Für Hauseigentümer in Zonen mit hohem Risiko würde eine Elementarschaden-Pflichtversicherung enorm teuer werden. Über 1.300 Euro im Jahr könnte sie dort kosten, in der Spitze könnte sich die Gesamtprämie für die Wohngebäudeversicherung auf fast 3.000 Euro läppern.
Das zeigt eine aktuelle Studie von FB Research, die ein aktuelles politisches Thema aufgreift. Denn schon länger schwebt die Frage im Raum, ob Hauseigentümer künftig ihre Gebäude im Rahmen der Wohngebäudeversicherung auch gegen Elementarschäden wie Hochwasser und Starkregen versichern müssen. Die aktuelle Regierung hat jedenfalls so etwas im Koalitionsvertrag vorgesehen, und der Versicherungsverband GDV hat bereits ein Konzept vorgelegt.
Doch was würde das kosten? Dafür nahmen die Studienautoren um Professor Hartmut Nickel-Waninger von der Goethe-Universität Frankfurt am Main über 80.000 berechnete Angebotsdatensätze für 1.094 Adressen aus allen 36 Risikoklassen. Diese Risikoklassen ergeben sich aus vier Hochwasser-Gefährdungsklassen (Zürs-Zonen), drei Starkregen-Gefährdungsklassen und drei Erdbebenzonen. Grundlage sind immer ein einheitliches Musterhaus im Wert von etwa einer halben Million Euro und 500 Euro Selbstbehalt.
Dabei berücksichtigten sie auch, dass es Elementarschutz immer nur zusammen mit der Wohngebäudeversicherung gibt. Im Grunde auch mit der Hausratversicherung, aber hier soll es nur um die Häuser selbst gehen. Sie trugen dem Rechnung, indem sie die abgefragten Angebote um Tarifunterschiede bereinigten und die Beiträge für die Elementarschadenversicherung aufwendig isolierten.
Zu jeder Adresse berücksichtigten die Forscher nur die 39 günstigsten Angebote und ließen alle anderen weg. Sie erreichten folgende Ergebnisse: In der niedrigsten Risikoklasse beträgt der durchschnittliche Elementaraufschlag nur 93 Euro im Jahr. In neun Zonen liegt er zwischen 100 und 300 Euro. 13 Zonen landen deutlich über 1.000 Euro Aufschlag. Und in der Zone mit dem höchsten Risiko werden saftige 2.079 Euro fällig. Die gesamte ermittelte Wohngebäudeprämie steigt dann auf die erwähnten fast 3.000 Euro. Alle Zahlen im Überblick finden Sie hier.
Nun muss man aber wiederum einräumen, dass die meisten Häuser in Zürs-Zone 1 stehen, nämlich 92 Prozent. Nur 0,4 Prozent liegen hingegen in Zürs-Zone 4. Auch andere Komplikationen schränken die Aussagekraft der Studie ein. Zum Beispiel die geringe Nachfrage von Kundenseite und das eher dünne Angebot der Versicherer für Häuser in Zürs-Zone 4.
Die Studienautoren nehmen an, dass bei 2.000 Euro Zusatzprämie und 500 Euro Selbstbehalt zurzeit kaum jemand aus Zürs-Zone 4 ernsthaft Angebote einholt. Außerdem glauben oder hoffen noch immer viele auf das sogenannte Samariter-Dilemma: Der Staat hat früher schon bei nichtversicherten Häusern geholfen – und wird das wieder tun.
Gleichwohl soll die Studie Grundlage für die Frage sein, ob und wie Elementarschutz bezahlbar ist. Und sie könnte den Rahmen für „wirtschaftspolitische Handlungsoptionen“ bieten, wie es die Autoren ausdrücken. Heißt: Der Staat müsste bei den Prämien entlasten und noch sonstwie stützen, damit das alles bezahlbar bleibt.
Häuser in Flutflächen aufzugeben, kommt offenbar nicht infrage.
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