Angebot stockt

Darum müssen Makler bei Tierversicherungen jetzt genau hinschauen

Nach Insolvenzen und Rückzügen am Tierversicherungsmarkt müssen Makler genau hinschauen, wem sie ihre Kunden anvertrauen.
Freundliche Tierarztberatung bei Katze im Transportkorb, Tierärzte bei der Untersuchung.
© Freepik
Kätzchen beim Tierarzt: Die Kosten im Tierversicherungsmarkt sind gestiegen. Entsprechend zieht auch die Nachfrage nach Tierpolicen an. Beim Angebot indes ruckelt es etwas.

Es rumort im Markt für Tierversicherungen in Deutschland. Die Sparte galt lange als Wachstumsfeld. Immer mehr Halter von Hunden, Katzen oder Pferden suchen schließlich Hilfe bei hohen Tierarztkosten. Das treibt grundsätzlich die Nachfrage.

Doch inzwischen zeigt sich eine deutliche Abkühlung: Anbieter ziehen sich aus dem Segment zurück – zumindest über den Maklervertrieb. Andere kämpfen mit den Folgen von Insolvenzen und suchen nach neuen Risikoträgern. Für Versicherungsmakler bedeutet das: Sie müssen ihre Produktauswahl und Beratungspraxis stärker hinterfragen als noch vor wenigen Jahren.

Aber von vorn: In den vergangenen Monaten haben die Branche mehrere Entwicklungen beschäftigt. So hat die Interlloyd, der Maklerversicherer der Arag-Gruppe, zum 1. Juli 2025 die Produktlinie „Tierkrankenschutz“ eingestellt. Man werde diese nicht mehr aktiv vermarkten und weiterentwickeln, gab der Versicherer bekannt. Und weiter: „Diese Entscheidung gilt für beide Tarife Interlloyd Tierkranken und Tier-OP und ist das Ergebnis intensiver Beratungen und Marktbeobachtungen.“

Heißt: Die Umsatzziele wurden nicht erfüllt. Man wolle den Fokus mehr auf die Kernkompetenzen lenken, heißt es. Alle laufenden Verträge des Tierkrankenschutzes will die Interlloyd „selbstverständlich wie vereinbart“ erfüllen.

Hart erwischt hat es die Panda Tierversicherung. Der Assekuradeur musste sich Anfang 2025 einen neuen Risikoträger suchen, weil der bisherige – Element Insurance – pleiteging. Ärgerlich. Aber ein neuer ward gefunden: die Interrisk. Sie wird Panda in Deutschland, aber auch im internationalen Geschäft begleiten, teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit.

Dort hieß es auch, dass Beiträge und Leistungen der Kunden gleichbleiben, bereits verbrachte Wartezeiten angerechnet werden und Gesundheitsprüfungen nicht nochmal nötig sind. „Diese Lösung, wenn sie denn so umgesetzt wird, ist eine gute Nachricht für alle Versicherten mit kranken oder älteren Tieren“, schrieb damals Martin Markowsky, Gründer von Dogvers, in einem Blogbeitrag zum Thema. Verbesserungen wollte Panda auch gleich vornehmen. Schadenfälle soll ein hauseigenes Team aus Tierärzten bearbeiten. Das Tierarztteam steht über eine Hotline zur Verfügung und Kunden sollen das Budget auf unbegrenzt viele Einreichungen aufteilen können.

DFV: Tierpolicen nur noch direkt und online abschließbar

Die Deutsche Familienversicherung (DFV) gab im März 2025 indes bekannt, den Maklervertrieb für die Tierkrankenversicherung einzustellen. Seit dem 10. März 2025 sind die Policen nun ausschließlich über den Online- und den Direktvertrieb zu haben.

Warum dieser Schritt? „Ich gehe davon aus, dass diese Maßnahme alleine der Kostenreduzierung dient, da der Vertrieb über Versicherungsmakler bedingt durch die Maklercourtage höhere Abschlusskosten verursacht. Vorausgegangen waren dieser Maßnahme deutliche Prämienerhöhungen und eine drastische Limitierung der Höchstentschädigungssummen. Dies verdeutlicht, wie hoch der Kostendruck bei einigen Anbietern mittlerweile ist“, schreibt Branchenbeobachter Stephan von Heyman, der selbst Hundehalter ist, dazu in seinem Sachthemen.Blog.

Tatsächlich haben sich wohl viele Anbieter locken lassen von steigenden Haustierzahlen und der Bereitschaft vieler Menschen, ihr Tier – das Familienmitglied – bestens zu versichern.

Das beobachtet auch Martin Markowsky: „In den vergangenen drei bis vier Jahren ist die Zahl der Anbieter von Tierversicherungen rasant auf deutlich über 40 Versicherer gestiegen. Jeder wollte dabei sein und – zumindest glaube ich das – damit Geld verdienen. Ein Booster war hier sicher die Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte Ende 2022.“ Dann grätschten aber wachsende Schadenquoten, härtere Konkurrenz und steigende Tierarztkosten dazwischen. Und so lohnt sich das Tiergeschäft eben nicht mehr für alle.

