Weil Riester-Rente bleiben soll

VZBV kritisiert Fokusgruppe für Festhalten „am maroden System“

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) zeigt sich enttäuscht von den Empfehlungen der Fokusgruppe private Altersvorsorge. Das Ziel einer grundlegenden Reform der privaten Altersvorsorge in Deutschland werde mit den Beschlüssen „deutlich verfehlt“. Der VZBV kritisiert vor allem die Absage an einen öffentlich organisierten Vorsorgefonds und das Festhalten an der Riester-Rente.
© VZBV
Ramona Pop ist Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Verbraucherzentralen (VZBV).

Mit Spannung wurde der Bericht der Fokusgruppe private Altersvorsorge erwartet – nun liegt er endlich vor. Doch die 132 Seiten, die das Bundesfinanzministerium (BMF) am 17. Juli veröffentlicht hat (Download hier), lassen zumindest bei Verbraucherschützern keinerlei Jubel aufkommen.  

„Die Empfehlungen der Kommission sind enttäuschend“, kommentierte Ramona Pop die Empfehlungen der Ende 2022 von der Bundesregierung eingesetzten Expertengruppe. Die Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Verbraucherzentralen (VZBV) stört sich vor allem daran, dass sich die Fokusgruppe „mehrheitlich gegen die Einführung eines öffentlich organisierten Vorsorgefonds“ entschieden hat, wie es sich der VZBV immer gewünscht hatte.

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„Es braucht einen öffentlich verwalteten Fonds, der breit diversifiziert das Geld der Verbraucher in Aktien anlegt – verlässlich und ohne unnötige Kosten und Gebühren“, wird Pop am Dienstag in einer Stellungnahme zitiert. Doch leider habe die Fokusgruppe keine Kraft für einen Reformvorschlag aufbringen können, der den Verbrauchern eine grundlegende Verbesserung bringe, so die VZBV-Chefin.

Zudem kritisieren die Verbraucherschützer mit deutlichen Worten, dass die Riester-Rente nach Meinung der Fokusgruppe keineswegs abgewrackt werden soll. Obwohl die „massiven Probleme“ der Riester-Rente seit Jahren bekannt seien, halte das Gremium „am maroden System fest“. Es werde somit die Chance verpasst, die Probleme der privaten Altersvorsorge „grundlegend zu lösen“.

Nach dem Willen der Fokusgruppe soll die Riester-Rente vereinfacht und ausgeweitet werden. Unter anderem sollen die Angebote übersichtlicher und günstiger werden. Außerdem soll die Garantie der Vergangenheit angehören (weitere Details dazu, erfahren Sie hier).

Das reicht dem VZBV aber offenbar nicht – denn ein öffentlich verantworteter Vorsorgefonds sei privaten Angeboten wie der Riester-Rente „klar überlegen“. Eine reine Aktienstrategie bringe im Mittelwert eine rund dreimal so hohe Rente wie eine risikolose Anlage in Anleihen, berichtet der Verband und verweist auf ein entsprechendes Gutachten des ZEW Mannheim im Auftrag des VZBV von 2019. Länder wie Schweden oder Großbritannien machten seit Jahren vor, dass ein solches Modell für die Sparer funktioniere und das Geld „nicht primär in den Taschen der Finanzwirtschaft landet“.

Weiter hält es der VZBV für „untragbar“, dass Versicherungsunternehmen den Sparern für ihre Zusatzrenten „weniger Geld auszahlen können sollen, als sie eingezahlt haben“. Ein solcher Garantieverzicht sei zwar durchaus sinnvoll – aber nur bei Fondssparplänen. Bei Versicherungsprodukten hätten Verbraucher hingegen das Nachsehen, so VZBV-Vorständin Pop.

Der Fokusgruppe gehörten neben Wissenschaft, Bundesregierung und VZBV unter anderem der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) an. Was GDV und BVI von den Vorschlägen der Fokusgruppe halten, können Sie hier nachlesen.

Dazu muss man wissen: Die Fokusgruppe traf ihre Empfehlungen mehrheitlich und zu einzelnen Punkten mit Minderheitsvoten. Inwieweit die Vorschläge der Fokusgruppe in ein Gesetzgebungsverfahren münden, bleibt noch abzuwarten.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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