Naturgefahren

Hochwasser bedrohen Deutschlands Wirtschaftswachstum

Der Kreditversicherer Allianz Trade hat nachgerechnet: Ein schweres Hochwasserereignis 2027 könnte die deutsche Wirtschaft in den drei Folgejahren mit über 100 Milliarden Euro belasten. Prävention ist gefragt.
Hochwasser in Köln: Unter den Überflutungen leidet die deutsche Wirtschaft.
© picture alliance / Zoonar | Gerd Harder
Hochwasser in Köln: Unter den Überflutungen leidet die deutsche Wirtschaft.

Hochwasser sind nicht nur ein Risiko für Haus, Hof und Infrastruktur, sie sind auch ein Risiko für die deutsche Wirtschaft. In einer Studie hat der Kreditversicherer Allianz Trade simuliert, wie sich ein schweres Hochwasser 2027 in Deutschland wirtschaftlich auf die drei Folgejahre auswirken würde. Die Experten sehen Belastungen bei Investitionen, Einkommen, Konsum und öffentlichen Finanzen.

Besonders betroffen seien die Unternehmensinvestitionen. „Fluten treffen aber auch private Haushalte stark“, sagt Hazem Krichene, Senior-Klimaökonom bei Allianz Research. „Zum einen, weil das eigene Zuhause betroffen und teilweise die Existenz gefährdet ist. Zum anderen aber auch finanziell und über viele Jahre. Entsprechend geht der private Konsum zurück.“ Hochwasser verschlechtern zudem die finanzielle Lage des Staates. Höhere Ausgaben für Soforthilfe, Wiederaufbau und Infrastruktur treffen auf rückläufige Steuereinnahmen.

Wirtschaftswachstum leidet langfristig

Summa summarum ergeben sich laut der Berechnung von Allianz Trade aus dem Hochwasser resultierende Kosten in Höhe von 108 Milliarden Euro bis 2030 für die deutsche Wirtschaft. „Sachschäden sind nur eine Komponente bei den Kosten von Hochwassern“, sagt Krichene. „Das Wirtschaftswachstum leidet langfristig. Ursache für den von uns modellierten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um rund 0,7 Prozent beziehungsweise 108 Milliarden Euro sind neben den direkten Sachschäden vor allem verzögerte Investitionen, Produktionsunterbrechungen, gestörte Lieferketten und schwächere Konsumnachfrage.“

1 Euro Hochwasserschutz spart 4 Euro Schaden

Angesichts dieser Zahlen drängt die Zeit für Präventions- und Anpassungsmaßnamen. „Investitionen in Hochwasserschutz zahlen sich aus. Jeder investierte Euro spart Schäden in etwa vierfacher Höhe“, sagt Krichene. „Ohne zusätzliche Anpassungsmaßnahmen könnten die jährlichen Flusshochwasserschäden in der EU und im Vereinigten Königreich bis 2100 um den Faktor sechs auf nahezu 50 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen.“

Anpassung an Hochwasserrisiken sei daher viel mehr als bloße Klimapolitik. „Sie ist vorsorgende Wirtschafts- und Fiskalpolitik. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Nichtstuns werden deutlich höher sein als die Kosten wirksamer Präventionsmaßnahmen“, so Krichene.

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Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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