Was nicht unbedingt schlecht sein muss. „In den vergangenen Jahren sind auch einige ausländische Anbieter auf den deutschen Markt gedrängt mit teils extrem schlechten Bedingungen, die streckenweise unter dem GDV-Standard liegen“, sagt Markowsky. „Des Weiteren ist der Markt mittlerweile sehr undurchsichtig, da jeder Anbieter seine präferierten Gimmicks in das Produkt packt. Teilweise hat das mit der eigentlichen Absicherung nichts mehr zu tun.“

Eine Rückbesinnung aufs Wesentliche wäre da heilsam, findet der Versicherungsmakler. „Die Produkte werden sich verändern müssen. Sie müssen standardisierter, limitierter und damit schlanker werden.“ Diese Entwicklung sei gerade auch in Schweden und Großbritannien zu sehen, die dem deutschen Tierversicherungsmarkt einige Jahre voraus seien. Markowsky: „Die aktuelle Vollkaskomentalität, die in Deutschland vorherrscht, wird es aus meiner Sicht in etwa fünf Jahren nicht mehr geben.“

Markt mit großem Potenzial

Was bedeutet diese Entwicklung nun für Maklerinnen und Makler? Zunächst einmal bleiben die Aussichten gut: „Der Markt gilt weiterhin als Wachstumsfeld mit großem Potenzial“, sagt von Heymann. „Aktuell verfügen rund 30 Prozent der Hundehalter in Deutschland über eine Tierkrankenversicherung. Bei Katzenhaltern liegt der Anteil bei etwa 23 Prozent, bei Pferdebesitzern sogar bei rund 42 Prozent.“ Zudem gebe es mittlerweile auch Policen für Kleintiere wie Vögel, Kaninchen oder Reptilien.

Aber: Der Wahl eines passenden Produktes und vor allem des Anbieters kommt eine größere Bedeutung zu. Der reine Tarifvergleich reicht längst nicht mehr aus. Entscheidend ist, wer tatsächlich das Risiko trägt und wie solide dieser Risikoträger aufgestellt ist. Viele Versicherer arbeiten mit externen Trägern oder Assekuradeuren zusammen, deren wirtschaftliche Stabilität für den Endkunden kaum erkennbar ist.

Makler sollten deshalb bei jeder Tierversicherung prüfen, welche Gesellschaft rechtlich und finanziell hinter dem Produkt steht, wie deren Solvenz bewertet wird und ob Rückversicherungsverträge bestehen. „Ein finanziell stabiler Anbieter ist entscheidend, da Tierversicherungen oft über viele Jahre hinweg bestehen und Tierbesitzer sicherstellen müssen, dass ihr Vertragspartner im Ernstfall zahlungsfähig bleibt“, so von Heymann.

Neben der Bonität spielen die vertraglichen Details eine entscheidende Rolle. In der Tierkranken- und -OP-Versicherung sind Leistungsdefinitionen oft komplex. Wartezeiten, Altersgrenzen, Ausschlüsse bei Vorerkrankungen, jährliche Erstattungsobergrenzen und Selbstbeteiligungen unterscheiden sich teils erheblich. Hier muss genau hingeschaut werden, was zum Kunden und Tier passt.

Einen weiteren wichtigen Punkt spricht von Heymann an: „Die Tierkrankenversicherung ist rechtlich eine Sachversicherung, und gemäß Versicherungsvertragsgesetz können sowohl Versicherer als auch Versicherungsnehmer nach jedem Schadenfall den Vertrag kündigen. In der Praxis führt das häufig zu Frustration: Wer über Jahre brav Beiträge gezahlt hat, erlebt nach der ersten größeren Operation seines Tieres manchmal die Kündigung durch den Versicherer – ein durchaus legales, aber aus Kundensicht unbefriedigendes Vorgehen.“

Umso wichtiger sei es deshalb, auf Versicherer zu setzen, die freiwillig auf ihr Kündigungsrecht verzichten – und zwar sowohl auf das Kündigungsrecht nach einem Schadenfall als auch auf das ordentliche Kündigungsrecht zur Hauptfälligkeit. „Solche Anbieter gibt es – und sie zeigen damit, dass sie es mit dem Thema Tiergesundheit und Kundenbindung ernst meinen“, so der Branchenbeobachter weiter.

Was für den Versicherer gilt, sollte aber auch für den Vermittler Ehrensache sein: Der Markt ist komplex. Es gibt viele Stolpersteine in den Bedingungen. „Hier ist echte Expertise gefragt – denn Tierkrankenversicherung ist kein Nebenprodukt, das man ‚zwischen KFZ und Hausrat‘ mitberaten sollte“, findet von Heymann.

Fazit: Trotz aller Herausforderungen bleibt der Markt für Tierversicherungen attraktiv – die Nachfrage ist ungebrochen, und viele Kunden sind bereit, für hochwertige Absicherung angemessen zu zahlen. Entscheidend ist, dass Makler ihre Rolle als Qualitätsfilter zwischen Kunde und Anbieter wahrnehmen. Wer Produkte nach Stabilität, Leistung und Service auswählt, stärkt nicht nur die eigene Reputation, sondern schützt auch den Kunden vor unangenehmen Überraschungen.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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