als Basiswert festgelegt, folgt die Auswahl des passenden ETFs. Denn bei bedeutenden Indizes wie MSCI World oder FTSE All-World sind in der Regel konkurrierende ETF-Angebote erhältlich. Worauf also achten? Die Gesamtkostenquote (TER) stellt zwar ein wichtiges Auswahlkriterium dar, das bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden sollte. Aber allein auf die Kosten zu achten, kann sich als Fehler erweisen.

Bei ETFs auf die Historie achten

Denn die Qualität eines ETFs bemisst sich nicht nur am Preis, sondern auch an anderen Kriterien. Um diese überprüfen zu können, sollte der ETF idealerweise schon mehrere Jahre auf dem Markt sein und eine entsprechende Historie aufweisen. Auf diese Weise kann zum Beispiel beurteilt werden, ob und in welchem Umfang die Wertentwicklung des ETF von der Indexentwicklung abweicht. Die Kennzahl dafür ist der Tracking Error, über den sich die Qualität des Fondsmanagements bewerten lässt.

Ein weiteres Kriterium: Der ETF sollte eine gewisse Mindestgröße hinsichtlich des investierten Anlagevolumens erreicht haben. Denn je höher das verwaltete Vermögen (Assets under Management), umso besser die Handelsliquidität und desto geringer in der Regel der Spread, also die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis. So liegt zum Beispiel der Spread beim Vanguard FTSE All-World ETF im Schnitt zwischen 6 und 8 Basispunkten. Der ETF ist bereits seit mehr als zehn Jahren auf dem Markt und hat mittlerweile ein Anlagevolumen von über 18 Milliarden US-Dollar angesammelt.

Wie sich Ärger vermeiden lässt

Eine langjährige Historie und ein hohes Volumen sind auch deshalb relevant, weil dadurch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass der ETF vom Anbieter geschlossen wird. Eine Fondsschließung ist aus Anlegersicht in der Regel ein Ärgernis. Entweder, weil das Fondsvermögen liquidiert wird, sodass Gewinne oder Verluste realisiert und gegebenenfalls Steuern fällig werden.

Oder weil der Fonds mit einem anderen verschmolzen wird, sodass sich womöglich der Anlageschwerpunkt ändert. Gerade junge ETFs mit einem Alter von bis zu drei Jahren weisen eine vergleichsweise hohe „Sterblichkeit“ auf. Es kann sich also auszahlen, beim Aufbau eines ETF-Portfolios auf Bewährtes zu setzen.

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