Heute startet das neue Förderprogramm, mit dem die Bundesregierung Familien mit Kindern beim Hausbau unter die Arme greifen will. Es läuft über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), trägt den kompletten Namen „Wohneigentum für Familien“ und läuft unter der Programmnummer 300 (Die KfW gibt ihren Programmen immer Nummern). Wobei irgendwie der Zusatz „mit Kindern“ fehlt, denn die müssen vorhanden sein. Doch dann wäre der Titel des neuen KfW-Förderprogramms wohl zu lang geworden.
Wie funktioniert es? Kern der Förderprogramme sind zinsgünstige Baukredite. Um direkte Zuschüsse, wie früher mal das Baukindergeld, geht es hingegen nicht mehr. Die KfW reicht also Kredite aus, die die Familien beantragen können. Dafür gelten für die Förderungen folgende Kriterien:
Das sind nur die Schwerpunkte, das komplette Programm gibt es hier.
Um die Wirkung zu verdeutlichen, hier mal eine vereinfachte Rechnung: Ein Kredit gemäß diesem neuen Programm mit einer Laufzeit von 26 bis 35 Jahren kostet derzeit einen Zinssatz von nominal 1,24 Prozent pro Jahr (Stand: 1. Juni 2023). Effektiv sind es 1,25 Prozent. Das ist zweifellos in der heutigen Zeit sehr günstig.
Laut Bauzinsrechner des Baufinanzierers Dr. Klein kostet ein normaler Kredit über 300.000 Euro mit über zehn Jahre gebundenem Zins derzeit nominal 3,96 Prozent und effektiv 4,06 Prozent. Den Objektwert haben wir dabei mit 350.000 Euro angesetzt. Bei einem niedrigen anfänglichen Tilgungssatz von einem Prozent ergibt sich eine monatliche Rate von 1.240 Euro. Für eine Familie mit zwei Kindern und weniger als 70.000 Euro zu versteuerndem Einkommen ist das kein Pappenstiel.
Ersetzt man von diesem Kredit aber 190.000 Euro durch den KfW-Kredit aus dem Förderprogramm für Familien, sinkt die Rate allein dadurch um 431 Euro im Monat (wieder bei einem Prozent Tilgung). Außerdem braucht man nur noch 110.000 Euro normalen Kredit – und den gibt es laut Bauzinsrechner schon für 3,53 Prozent. Das drückt die Rate um weitere 39 Euro im Monat. Macht also eine Gesamtersparnis von 470 Euro. Hinzu kommt, dass man den KfW-Kredit bis zu fünf Jahre lang tilgungsfrei stellen kann. Das verschiebt zwar nur das Problem der Rückzahlung des Kredits in die Zukunft, spart aber am Anfang weitere 158 Euro.
Das ist zweifellos alles nicht zu verachten. Es gibt aber auch eine Sollseite: Denn Häuslebauer bekommen die genannten Umweltvorgaben aufgedrückt. Außerdem stellt sich die Frage, wo man für 350.000 Euro ein Haus bauen und trotz 800 Euro Kreditrate sein normales Leben noch bezahlen kann. Im Speckgürtel von München dürfte das kaum gelingen – im tiefsten Brandenburg schon eher.
Wegen solcher Fragen gibt sich die Branche insgesamt eher reserviert. „Es ist gut, dass das beliebte Baukindergeld im Rahmen einer neuen Förderung der KfW fortgeführt wird“, lobt erst einmal Jörg Utecht, Vorstandschef des Baufi-Vermittlers Interhyp. Allerdings sei die neue KfW-Förderung für Familien nun „deutlich weniger attraktiv“. So bemängelt Utecht, dass man die Einkommensgrenze gegenüber dem Baukindergeld bei einer Familie mit einem Kind um 30.000 Euro gesenkt hat. Bei weiteren Kindern sogar um noch mehr.
Und damit entstehen mehrere Probleme und Mängel. Utecht: „Zum einen fällt eine relevante Zielgruppe, nämlich alle Familien mit einem Jahreseinkommen zwischen 60.000 und 90.000 Euro bei einem Kind, aus dem KfW-Programm für Familien. Zum anderen legt die Bundesregierung ein Programm für eine Zielgruppe auf, die mit ihren knappen Ressourcen aktuell ohnehin schon mehr Kosten zu bewältigen hat als zu Zeiten des Baukindergelds, nämlich stark gestiegene Lebenshaltungskosten, Immobilienpreise und Baukosten sowie ein deutlich höheres Zinsniveau. Die Chance dieser Familien eine Immobilie zu bauen beziehungsweise maximal ein Jahr nach Fertigstellung zu erwerben, ist heute eher kleiner geworden als damals.“
Und dann bringt Interhyp einige Zahlen, die unser Beispiel von oben deutlich übertreffen: Interhyp-Kunden zahlen im Schnitt für ein neues Haus ohne Grundstück rund 475.000 Euro. Soll es besonders klimafreundlich sein, kommen noch 50.000 Euro hinzu. Das dürften die vom KfW-Förderprogramm angepeilten Familien nun wirklich nicht bezahlen können. Es sei denn, die Hälfte des Kaufpreises liegt schon bar vor.
Ähnliche Erfahrungen äußert man auch bei Dr. Klein. So sagt Vorstandschef Michael Neumann: „Die festgesetzte Einkommensgrenze ist zu niedrig. So, wie das Förderprogramm momentan konzipiert ist, kommt sie nur für eine sehr begrenzte Zielgruppe in Frage. Der größte Bedarf an Fremdkapital entsteht nun mal bei Neubauten, insbesondere durch die aktuell geforderten Energieeffizienzstandards. Ebendiese können sich beim Bau eines Eigenheims – trotz neuem Förderprogramm – nur wenige wirklich leisten.“
Außerdem empfinden es beide Baufi-Spezialisten übereinstimmend als Fehler, dass das KfW-Programm nur für Neubauten gilt. Denn das Klima schützen könne man viel besser, wenn man Bestandsimmobilien energetisch saniert.
Sprich: Wenn man die alten Energieschleudern mal ordentlich auf Vordermann bringt. Aber das ist nun mal nicht das Ziel des neuen Programms.
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Eine Antwort
Ein Hinweis: Wer in Baden-Württemberg ein Haus erwerben will hat über die L-Bank eine ähnliche Förderung, die von den Rahmenbedingungen (Einkommenshöhe, auch für Kauf von Bestandshäusern,…) jedoch deutlich flexibler ist: https://www.l-bank.de/produkte/wohnimmobilien/eigentumsfinanzierung-bw-z-15-darlehen.html#